Zehn Jahre Burj Khalifa : In nur einer Minute im 124. Stock

Vor zehn Jahren wurde das höchste Gebäude der Welt eingeweiht – Burj Khalifa. Nun plant Dubai wieder ein Mega-Projekt, die Expo 2020.

Höchstes Gebäude der Welt - Burj Khalifa.
Höchstes Gebäude der Welt - Burj Khalifa.Foto: Peter Kneffel/dpa

Nur eine Minute braucht der Lift in den 124. Stock: Das höchste Gebäude der Welt hat dennoch nur den drittschnellsten Aufzug der Welt. Doch den allermeisten Besucher dürfte dies egal sein. Sie kommen, um auf der Plattform 452 Meter über dem Boden die Aussicht zu genießen und das Spektakel unter ihnen – das Luxus-Einkaufszentrum Dubai Mall, den tanzenden Springbrunnen, das neue Opernhaus und überhaupt, die Stadt der Superlative.

Als das Burj Khalifa vor zehn Jahren am 4. Januar eingeweiht wurde, lag der Turm der Superlative in mitten einer Fläche von Wüstensand und Baustellen; heute hat sich hier ein eigenes Stadtviertel gebildet – Dubai Downtown, das sich vollmundig „The Center of Now“ (das Zentrum des Jetzt) nennt.

So gut wie jeder der knapp 16 Millionen Besucher, die das Wüstenemirat jährlich verzeichnet, kommt hierher. Die Beliebtheit von Dubai, die inzwischen viertmeistbesuchte Stadt der Welt, scheint ungebrochen. Das Burj will das ultimative Symbol von Glanz und Glamour sein und steht für das Motto von Dubai: „Entdecke alles, was möglich ist.“

Der Bau von Hochhäusern ist in den vergangenen Jahrzehnten ein Markenzeichen von einst armen Ländern geworden, die mit solchen Prestigeprojekten auf sich aufmerksam machen und zeigen wollen, dass sie sich entwickeln. Das gelingt manchmal. In den zehn Jahren seines Bestehens ist das Burj weltbekannt geworden. Es begeht an Silvester das Neue Jahr mit einem Riesen-Feuerwerk und einer Lichtershow. Im März wird dann zur „Earth Hour“, einer weltweiten Umweltaktion, die Beleuchtung für eine Stunde ausgeschaltet.

Willkürliche Ansammlung von Anlässen

Mit Projektionen auf seiner Außenfassade reagiert das Burj auch auf tragische wie freudige Momente: Im März 2019 gedachte es den Opfern des Moscheen-Anschlags in Neuseeland, im April 2019 erinnerte es mit einer Projektion der Flagge von Sri Lanka an die über 250 Toten der Osterattentate, im September feierte es das 25. Jubiläum der amerikanischen TV-Serie „Friends“ und Oktober 2019 ehrte es Indiens Unabhängigkeitskämpfer Mahatma Gandhi anlässlich seines 150. Geburtstages. Es ist eine etwas willkürliche Sammlung von Anlässen.

Der Turm hat neben einem Hotel auch 900 Luxus-Wohnungen. Für die Bewohner der oberen Stockwerke hat die Regierung von Dubai extra eine spezielle Regel für den Fastenmonat Ramadan erlassen. Weil für die Bewohner der höheren Etagen auf Grund der Erdkrümmung die Sonne erst später am Horizont verschwindet, muss dort das Fastenbrechen entsprechend später begangen werden. Bewohner zwischen dem 60. und 120. Stock müssen mit dem Abendessen zwei Minuten länger warten als diejenigen, die sich ebenerdig aufhalten. Wer jenseits des 120. Stocks wohnt, muss sich sogar drei Minuten mehr gedulden.

Das Burj löste 2009 den Wolkenkratzer Taipei 101 als das höchste von Menschen erbaute Gebäude ab. Dieser Höhenrekord ist seit zehn Jahren ungebrochen, obwohl Dubai in seiner typischen Art bereits mehrmals angekündigt hat, den Rekord noch überbieten zu wollen. Konkrete Pläne gibt es aber nicht. Rekord-Bauwerke und Wirtschaftskrisen gehen oft Hand in Hand. Die Eröffnung von Taipei 101 passierte zeitgleich mit dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000, die Petronas-Towers in Kuala Lumpur wurden 1997 in der Asienkrise fertiggestellt, und die Eröffnung des Burj fiel in die Finanzkrise 2008.

In der Tat war Dubai kurz vor der Eröffnung des Prestige-Baus das Geld ausgegangen. Immobilienpreise im Emirat waren um 50 Prozent gefallen. Nur ein Bailout in der Höhe von zehn Milliarden US-Dollar durch das erdölreiche Nachbaremirat Abu Dhabi rettete Ende 2009 die Stadt und ihr Mega-Turm-Projekt. Ursprünglich hieß das Gebäude „Burj Dubai“, aber nach dem Kredit des Scheichs von Abu Dhabi, Sheikh Khalifa bin Zayed Al Nahyan, wurde der Wolkenkratzer zu seinen Ehren in Burj Khalifa umbenannt. Burj ist arabisch für Turm.

Wirtschaftliche Krise

Mit 828 Meter Höhe und 200 Stockwerken, wovon 160 bewohnt sind, und Baukosten von 1,5 Milliarden US-Dollar wurde es nach sechs Jahren Bauzeit dann doch noch von Dubais Herrscher, Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum, eingeweiht. Mehr als 12 000 Arbeiter hatten in 22 Millionen Arbeitsstunden das Gebäude errichtet, das doppelt so hoch ist wie das Empire State Building in New York, und auch noch ein paar andere Rekorde hält: Es hat die höchste Anzahl von Stockwerken, die höchste bewohnte Etage der Welt, die höchste Aussichtsplattform, den längsten Aufzug und den längsten Service-Aufzug der Welt und den höchstgelegenen Swimming Pool im 76. Stock.

Das Burj ist aber auch eine Metapher für Dubai, wo Ambitionen, niedrige Energiekosten und billige Arbeitskräfte den Gedanken an Nachhaltigkeit in den Hintergrund drängen. Zwar hat auch das Burj Sonnenkollektoren, doch der Turm ist auch ein Symbol dafür, wie wenig Umweltprobleme und Klimaschutz in Dubai eine Rolle spielen. Es gibt keine verlässlichen Angaben über den CO2-Fußabdruck des Turms.

Inzwischen befindet sich Dubai erneut in einer wirtschaftlichen Krise: Im Jahr 2018 lag das Wachstum bei lediglich 1,94 Prozent, der niedrigste Stand seit der Schuldenkrise vor zehn Jahren. Die Immobilienverkäufe sind um 21,5 Prozent gesunken. Emaar, die staatliche Baufirma, die das Burj errichtete und in deren Besitz das Gebäude ist, musste sich im Dezember gegen Berichte verwehren, sie wolle das Observations-Deck vom Burj verkaufen, um an Geld kommen.

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Dubai hofft, dass ein neues Mega-Projekt die lahmende Wirtschaft wieder in Schwung bringt: Die Expo-Weltausstellung, die am 20. Oktober 2020 eröffnet werden soll, soll nicht nur 300 000 neue Jobs schaffen, sondern auch neue Investoren anlocken. Als „die größte Show der Welt“, bewirbt Dubai die Veranstaltung, dessen Kernstück, der Al-Wasl-Dom, eine 130 Meter breite Stahlkuppel, ein neues Wahrzeichen am Persischen Golf werden soll.

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