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Carsten Maschmeyer: Zwischen Glamour und negativen Schlagzeilen

Es sind meistens negative Nachrichten, die im Zusammenhang mit Carsten Maschmeyer erscheinen, oft sind es schillernde, und oft sind es welche, in die hochseriöse Persönlichkeiten verwickelt sind.

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Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert. Wer zu Reichtum kommen will, muss auch auf kleine Beträge achten. Carsten Maschmeyer kennt diesen Grundsatz, von klein auf hat er sich hochgearbeitet, die Schätzungen reichen von 500 Millionen („Manager Magazin“) bis 650 Millionen Euro („Zeit“).

Da sind läppische 250 000 Euro nicht viel, die der umstrittene Gründer des Finanzvertriebs AWD als Schadenersatz vom Land Niedersachsen einklagen wollte. Das Landgericht Hannover wies seine Klage am Dienstag in erster Instanz ab.

Es sind meistens negative Nachrichten, die im Zusammenhang mit Carsten Maschmeyer erscheinen, oft sind es schillernde, und oft sind es welche, in die hochseriöse Persönlichkeiten verwickelt sind. Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder beispielsweise, oder Bundespräsident Christian Wulff, den eine enge Freundschaft mit Maschmeyer verbindet. Nicht zu vergessen Ex-Arbeitsminister Walter Riester und Professor Bert Rürup, einst Wirtschaftsweiser, dann Regierungsberater, jetzt Ko-Chef der Maschmeyer-Rürup AG. Riester und Rürup stehen für die Reform der Altersversorgung in Deutschland – vor allem ihre Teilprivatisierung, die den Finanzkonzernen Milliarden in die Kassen spült. An Riester- und Rürup-Produkten hat auch AWD profitiert. Aber AWD hat noch mit anderen Anlageprodukten verdient, vor allem geschlossenen Fonds, Steuersparmodellen. Zehntausende naive Anleger – unter ihnen viele Schauspieler – haben dabei sehr viel Geld verloren, während Maschmeyer und sein AWD sehr viel Geld verdienten.

Es ist reiner Zufall, dass Nachrichten über die finanziellen Beziehungen zwischen Maschmeyer und Wulff mit Nachrichten über die Schadenersatzklage gegen das Land Niedersachsen zusammenfallen. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Außer, dass es für die Beteiligten negative Nachrichten sind und sich die Frage stellt, warum Maschmeyer so viele prominente Freunde hat, obwohl mit seinem Namen meistens Kritisches verbunden wird. Jeder Prominente müsste sich eigentlich fragen, ob es ihm wirklich nützt, in einem Zug mit ihm genannt zu werden.

Anleger, die sich von Maschmeyer und dem AWD geprellt fühlen, klagen zu Tausenden. Sie haben wenig Chancen, die Verträge, die ihnen untergejubelt wurden, sind offenbar wasserdicht. Aber der AWD kann sich nicht ganz sicher fühlen. Der „Stern“ berichtet, dass in Österreich eine Sondereinheit der Wiener Staatsanwaltschaft einer Strafanzeige nachgeht, in der der österreichische Verbraucherschutz – der Verein für Konsumenteninformation (VKI) – mit Unterstützung der Regierung 2500 Opfer in einer Sammelklage vertritt. Der Vorwurf laute, der Finanzvertrieb AWD habe gezielt und systematisch riskante Anlagen mit falschen Versprechungen verkauft.

Viele Menschen wollen sich in seinem Glanz sonnen.

Maschmeyer erweckt manchmal den Eindruck, als habe er mit dem AWD nichts mehr zu tun. In der Tat verkaufte er 2008 rechtzeitig vor der Finanzkrise seine Anteile dem Zürcher Versicherungsriesen Swiss Life. Laut „Manager Magazin“ überredete Maschmeyer Swiss Life, den Konkurrenten MLP zu übernehmen. Als das scheiterte, sanken die Aktien von Swiss Life so stark, dass sich Maschmeyer billig in Swiss Life einkaufen konnte. Maschmeyer sitzt jetzt im Verwaltungsrat von Swiss Life, dem wiederum AWD gehört.

Aber was hat das alles mit der vergleichsweise geringen Schadenersatzklage gegen das Land Niedersachsen zu tun? Als Maschmeyer 2008 sein AWD-Aktienpaket für offenbar mehrere hundert Millionen Euro verkaufte, forderte das Finanzamt im Folgejahr wegen seiner hohen Umsätze aus dem Vorjahr eine Steuervorauszahlung von 32 Millionen Euro. Der Bescheid basierte allerdings auf der falschen Prognose, dass mit weiteren Gewinnen aus Aktienverkäufen zu rechnen sei. Tatsächlich aber hatte Maschmeyer bereits Ende Oktober 2008 sämtliche Aktien verkauft. Nach einem Einspruch wurde der Bescheid auf null zurückgesetzt. 250 000 Euro hatte Maschmeyer seinen Steuerberatern gezahlt, um gegen den fehlerhaften Bescheid des Finanzamtes vorzugehen. Dieses Geld wollte er vom Land Niedersachsen zurück. Doch Richter Kleybolte wies seine Klage ab. „Das Land Niedersachsen muss keinen Schadensersatz an den Kläger zahlen“, da Maschmeyer „es selbst unterlassen hat, den Schaden abzuwenden, obwohl er dazu die Möglichkeit hatte“, urteilte Kleybolte. Der Unternehmer hätte dem Finanzamt mitteilen müssen, dass er alle Aktien verkauft hatte. Eine Amtspflichtverletzung der Behörde erkannte der Richter nicht. Dass Maschmeyer 2008 seine Aktienrestbestände verkauft hatte, habe nur er gewusst. Das Finanzamt habe davon keine Kenntnis gehabt.

Auf einen Vergleich, den die Kammer zuvor vorgeschlagen hatte, hatten sich die Parteien nicht einigen können. Demnach hätte das Land Niedersachsen Maschmeyer 50 000 Euro zahlen sollen. Die Entscheidung des Landgerichts Hannover ist noch nicht rechtskräftig. Maschmeyer kann vor das Oberlandesgericht Celle in Berufung gehen. Sein hannoverscher Anwalt Arne Ritter, der wie sein Mandant gestern nicht vor Gericht erschienen war, hatte bereits angedeutet, dass er weiterkämpfen will.

Seit dem Verkauf der AWD-Aktien schart Maschmeyer immer mehr Prominente um sich. Berichten zufolge versteht er es gut, Menschen im Gespräch für sich zu gewinnen. Das Zurschaustellen des Reichtums, seine Anwesen – viele Menschen wollen sich in seinem angeblichen Glanz sonnen und er sonnt sich in ihrem. Ein Coup war seine Beziehung zu Veronika Ferres, die ihm die Türen zur glamourösen Society öffnete. Im Weinkeller seines Anwesens sollen Teile der Agenda 2010 entstanden sein. Es ist ein großes Netzwerk einflussreicher Freunde, die Maschmeyer um sich versammelt. „Erbfreunde“, wie sie Michael Spreng einmal bezeichnete. Ferres soll Maschmeyer mit Medizinprofessor Florian Holsboer zusammengebracht haben, mit dem Maschmeyer eine Biotech-Firma gründete, die ein Medikament gegen Depressionen auf den Markt bringen soll.

Auch Online-Bildung gehört zu den neuen Investment-Projekten Maschmeyers sowie die Herstellung von Fahrrädern. Die Investoren stehen bei ihm Schlange, heißt es, sie alle wollen von seinem Sinn für wundersame Geldvermehrung profitieren.

Das wollte auch ein armer Schlucker, der es bisher zu nichts gebracht hatte. Er erpresste Maschmeyer. Und weil er nicht wusste, mit was für einer Nummer er es zu tun hatte, verlangte er nur 2,5 Millionen Euro. Er wurde gefasst.

Wenigstens eine gute Nachricht.

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