Schiffsunglück vor China : Ölteppiche breiten sich nach "Sanchi"-Untergang im Meer aus

Die chinesischen Behörden haben das Schiffsunglück zunächst heruntergespielt, jetzt warnen auch sie. Ein US-Experte vergleicht die Katastrophe mit der "Exxon Valdez".

Ein Rettungsschiff am Freitag bei Löscharbeiten an der "Sanchi".
Ein Rettungsschiff am Freitag bei Löscharbeiten an der "Sanchi".Foto: imago/Xinhua

Nach dem Untergang des Tankers „Sanchi“ im Ostchinesischen Meer breiten sich mehrere Ölteppiche aus. Zwei Ölteppiche, einer 15 Kilometer und der andere 18 Kilometer lang, sind der Nähe der Untergangsstelle entdeckt worden, wie Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag unter Berufung auf die Meeresverwaltung des Landes berichtete. Schiffe und ein Flugzeug seien vor Ort im Einsatz, um die Entwicklung zu beobachten.

Die Behörden der Volksrepublik hatten zunächst beteuert, dass die Umweltauswirkungen durch das austretende Leichtöl begrenzt seien. Doch Experten befürchten eine Umweltkatastrophe von historischem Ausmaß. Schließlich trete aus dem iranischen Tanker auch Ölkondensat aus, das zwar auf den ersten Blick nicht zu sehen, für die Meeresbewohner aber besonders giftig sei. Inzwischen warnen auch die chinesischen Behörden vor dem Ölteppich.

Bereits am Vortrag hatte der Umweltschutzverband WWF wegen des gesunkenen iranischen Öltankers vor schlimmen Folgen für die Natur gewarnt. Nach Angaben der Umweltschützer hatte das Schiff 136.000 Tonnen Ölkondensat geladen und 1000 Tonnen giftiges Schweröl als Treibstoff an Bord. Das Kondensat, das aus dem gesunkenen Tanker austritt, sei giftig für Meerestiere und Seevögel. Zudem seien die Meeresströmungen an der Schwelle zwischen Gelbem und Ostchinesischem Meer komplex, sodass kaum vorherzusagen sei, wohin der Ölteppich driften werde.

Ölkondensat bildet giftige Säule aus Kohlenwasserstoffen

Seines Wissens sei noch nie soviel Ölkondensat - ein besonders hochwertiges Leichtöl - auf einen Schlag in die Umwelt gelangt, sagte der US-Berater für Öl-Katastrophen, Richard Steiner, der Nachrichtenagentur AFP. Ihm sei kein Fall bekannt, bei dem mehr als tausend Tonnen Kondensat ins Meer gelangt seien, sagte Steiner. Bei den meisten Fällen sei es sogar weniger als eine Tonne. Selbst wenn nur 20 Prozent der Ladung ins Meer gelangt seien, entspräche dies in etwa der Menge an Rohöl, die bei der Havarie des Öltankers "Exxon Valdez" 1989 vor Alaska ausgelaufen sei, verdeutlichte Steiner das Ausmaß der Umweltkatastrophe.

Anders als Rohöl bildet Ölkondensat keinen Teppich auf der Meeresoberfläche, sondern erzeugt unter Wasser eine giftige Säule aus Kohlenwasserstoffen. Für die Wale, Seevögel, Fische und das Plankton im Ostchinesischen Meer bedeute dies Lebensgefahr, sagte Steiner. Darüberhinaus könnten bei den Tieren chronische Krankheiten verursacht oder ihre Fortpflanzung gehemmt werden.

Der iranische Tanker war vor etwa einer Woche rund 300 Kilometer östlich von der Hafenstadt Shanghai entfernt mit einem chinesischen Getreidefrachter kollidiert. Am Sonntag sank der Tanker. An Bord waren 30 Seeleute aus dem Iran und 2 aus Bangladesch, für die es laut iranischem Transportministerium keine Hoffnung mehr gibt. (dpa, AFP)

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