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Zwei Gesichter bietet Ko Samet. Am Strand Had Sai Kaew gibt’s Party, weiter im Süden himmlische Ruhe.
© Hallek

Thailand: Im Taxi zum Dauerchill

Ko Samet im Golf von Thailand gilt als Hausinsel von Bangkok. Sie ist Refugium und Partyplatz zugleich.

Jay steht auf dem Namensschild, „My name Dschai“, sagt sie. In Thai bedeutet Dschai „Herz“. Und spricht man es nach, darf es sanft sein und offen am Ende, so wie sie es sagt. Dazu neigt sie den Kopf, zieht ihn samt der Schultern nach vorn, macht sich kleiner. Eine Geste, die einem in Thailand immer wieder begegnet. Dschai bringt frisch gepressten Ananassaft, dazu Blüten, Blätter, Kugeln – geschnitzte Miniaturen aus Melone, Ananas, Papaya, und alles sonst für ein feines Frühstück. Sie lächelt. Wie ihre Kollegin Rung, Regenbogen auf Deutsch. Spitznamen haben fast alle Thais. Man behält ihn ein Leben lang. Jungs heißen schon mal Khaidao – Spiegelei. Herzen und Regenbogen passen hier an die Südspitze von Ko Samet, quasi die Hausinsel der Bewohner von Bangkok.

Die Insel trägt den Dschungel auf ihrem Rücken wie ein struppiges Fell. Gibbons leben hier, Schmetterlinge, Echsen und Hornvögel, und zum Meer öffnet sich das Eiland in wunderbar geschwungenen Buchten. Weiß sind die Strände, weich der Sand, und die See präsentiert sich glasklar. Hier in der kleinen Bucht Ao Kiu Na Nok gleitet der Blick aufs Meer, komfortable Bungalows liegen versteckt im Grün des Hanges, umfasst von Strand und Dschungel.

Der Morgen ist still. Regungslos beäugt ein Hornvogel mit seinem pompösen Bogenschnabel von weit oben im Blätterdach die Umgebung, und auf der Terrassenbalustrade warten die schlauen Beos aufs Frühstück, stibitzen vom Tisch, schwirren davon und sind wieder da, während wir unter Palmen mit grasgrünen Stämmen hindurchschauen zu den Sametbäumen auf dem Strand. Eine Kuriosität: Bei Flut stehen sie im Wasser, bei Ebbe auf dem Sand. Eher unscheinbare, verwachsene Baumgreise.

Sie trotzen dem Salzwasser, wachsen dem Licht entgegen und doch vom Sturm gepeitscht parallel zur Erde, manche Äste sogar nach unten. Mitten auf den schlichten kleinen Blätter tragen sie Tausende weißer Blüten. Ihr Duft lockt Kolibris, winzige Bienen, Riesenhummeln und Falter – in Zitronengelb, vanillefarben mit Zimt gesprenkelt, dunkel wie Batman. Es schwirrt, brummt, fliegt und flattert, der Nektar der Bäume ist ihr Festmahl, das sie entlang der Strände spendieren.

Es war so schön hier – es sprach sich herum

Ko Samet ist winzig, schaut als buckelige grüne Hügelkette aus dem Golf von Thailand. Sie ist die Hausinsel Bangkoks. Übers Wochenende kommen Familien, junge Leute auch für eine Nacht. Es ist ihr Refugium – und ihre Partyinsel. Und seit 30 Jahren samt Meer und einiger Eilande auch Nationalpark. Für die einen verträgt sich das gar nicht, für die anderen geht es gar nicht anders. Damals schon gab es Unterkünfte für die Jugend aus Bangkok, von Einheimischen erbaute Hütten, aus deren Duschen schlammbraunes Wasser tröpfelte. Aber es war so schön hier. Es sprach sich herum, der Weg war ja nicht weit. Die Folge: Es wurde drauf los gebaut – bis die Behörden einschritten.

Strände und glasklares Wasser Samets zählen heute zum Schönsten, was das Königreich in seiner Urlaubsschublade zu bieten hat. Und lange schon arbeiten Menschen aus allen Teilen des Landes hier. Im Paradee Resort mit seinen 40 Bungalows etwa finden 120 Menschen Arbeit. Wie Ming. Mit Argusaugen achtet er darauf, dass der Strand sauber bleibt, fischt schon mal eine Plastikflasche aus dem Wasser, wenn an der Bucht ein Boot mit Schnorchlern vorbeituckert, die gerade Durst auf Grünen Eistee hatten, denen jedoch das Bewusstsein für die Umwelt abhanden gekommen ist.

Dann schüttelt Ming den Kopf und hebt schon wieder rote Blätter auf, die immer wieder von den mächtigen Seemandelbäumen segeln. In sanften Bögen, getrennt durch Landzungen und Felsvorsprünge, reiht sich ein Strand an den anderen. Wer will, wandert einfach los und sucht sich den für ihn passenden aus. Schöne Ausblicke auf die See und ferne Inseln bietet ein Pfad oberhalb am Waldsaum. Unschöne Anblicke beschert gelegentlich achtlos weggeworfener Müll.

Grüße vom Thai-Ballermann

Unter Kasuarinen und Palmen fällt die bunte Vergnügungsmeile längs des Hauptstrandes Had Sai Kaew (gesprochen Had Ssai Gääo), und eine Bucht weiter, Ao Phai, nicht wirklich auf. Ko Samet, das ist durchaus auch Dauerchill – außer nach 22 Uhr wenn der DJ im Silver Sand auflegt, es housig und für manche grausig wird. Es ist jetzt kurz vor zehn Uhr abends, der Barkeeper schaut gelangweilt in die Lichtgirlanden in Palmen und Bäumen.

Auf die Frage, warum hinter ihm fein säuberlich gestapelt – geschätzte tausend – „Cooler“, Mixgetränke in Pink, Eisblau, Giftgrün und Gelb auf ihren Einsatz warten, kommt erst einmal ein längerer Blick zurück. „Buckets“, sagt er dann. Eimer. Die Maßeinheit für den Vollrausch auf dem Strand, aus jedem trinkt sich ein Grüppchen durch lange Strohhalme mit Wodka Redbull erst fit und dann fertig und bleibt neben den Buckets oft erst einmal liegen. Man fällt weich im Sand von Samet. Grüße vom Thai-Ballermann.

Had Sai Kaew bedeutet keineswegs „Diamanten Strand“, wie Werbebroschüren suggerieren. Had heißt Strand auf Thai und Sai kaew klares Glas. Wegen des hohen Silikatanteils im Sand. Er federt den Schritt ab, und manche sagen, er quietscht unter den Füßen. Vielleicht am schönsten ist es zur blauen Stunde am Had Sai Kaew. Heute bauen sich Wolken auf, von Osten her, grau wie Blei. Einige Touristen spazieren durchs seichte Wasser, Thais richten ihre Garküchen, die Kleinen spielen im Sand. Das Licht ist weich.

Und es ist still, als wolle keiner den Augenblick stören, in dem der Himmel alles zu sein scheint. Gedämpfte Sprachfetzen in Thai, Englisch, Deutsch. Russinnen ziehen sich die Lippen nach und richten das Blond auf dem Kopf. Es wird Zeit, die Nacht fällt wie ein schwarzes Tuch über Samet. Damit es richtig gemütlich wird, haben Restaurants und Bars Matten, Kissen und flache Tische auf dem Sand platziert. Bald werden im Schein der Laternen frischer Fisch und Meeresfrüchte serviert, Tom Yam Gung und Currys, und das Bier fließt in Strömen. Purple hour – von Ao Phai schaut es aus wie ein leuchtender Festplatz.

Zurück am Had Sai Kaew – die Piste war staubig

Exklusiv und abgelegen ist der Süden, man kommt nicht so einfach hin – oder zurück. Und wir müssen zurück nach Sai Kaew. Das Taxi kommt als Kleinlaster daher, hat die Nummer 17. Der kleine Fahrer heißt Man. Wir nehmen neben ihm Platz. Eine ziemlich gute Idee, denn die Piste ist staubig, hinten auf der Pritsche wird jeder paniert. Fahrer Man schaltet, wir fliegen auf der Sitzbank hin und her. Man lacht, er kennt das. Ausgewaschene Rinnen türmen sich wie Wälle auf.

Das Fahrzeug bockt und steigt vorn in die Höhe wie ein Bronco, fällt jedoch überraschenderweise immer wieder auf alle Viere und dahin, wo der Weg verläuft. Furchen, Löcher, links und rechts Dickicht und dann dieses Zeichen: „50 km/h!“. Wir fahren gerade mal 15 Stundenkilometer und denken, der Wagen fällt gleich auseinander. Er hält durch. Wir auch. Unser Fahrer sowieso. In der Dämmerung erscheint unser Zielort am Had Sai Kaew. Eine Do-it-yourself-Melange aus Hütten und Häuschen aus Holz, Blech, Beton, in schummerigem Licht.

Vollmond, Ebbe, ein Essen an flachen Tischen auf dem Strand, und der Sand leuchtet. Eine Fledermaus schlägt zackige Haken in der Luft, die See leckt auf den Sand, die Sametbäume werfen Schatten vom Mondlicht, das uns leuchtet. Und eine junge Frau mit Namen Pancake bringt ein letztes Glas Wein.

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