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Brandkatastrophe in der Schweiz: Verschlossene Tür in der Bar in Crans-Montana verhinderte die Flucht
Bei dem Feuer in einer Schweizer Bar waren in der Silvesternacht 40 Menschen ums Leben gekommen. Jetzt hat der Barbesitzer mitgeteilt, dass eine „Servicetür“ in der Bar verschlossen gewesen sei.
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Nach der verheerenden Brandkatastrophe bei einer Silvester-Party im Schweizer Skiort Crans-Montana hat der Betreiber der Bar angegeben, dass eine „Servicetür“ von innen verschlossen gewesen sei.
Bei seiner Vernehmung am Freitag durch die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis erklärte Jacques Moretti laut französischen und Schweizer Medienberichten, er habe diese Tür nach dem Brand von außen aufgebrochen, weil sie „von innen verriegelt“ gewesen sei.
Moretti gab demnach gegenüber den Ermittlern an, es habe sich um eine „Servicetür“ gehandelt, die „nicht als Notausgang gekennzeichnet“ war. An der Tür hätten mehrere Menschen reglos gelegen.
Ermittler vermuten, dass die Katastrophe durch an Flaschen befestigte Feuerwerksfontänen ausgelöst wurde, die der Decke zu nahe kamen. Moretti gab den Berichten zufolge an, den schalldämpfenden Schaum an der Decke selbst in einem Baumarkt gekauft und installiert zu haben.
Wie es am Freitag aus Ermittlerkreisen hieß, wurde gegen den Franzosen Moretti in Sitten im Kanton Wallis Untersuchungshaft verhängt. Gegen ihn und seine Frau, die ebenfalls Mitbesitzerin der Bar ist, wird seit Anfang Januar wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und Körperverletzung ermittelt.
Am Freitag wurden die Morettis erstmals offiziell als Beschuldigte von der Staatsanwaltschaft befragt. Die Bar-Betreiber hatten sich jüngst in einer Stellungnahme an die Öffentlichkeit gewandt und den Opfern ihr Mitgefühl ausgedrückt. „Seien Sie versichert, dass wir uneingeschränkt kooperieren und dieser Angelegenheit in keiner Weise ausweichen werden“, sagten sie zu den Ermittlungen.
In einer bewegenden Trauerfeier gedachten die Schweiz und andere Nationen der 40 Toten der Brandkatastrophe von Crans-Montana. Die Träume vieler junger Menschen seien vorzeitig in der Asche einer Nacht des Grauens zunichtegemacht worden, sagte der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin. Zugleich forderte das Staatsoberhaupt eine lückenlose Aufklärung des Geschehens. Verfehlungen seien „ohne Verzögerung und ohne Nachsicht“ aufzudecken.
„Undenkbar“ - mit diesem Wort beschrieb Parmelin in seiner Rede das Inferno. „Undenkbar, weil ein Land, dass sich als Hort der Korrektheit und der Zuverlässigkeit versteht, in der Lage sein muss, das Risiko zu erkennen, diesen allgegenwärtigen Schatten, der immer auf der Suche nach Schwachstellen auf der Lauer liegt“, sagte der Politiker. Es gelte, Lehren zu ziehen und künftig für die größtmögliche Sicherheit in öffentlichen Einrichtungen zu sorgen, sagte Parmelin.
Der Regierungschef des Schweizer Kantons Wallis, Mathias Reynard, bat bei der Trauerfeier die Angehörigen um Entschuldigung. Aus Deutschland war Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) angereist. Elf Überlebende werden in deutschen Kliniken behandelt - unter anderem in Hospitälern in Baden-Württemberg.

© REUTERS/Laurent Gillieron
In der Silvesternacht wurden bei dem Brand in der Bar „Le Constellation“ 40 Menschen getötet. Knapp 120 wurden großteils schwer verletzt. Fast alle Todesopfer waren Teenager und junge Erwachsene - die jüngsten waren erst 14 Jahre alt. Unter den Toten sind auch neun junge Schweizer Fußballer aus Regionalvereinen. Das gab der Schweizer Fußball-Verband (SFV) am nationalen Trauertag für die Tragödie in einem Post auf der Plattform X bekannt.
Augenzeugen: „Bilder waren unerträglich“
Bei der Trauerfeier mit rund 1000 Gästen, darunter der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, schilderten drei jugendliche Augenzeugen die furchtbaren Momente der Silvesternacht. „Es war eine apokalyptische Szene“, sagte eine junge Frau. „Die Bilder, die sich uns boten, waren unerträglich.“ Die drei gehörten zu den Menschen, die in einer Bar gegenüber vom Brandort gefeiert hatten.
Meloni thematisiert schwere Verdachtsmomente
Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni sprach bei einer Pressekonferenz in Rom einen von Medien verbreiteten Verdacht an: „Ich lese, dass es Videos geben soll, auf denen die Verantwortliche dieses Lokals zu sehen ist, wie sie mit der Kasse flieht.“ Wenn das stimme, müssten die Konsequenzen schonungslos sein. Die Staatsanwaltschaft wollte bisher auf Anfrage der dpa keine Stellung dazu nehmen.
„Was in Crans-Montana passiert ist, ist kein Unglück. Was in Crans-Montana passiert ist, ist das Ergebnis davon, dass zu viele Menschen ihre Arbeit nicht gemacht oder geglaubt haben, sie könnten leichtes Geld machen“, sagte Meloni weiter. Es gebe viele „Warum“-Fragen: „Warum wurde die Musik nicht gestoppt? Warum wurde diesen Jugendlichen nicht gesagt, dass sie rausgehen sollen? Warum hat die Gemeinde keine Kontrollen durchgeführt?“, sagte Meloni. (AFP, dpa)
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