Seat : Mit gutem Gewissen

Seat fährt voran mit einer reichweitenstarken Erdgas-Flotte: Ibiza, Arona und Leon zeigen, wie umweltfreundlich Autofahren sein kann

Umweltfreundliche Technik unter der Karosserie: Seat Ibiza, Arona und Leon.
Umweltfreundliche Technik unter der Karosserie: Seat Ibiza, Arona und Leon.Foto: Rainer Ruthe

Das verstehe, wer will! In Zeiten, wo heftig über Diesel-Fahrverbote gestritten und über klimafreundliche Mobilität diskutiert wird, müssten sich CNG-Modelle doch eigentlich verkaufen wie geschnitten Brot. Dennoch wurden im Vorjahr lediglich 96.531 Erdgas-Fahrzeuge, davon 80.826 Pkw neu zugelassen. Das sind zwar im Vergleich zu 2017 zwar fünf Prozent mehr, dennoch angesichts 3,2 Millionen insgesamt hierzulande verkaufter Autos sehr wenig.

Das Problem? Kaum ein anderes Thema als die Verbindung Auto und Erdgas wird von so vielen Unklarheiten, Verunsicherungen und sogar falschen Vorstellungen beherrscht. Dabei ist das Plus für Umwelt und Geldbeutel unbestreitbar: CNG-betriebene Motoren stoßen im Vergleich zu anderen Verbrennungsmotoren bis zu 25 Prozent weniger Kohlendioxid, bis zu 95 Prozent weniger Stickoxid und bis zu 99 Prozent weniger Rußpartikel aus. Auch bei den monatlichen Kosten spielen die steuerlich begünstigten Erdgas-Autos ihren Vorteil aus, Im Vergleich zu Benzinern sind sie um 55 Prozent und im Vergleich zu Diesel um 30 Prozent günstiger. Außerdem fällt die Tankrechnung erfreulich niedrig aus – mit Kosten zwischen 4,50 und 5,50 Euro für 100 Kilometer Fahrt. Da kann selbst ein sparsamer Diesel nicht mehr mithalten. Und im Gegensatz zu Diesel und Benzin ändern sich die CNG-Preise nicht ständig mehrmals am Tag, oft nach oben. Der Preis für das komprimierte Erdgas bleibt am Tag immer gleich. Und in drei Minuten sind die Tanks voll.

Spanische VW-Tochter macht den Vorreiter

Seat sieht verbesserte Chancen für das CNG-Auto. Die Spanier sind im VW-Konzern verantwortlich für die Entwicklung dieses umweltfreundlichen Antriebs, und bringen jetzt eine neue CNG-Familie an den Start: Mehr Spaß mit Gas. Mehr Reichweite. Weniger Kosten. Die Zutaten? Weiterentwickelte Motoren für mehr Effizienz, mehr Gasflaschen für höhere Reichweite, mehr Leistung für mehr Fahrspaß. Mehr Biogas für eine bessere Umwelt. Man hat aus den Fehlern der Vergangenheit die richtigen Lehren gezogen. In den Erdgasmodellen vergangener Generationen waren neben den Gastanks noch die ursprünglichen Benzintanks mit 50 und mehr Litern verbaut. Damit ergab sich zwar eine schöne Gesamtreichweite von über 1000 Kilometern, jedoch wurde der schwere Benzintank zumeist nur nutzlos durch die Gegend gefahren. Und die zwei Gastanks waren viel zu klein und damit die Reichweite im CNG-Betrieb zu gering, im Alltag unter 300 Kilometer.

Chic trifft Vernunft: Der Seat Arona TGI ist der weltweit erste Mini-SUV mit Erdgas-Antrieb.
Chic trifft Vernunft: Der Seat Arona TGI ist der weltweit erste Mini-SUV mit Erdgas-Antrieb.Foto: Rainer Ruthe

Benzin nur noch als Notfall-Reserve

Das hat sich nun geändert: So wie die anderen Modelle der neuen Seat-CNG-Familie – Ibiza und Arona  - verwendet der Leon 1.5 TGI Benzin nur noch als „Reserve“-Kraftstoff, auf den automatisch umgeschaltet wird, wenn die nunmehr drei CNG-Tanks mit insgesamt 17,3 Kilogramm Fassungsvermögen leer sind. Die Reichweite mit Gas beträgt jetzt nun praxistaugliche 440 Kilometer. Der stark verkleinerte Benzintank mit nur noch neun Liter Fassungsvermögen reicht für 150 Kilometer. Zudem ist das Ansteuern der nächsten Erdgas-Tankstelle einfacher geworden. Im Smartphone-Zeitalter helfen spezielle Apps auf Seiten wie zum Beispiel www.gibgas.de, rasch die nächste Erdgas-Tankstelle zu finden und sich dorthin navigieren zu lassen. Bis 2025 soll außerdem die Zahl der Erdgastankstellen von derzeit 850 auf 2000 mehr als verdoppelt werden.

Flotte Fahrt und gutes Fahrwerk

Wir fuhren den Seat Leon TGI mit dem überarbeiteten, jetzt 130 PS starken 1,5-Liter-Motor und serienmäßiger Siebengang-Doppelkupplungsautomatik, die hier weich und schnell schaltet. Von außen ist dem Seat Leon TGI das gasbetriebene Herz nicht anzusehen. Sein Vierzylinder arbeitet nun im Kraftsoff sparenden Miller-Zyklus. Die Kolben mit Nickel-Chrom-Beschichtung wurden für den Betrieb mit Erdgas optimiert, und verstärkte Ventilsitze sorgen für höhere Verschleißfestigkeit. Gegenüber dem 1,4-Liter-Vorgänger stieg die Leistung um 20 PS. Das maximale Drehmoment von 200 Newtonmeter liegt in einem weiten Bereich zwischen 1.400 und 4.000 Umdrehungen pro Minute an. Und das spürt man.  Der spanische Golf lässt sich extrem schaltfaul fahren, aber auch betont sportlich. Das macht mit dem gut austarierten Fahrwerk richtig Spaß. Und, anders als bei einem Elektroauto mit dessen limitierter Höchstgeschwindigkeit, lässt sich der Erdgas-Leon auch sehr flott bewegen, bis hin zur Höchstgeschwindigkeit von 207 Kilometer pro Stunde. Wer genau hinhört, stellt fest, dass der optimierte Vierzylinder nur unter Last etwas rauer läuft als ein reiner Benziner.

Gute Figur auf der Straße: Der Leon kommt mit einem gut austarierten Fahrwerk.
Gute Figur auf der Straße: Der Leon kommt mit einem gut austarierten Fahrwerk.Foto: Rainer Ruthe

Die Neuen werden sogar billiger

Ganz wichtig für das „sichere Gefühl“: Es werden die vom Computer errechneten Restreichweiten für beide Sorten getrennt angezeigt. So ist man immer genau im Bilde. Seat gibt den Verbrauch mit 3,5 Kilogramm pro 100 Kilometer an; wir kamen diesem Wert auf der Landstraße sehr nahe. Übrigens: Die von einem Kilogramm CNG erzeugte Energie entspricht zwei Litern Autogas, 1,3 Litern Diesel oder 1,5 Litern Benzin. Alle Seat der neuen CNG-Familie erfüllen die zukunftssichere Abgasnorm Euro 6d-Temp.

Wir fuhren auch den neuen Seat Arona TGI - das weltweit erste Mini-SUV mit CNG-Antrieb und drei Gasflaschen. Motto: Chic trifft Vernunft. Die Reichweite mit Erdgas beträgt hier 360 Kilometer, der neun Liter große „Reserve“-Benzintank reicht für 150 Kilometer. Der 90 PS starke Einliter-Dreizylinder meldet sich beim Beschleunigen zwar vernehmlich zu Wort, aber daran gewöhnt man sich schnell. Dass der Kofferraum des CNG-Arona nur noch 282 Liter statt 400 Liter fasst, ist nicht zu ändern, denn die größeren Erdgastanks brauchen nun einmal Platz.

Mehr Reichweite, geringere Kosten: Und in drei Minuten ist der Tank voll.
Mehr Reichweite, geringere Kosten: Und in drei Minuten ist der Tank voll.Foto: Rainer Ruthe

Das Beste zum Schluß: Die Spanier haben bei der Überarbeitung auch an der Preisschraube gedreht – und zwar nach unten! Bis zum 30. Juni gibt es alle CNG-Modelle ohne Preisaufschlag zum entsprechenden Benziner! Den Leon 1.5 TGI gibt es ab 23650 Euro, den Arona TGI ab 19820 Euro. Und die Zukunft?  Derzeit fahren in Barcelona vier Seat sozusagen mit Müll. Die drei Leon und der Arona sind Teil des Forschungsprojekts "Life Metamorphosis" , das von Seat unterstützt wird.  Allein mit dem in Barcelona jährlich anfallenden Biomüll könnte theoretisch so viel Bio-CNG produziert werden, um jährlich 10.000 Autos zu versorgen, damit diese jeweils 15.000 Kilometer fahren können. 30 Tage dauert es, bis in einer speziellen Biogasanlage das „Biogas“ mit einem Methangehalt von 65 Prozent „fertig“ ist. Die festen Bestandteile sollen später als Dünger verwendet werden. In der Raffinerie wird dieses Biogas gereinigt, komprimiert, und dann es landet bei der CNG-Tankstelle.

Bei Berlins Stadtreinigung ist die Zukunft schon Gegenwart

Noch handelt es sich um ein Pilotprojekt. Wie wirkt sich Biogas aus Haushaltsabfällen auf die Motoren aus? Funktioniert das Ganze dauerhaft im Alltag, hätte man eine echte nachhaltige Alternative zu den teuren Elektroautos mit ihrer noch nicht ausgereiften Batterietechnik. Nach bisherigen Erkenntnissen ist nämlich klar erwiesen: Derzeit fährt man mit einem CNG-Auto am umweltfreundlichsten. Am besten erkennt man dies an einer Initiative der Berliner Stadtreinigung (BSR). Die ist schon in der neuen umweltfreundlicheren Zeit angekommen: 170 Müllwagen fahren derzeit mit CNG-Antrieb. Mit dem von ihnen eingesammelten Bioabfall wird Biogas erzeugt, das ihnen dann als Treibstoff dient. Sie fahren sozusagen durch den von ihnen eingesammelten Biomüll quasi klimaneutral. Sozusagen in einem eigenen Kreislauf, der die Umwelt nicht belastet. Wer hätte das gedacht: In Berlin kann auch etwas richtig gut funktionieren – jenseits des Pannenflughafens BER!

 

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