Homofeindliche Übergriffe : Bundeskriminalamt zählt Anstieg von Gewalttaten gegen LSBTI-Menschen

In einer Antwort an die Linke gibt das Innenministerium den Anstieg von Gewalt gegen LGBTI-Menschen bekannt. Doch nur ein Bruchteil der Taten wird erfasst.

Eine Demonstration gegen den Hass auf Lesben und Schwule im Mai in Berlin.
Eine Demonstration gegen den Hass auf LBTI-Menschen in Berlin.Foto: imago/IPON

Die Zahl der Gewalttaten gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen (LSBTI)ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Das zeigt eine Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Demnach wurden im Jahr 2013 vom Bundeskriminalamt 50 Gewalttaten gezählt. Im vergangenen Jahr waren es 97 und im ersten Halbjahr 2019 bereits 58 Angriffe.

Die Bundesregierung müsse die Situation sehr ernst nehmen und das Thema auf die nächste Tagesordnung der Innenministerkonferenz setzen, forderte die Linken-Abgeordnete Doris Achelwilm am Donnerstag. „Die Zunahme von Gewalt kommt nicht von ungefähr (...) Sie resultiert wesentlich aus einem gesellschaftlichen Klima, das Minderheiten in neuer Qualität unter Druck setzt und bedroht.“

Eine Anfrage der Grünen an die Bundesregierung hatte kürzlich ähnliche Ergebnisse ergeben. Demnach gab es im laufenden Jahr einen deutlichen Anstieg von Sachbeschädigungen mit homophobem oder transfeindlichem Hintergrund.

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Der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD), Helmut Metzner, sagte laut einer Mitteilung des Verbands vom Donnerstag, die in der Statistik aufgeführten Fälle gäben wegen unzureichender Erfassungsmethoden nur einen Bruchteil der realen Hasskriminalität wieder. „Es müssen endlich effektive Maßnahmen für Prävention, Erfassung und Strafverfolgung auf den Weg gebracht werden. Opferhilfe-Einrichtungen müssen ausreichend unterstützt werden.“

Polizeikräfte müssten besser sensibilisiert werden

Zur Anstieg der Gewalttaten gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen (LSBTI) in den vergangenen Jahren erklärt Jens Brandenburg, Sprecher für LSBTI der FDP-Bundestagsfraktion: "Die jüngsten Zahlen homophober Gewalttaten sind erschreckend. Homo- und Transphobie sind auch in Deutschland keine Seltenheit. LSBTI sollen nicht länger in Angst vor körperlicher und verbaler Gewalt leben müssen."

Die FDP wolle mit Aufklärung in Schulen und Gesellschaft für einen offeneren Umgang mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt werben. Polizeikräfte müssen besser zur Erkennung homo- und transphober Übergriffe sensibilisiert werden und diese entschlossen verfolgen. "Wer abfällige Sprüche, Ausgrenzung und körperliche Gewalt toleriert, riskiert die Zukunft einer offenen Gesellschaft." (dpa)

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