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Thronjubiläum der Queen: Mit Pomp, Witz und Standhaftigkeit

Bei den Feiern zum Thronjubiläum der Queen lassen sich die Briten auch vom Regen die Stimmung nicht vermiesen.

Sie wappneten sich mit Anoraks, Regenschirmen und Regenhäuten. Und dennoch beendeten viele den Tag von Kopf bis Fuß durchnässt. Aber nichts konnte die Briten am Sonntag davon abhalten, mit Pomp, Witz, Standhaftigkeit und einer Mischung aus Begeisterung, Stoizismus und Selbstironie ihre Queen und gleichzeitig sich selbst zu feiern.

Die Themse wurde bei den Feiern zum Thronjubiläum zur Prachtstraße für einen Festkorso von 1000 Booten – darunter große Segelschiffe, die im alten Hafen von London vor der Tower Bridge festgemacht hatten. Das Guiness-Buch der Rekorde zählte 670 Boote, die in der Prozession selbst fuhren – ein neuer Rekord. „Dies war das größte Bootsfest seit Hunderten von Jahren“, sagte Londons Bürgermeister Boris Johnson.

Pünktlich um 14.15 Uhr Ortszeit begann die typisch britische Mischung aus militärischer Präzision und schrulligem Theater, als die Queen, ganz in weiß gekleidet, zusammen mit ihrem Ehemann, dem Duke of Edinburgh, Prinz Charles und seiner Frau Camilla das Beiboot ihrer einst geliebten königlichen Yacht „Britannia“ betrat. Als die Yacht 1997 von dem damaligen Labour-Premier Tony Blair aus Spar-Gründen aus dem Dienst genommen wurde, weinte die ansonsten immer gefasste Queen die einzige öffentliche Träne ihrer Regierungszeit. Blair bereute die Entscheidung später.

Das Spektakel endete drei Stunden später, als ein sichtlich vor Kälte zitternder Chor die Nationalhymne „God save the Queen“ sang. „Kümmern wir uns ums Wetter?“, fragte Bürgermeister Johnson, und Umstehende jubelten im Chor: „Niemals“. Eine Rentnerin erinnerte sich an die Krönung der Queen 1953, bei der es ebenfalls regnete. Nun sollen sich Kinder wieder über Generationen hinweg an das Fest erinnern.

Mit der Barke „Britannia“ wurde die Queen zu ihrer Festbarke „The Spirit of Chartwell“ gebracht, die vor ein paar Monaten noch für die Müllabfuhr auf der Themse benutzt wurde. Am Sonntag hatte sie einen goldenen Flussgott am Bug und war mit Tausenden von Blumen geschmückt. Zum letzten Mal gab es etwas Vergleichbares 1662 zu sehen. Damals feierte König Charles II. seine neue Queen, Catherine von Braganza, mit einer Prozession auf der Themse.

Überall waren die Gebäude am Ufer mit Fahnen, blau-weiß-roten Luftballons und Gratulationsplakaten für die Queen geschmückt. Menschen drängten sich an Fenstern und auf Balkonen. Fast 15 Kilometer lang war die Strecke für die Boote. Ganze 75 Minuten dauerte die Vorbeifahrt des Korsos im festlichen Teil der Tour unter 13 Themsebrücken von der Albert Bridge zur Tower Bridge. Nach ersten Schätzungen waren rund zwei Millionen Menschen an den Ufern versammelt – davon schätzungsweise 1,25 Millionen, die von außerhalb der britischen Hauptstadt angereist waren. Züge in die Hauptstadt waren derart überfüllt, dass viele Fahrgäste zurückgewiesen werden mussten.

Nie war die Monarchin beliebter.

Es gab Segelboote aus Hawaii, venezianische Gondeln, Dampfboote, eine chinesische Dschunke und ein von Maoris mit nacktem Oberkörper gerudertes Kanu aus Neuseeland. Ihnen wird die Kälte am wenigsten ausgemacht haben. Die Queen musste sich zwischendurch in einen wärmenden Schal hüllen. Auf dem mit rotem Samt bezogenen Thronsesseln auf der Barke nahmen sie und Prinz Philip nie Platz. Die Herzogin von Cambridge, Prinz Williams Frau Kate, hielt die Fahrt eisern im roten Kostüm ohne Mantel durch.

Gegenüber der Tower Bridge bei der City Hall hatte die Protestgruppe „Republic“ zum „größten republikanischen Protest in modernen Zeiten“ eingeladen. Aber die Republikaner wurden ausgebuht und verdrückten sich bald. Mit Plakaten wie „Demokratie – nicht Monarchie“ demonstrierten sie gegen das „ungewählte Staatsoberhaupt, das niemand Rechenschaft ablegen muss“. Dabei befindet sich die Queen seit 60 Jahren täglich unter der Lupe der öffentlichen Meinung. In einer neuen Umfrage wurde die Queen zum beliebtesten und besten Monarchen der britischen Geschichte gewählt – 35 Prozent halten sie für besser als Vorgänger wie Queen Victoria, Elizabeth I. oder Heinrich XIII. Auf die Frage, wer sich am meisten um die Belange der Menschen kümmere, nannten 35 Prozent die Queen, nur neun Prozent der Befragten erwähnten gewählte Politiker. Nie war die Unterstützung für die Monarchie größer. Es sei „völlig ausgeschlossen“, dass die Queen einmal abdanke oder ihr Sohn Prinz Charles als Thronfolger übersprungen werde, sagte Regierungschef David Cameron in der BBC. „Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass ihr Einsatz geringer wird“.

An diesem Montag geht das Feiern mit einem großen Popkonzert vor dem Buckingham-Palast weiter. Vom Dach spielen die Popgruppe „Madness“, und auch Paul McCartney, Elton John und Cliff Richard sind unter den Stars. Wie der Schiffskorso wird das Konzert auf Großleinwänden im ganzen Land übertragen. Anschließend um 22.30 Uhr werden Leuchtfeuer rund um die britische Insel erleuchtet, und es gibt Feuerwerke. Die Queen wird eines von 4000 Freudenfeuern im ganzen Land und in den 54 Commonwealth-Ländern anzünden.

Am Dienstag endet das Feiern mit einer Kutschenprozession und einem Dankgottesdienst in der St. Paul’s Cathedral. Auch hier wird nichts dem Zufall überlassen: Bereits am Freitagmorgen um 4 Uhr hatten Gardesoldaten in ihren Paradeuniformen die Aufstellung geübt und mit Hilfe eines riesigen Holzzirkels ihre exakten Positionen markiert.

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