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Land unter am Markusplatz : Enorme Schäden an Venedigs Kulturdenkmälern

Die Krypta des Markusdoms ist erneut mit Wasser vollgelaufen. Die Schäden sind noch nicht gezählt, da steigt das Wasser wieder.

Der Dogenpalast spiegelt sich im Hochwasser auf dem Markusplatz in Venedig.
Der Dogenpalast spiegelt sich im Hochwasser auf dem Markusplatz in Venedig.Foto: Claudio Furlan/LaPresse/dpa

Auch die unzähligen Kulturschätze in Venedig sind von dem schweren Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen worden. „Man muss die enormen Schäden am Kulturerbe verstehen (...). Eine gewaltige Anstrengung des Staates und der ganzen italienischen Gesellschaft ist notwendig, um Venedig zu unterstützen“, erklärte Kulturminister Dario Franceschini bei einem Besuch in der unter Wasser stehenden Lagunenstadt am Freitag. Gleichzeitig rief er zu Spenden für die Stadt auf, um dem „Welterbe Italiens und der Menschheit“ zu helfen.

Auch der Markusdom - eines der wichtigsten Wahrzeichen der Unesco-Stadt - habe Schäden abbekommen. „Die Krypta ist erneut mit Wasser vollgelaufen“, sagte Franceschini laut italienischen Nachrichtenagenturen. Zudem postete er ein Video, in dem der überflutete Boden zu sehen ist. Die Schäden seien allerdings „nicht irreparabel“.

Wie hoch der gesamte Schaden ist, ist noch nicht bekannt. Vor allem das Salzwasser ist eine Gefahr für Denkmäler, für Marmor oder auch für Bücher. Der Markusplatz wurde am Freitag wegen Überflutung und starken Windes gesperrt, erklärte Bürgermeister Luigi Brugnaro.

Das Wasser stieg auf einen Stand von 154 Zentimeter über dem normalen Meeresspiegel und ging dann wieder zurück, teilte das Gezeitenbüro der italienischen Stadt mit. Rund 70 Prozent der historischen Stadt seien überschwemmt, berichteten lokale Medien.

Schulen sind genauso wie der Dogenpalast geschlossen

„Ein weiterer Tag des Alarms“, schrieb Brugnaro auf Twitter und rief die Einwohner zur Vorsicht auf. Vor allem der Wind peitschte das Wasser wieder in die Stadt. Schulen waren genauso wie der Dogenpalast geschlossen. Der öffentliche Verkehr wurde eingestellt.

In der Nacht zu Mittwoch hatte das Wasser allerdings noch deutlich höher gestanden. Es war ein Rekordwert von 187 Zentimetern registriert worden. Das war der höchste Wert seit mehr als 50 Jahren. Das bedeutet, dass mehr als 90 Prozent der historischen Stadt unter Wasser standen. Das war der höchste Wert seit 1966.

Der Eingangsbereich zum Markusdom ist überflutet.
Der Eingangsbereich zum Markusdom ist überflutet.Foto: dpa/Luca Bruno/AP

Nach den verheerenden Überschwemmungen in Venedig hatte die italienische Regierung am Donnerstag den Notstand für die Lagunenstadt beschlossen. Dies teilte der Ministerrat nach einer Sitzung am Donnerstag mit. Damit werden 20 Millionen Euro an Soforthilfen freigegeben. Ministerpräsident Giuseppe Conte sagte, dass Privatleute mit Soforthilfen von 5000 und Geschäftsleute von 20.000 Euro rechnen könnten. Conte hatte am Donnerstag Venedig besucht.

Im ganzen Norden Italiens, aber auch in anderen Landesteilen werden für die nächsten Tage weiter heftige Niederschläge erwartet. In Venedig ist das Ausmaß der Schäden noch nicht abzusehen. In der Unesco-Welterbestadt entbrannte ein Streit über den mangelnden Flutschutz.

Flutschutz-Projekt wegen Korruption verzögert

Ein Milliarden-Projekt mit dem Namen „Mose“ – kurz für „Modulo Sperimentale Elettromeccanico“ – sollte eigentlich schon 2014 in Betrieb gehen. Dabei sollen riesige Barrieren an drei Eingängen zur Lagune hochgefahren werden und die Stadt schützen, sobald der Meeresspiegel eine kritische Marke überschreitet. Vor mehr als 15 Jahren begannen die Arbeiten, die schon knapp sechs Milliarden Euro kosten. Ein Korruptionsskandal verzögerte das umstrittene Mammutwerk. Auch gibt es seit jeher Kritik, dass ein Eingriff in das sensible Ökosystem der Lagune mehr schade als nutze.

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Venedig steht weiter unter Wasser
Venedig steht weiter unter Wasser

Nach den Bildern der Zerstörung beeilten sich Politiker zu versichern, dass das Projekt nächstes Jahr fertig werde. „In den letzten Jahren gab es viele Skandale. Es gab schwere Verzögerungen“, gestand Infrastrukturministerin Paola De Micheli in einem Radiointerview ein. Jetzt seien aber bereits 93 Prozent fertiggestellt.

Kreuzfahrtschiffe in der Kritik

Wissenschaftler führen die zunehmenden Fluten in Venedig auf den Klimawandel zurück, der den Meeresspiegel steigen lässt. „Das Hochwasser in Venedig bringt das Problem der absoluten Trägheit an die Oberfläche, mit der man in Italien das Phänomen des Meeresspiegelanstiegs angeht“, erklärte Luigi Merlo vom Handelsverband Confcommercio. Viele Kritiker halten auch die großen Kreuzfahrtschiffe für eine Gefahr. Weil für sie immer tiefere Fahrrinnen ausgehoben würden, entwickelten sich Teile der Lagune zu einem offenen Meeresarm.

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Hochwasser in Venedig erreicht Rekordwert
Hochwasser in Venedig erreicht Rekordwert

Und so müssen erst Bilder wie von einem überschwemmten Markusdom um die Welt gehen, dass sich Italien wieder des Problems bewusst wird. Kulturdenkmäler seien durch salziges und schmutziges Wasser in Mitleidenschaft gezogen worden, sagte Kulturminister Dario Franceschini und sprach von einem „Notfall“. Kunstwerke in Sammlungen oder Material in Archiven und Bibliotheken seien aber nach ersten Erkenntnissen nicht beschädigt worden.

„So was habe ich noch nicht gesehen. Es ist eine Katastrophe.“

Während Touristen Selfies mit den Wassermassen machten, waren die Bewohner schockiert. „So was habe ich noch nicht gesehen. Es ist eine Katastrophe. Es ist wie ein Krieg. Wir haben es gewusst“, sagte der Venezianer Ezio Toffolutti der Deutschen Presse-Agentur. Läden und Supermärkte seien alle im Erdgeschoss, die habe es deshalb schlimm erwischt. „Eine schreckliche Zeit“, sagte der viel in Deutschland tätige Bühnenbildner.

Ministerpräsident Conte traf am Donnerstag in Venedig auch Kioskbesitzer Walter Mutti, der bei der Flut alles verloren hatte. Bilder hatten gezeigt, wie sein Kiosk in den braunen Wassermassen davon trieb. „Ich habe nicht die geringste Ahnung, wo er sein könnte“, sagte Mutti in einem Interview der Zeitung „La Repubblica“ auf die Frage nach dessen Verbleib. (dpa)

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