Anhörung über Aktionsplan für sexuelle Vielfalt : AfD lädt Vertreter von "Homo-Heilung" in den Bundestag

Der Bundestag debattiert über einen Aktionsplan gegen Homofeindlichkeit - und die AfD lädt ausgerechnet einen Vertreter ein, der "Homo-Heilungen" befürwortet.

Der Bundestag will über einen Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie diskutieren.
Der Bundestag will über einen Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie diskutieren.Foto: Fabian Sommer/dpa

Die AfD-Fraktion im Bundestag schickt ausgerechnet zu einer Anhörung über einen bundesweiten Aktionsplan für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt einen Psychiater, der "Homo-Heilungen" vertritt. Das kritisierte der grüne Abgeordnete Sven Lehmann kurz vor Beginn der Sitzung am Montagnachmittag in einem Tweet.

Demnach soll in dem Ausschuss für die AfD der österreichische Psychiater Christian Spaemann als "Sachverständiger" teilnehmen. Spaemann hatte unter anderem im Jahr 2008 in einem Interview für die rechtspopulistisch-religiöse Plattform "kath.net" erklärt: "Die Möglichkeit der dauerhaften Veränderung der sexuellen Orientierung ist inzwischen wissenschaftlich mehrfach belegt worden."

Er habe selber Menschen kennengelernt, "die homosexuell waren und inzwischen glückliche Familienväter geworden sind", führte Spaemann dort aus und fügte hinzu: "Was die behauptete Schädlichkeit der Psychotherapie für Homosexuelle anbelangt, so sollte man hier sehr differenziert hinsehen."

Konversionstherapien sollen in Deutschland verboten werden

Noch im September diesen Jahres bekräftigte Spaemann ebenfalls auf "kath.net", viele Homosexuelle würden es als "große Hilfe empfinden", ihre oft sehr schmerzlichen Erfahrungen gleichgeschlechtlicher Anziehung zu bearbeiten. "Dass dabei die sexuelle Orientierung selbst in Bewegung kommen kann, ist ebenfalls kein Geheimnis."

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Anders als Spaemann behauptet, sind diese Thesen allerdings keineswegs wissenschaftlich haltbar. Sogenannte Konversionstherapien, die Homosexuelle "umpolen" wollen, sollen in Deutschland sogar verboten werden, ein entsprechendes Gesetzesvorhaben hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf den Weg gebracht.

Auch vor diesem Hintergrund nannte Sven Lehmann, queerpolitischer Sprecher seiner Fraktion, die Einladung Spaemanns durch die AfD "widerlich". Die Grünen haben den Antrag auf einen bundesweiten Aktionsplan gegen Homo- und Transfeindlichkeit im Bundestag eingebracht.

Die Diskussion im Familienausschuss soll an diesem Nachmittag um 16 Uhr beginnen. Von den anderen Fraktionen wurden als Sachverständige unter anderem Petra Follmar-Otto vom Deutschen Institut für Menschenrechte, Jörg Litwinschuh-Barthel von Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und die Juristin Anna Katharina Mangold von der Uni Frankfurt/Main.

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