„Es nichts bringt, Politikern hinterherzurennen“

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Shoppingmall-Investor Harald Huth : „Meine Idee für Steglitz: komplett überreizen“
Das Europa-Center am Ku’damm könnte man "besser machen", findet Harald Huth.
Das Europa-Center am Ku’damm könnte man "besser machen", findet Harald Huth.Foto: imago/Joko

Auf großen Baustellen wie der Mall of Berlin mit den vielen Unterfirmen kann man nie sicher sein, wer wen beschäftigt. Die Forderungen der Männer beliefen sich auf 30 000 Euro. Warum haben Sie die nicht einfach bezahlt? Dann hätten Sie gute Presse gehabt.

Es ging um die Art, wie ich angegangen wurde. Im Januar 2015 kam ein Fax bei mir an. Da stand FAU drauf, das ist eine sehr linke Gewerkschaft. Darin hieß es: Zahlen Sie 30 000, oder Sie kriegen richtig Stress. Meine Anwälte haben gesagt: Sei mal vorsichtig mit dem Bezahlen. Das kann ja jeder behaupten. Als nächste Eskalationsstufe hat die Gewerkschaft Demonstrationen vor dem Einkaufszentrum angekündigt: „Huth, Mall of Shame!“ Da habe ich gesagt: Gucken wir einfach, ob die mit ihren Ansprüchen durchkommen. Die haben keinen einzigen Gerichtsprozess gegen uns gewonnen.

Aber gegen die Subunternehmen. Das Gericht urteilte, dass die Forderung nicht auf Sie als Betreiber der Mall übergeht. Eine Instanz steht noch aus.

Ich habe bis heute keinen einzigen Hinweis, dass sie auf der Baustelle gearbeitet haben. Wenn die Gewerkschaftler mich angerufen und mir das Schicksal der Männer geschildert hätten, hätte ich denen natürlich Geld gegeben, schon um den Ärger zu vermeiden. Doch ich lasse mich nicht erpressen. Vor drei Monaten haben wieder 40 Leute hier vor dem Haus demonstriert: „Herr Huth ist ein Betrüger.“ Ich sitze in meinem Urlaub und kriege einen Anruf. Meine Assistentin sagt: „Tegel, der Rohbauer.“ Ich denke: Was? Es gibt kein Problem mit Tegel im Rohbau. – „Doch, die stehen hier und demonstrieren.“

Wie ging der Urlaub weiter?

Erst mal gar nicht. Ich recherchierte, was passiert war. Es hatte Stress zwischen meiner Bauleitung und dem Nachunternehmer gegeben, weil meine Leute fanden, dass er die Arbeitssicherheit nicht genügend berücksichtigt. Auslöser war eine Rechnung, die eine Woche zu lang liegen geblieben ist. Der Chef des Rohbauers kam dann hierher. Da habe ich mitbekommen, dass einige meiner Mitarbeiter in bestimmten Dingen zu forsch mit ihm umgegangen sind. Ich habe gesagt: „Mir ist es egal, dass Sie mich als Betrüger beschimpft haben. Mich interessiert, ob Sie sich zutrauen, das Ganze fertig zu bauen.“ Daraufhin hat er sich bei mir entschuldigt. Doch in der Presse steht am Ende: Huth ist ein Betrüger. Google merkt sich alles.

Der letzte Eintrag von „Google News“ lautet: Huth hat den Streit geklärt.

Das merkt sich aber keiner. Am Ende müssen Sie drüberstehen, dass einer Sie beleidigt. Irgendwann, nach zehn Jahren, mache ich wirklich mal etwas falsch. Dann wird es heißen: Der hat schon damals betrogen.

Leiden Sie darunter?

Es ist unfair. Vielleicht sollte ich es machen wie Trump. Dem ist es egal, was die anderen sagen. Und wenn man überlegt, dass er Damen für ihr Schweigen bezahlt haben soll, scheint er auch Partys zu feiern.

Wie sieht ein Arbeitstag von Ihnen aus? Sie müssen ja einerseits Investoren gewinnen …

… ich habe keine Investoren.

Die Milliarde, die die Mall of Berlin gekostet haben soll, hat doch keiner auf dem Konto.

So ein Projekt finanzieren Sie mit 20 Prozent Eigenkapital und 80 Prozent Kapital von der Bank. Dafür haften Sie persönlich. Ich habe 70 Millionen Euro mitgebracht, und ein Freund von mir aus London den Rest.

Sie gelten als jemand, der sich gerne um alles kümmert: Angeblich fahren Sie regelmäßig bei Ihrem Lokal „Wannseeterrassen“ vorbei, um nach dem Rechten zu sehen.

Ich laufe als Kunde durch die Gegend und gucke, wie ich empfangen werde. Ich habe eins gelernt: Man muss mit den Leuten, die für einen arbeiten, im Dialog bleiben, damit sie nicht einschlafen.

Investor Harald Huth kann sich ein weiteres Shopping-Center in Zehlendorf vorstellen.
Investor Harald Huth kann sich ein weiteres Shopping-Center in Zehlendorf vorstellen.Foto: Mike Wolff

Pflegen Sie Kontakte in die Politik?

Mich sehen Sie auf keinem Empfang. Die Gropius Passagen in Neukölln lagen im ehemaligen Wahlkreis von Eberhard Diepgen. Wenn Sie 24 Jahre alt sind und Diepgen kommt vorbei, laufen Sie mit und denken: Von dem kannst du viel lernen! Doch ich habe schnell gemerkt, dass es nichts bringt, Politikern hinterherzurennen. Wenn du ein Sachthema hast, geh’ damit hin. Und wenn das normale Leute sind, kommt man da auch so weiter.

Haben Sie andere Netzwerke? Rotarier oder …

… nein, wenn ich es ab und zu mal schaffe, mit einem Freund Tischtennis zu spielen, bin ich happy. Ich engagiere mich für Dimitrij Ovtcharov. Anfang des Jahres war er die Nummer 1 der Welt. Es ist mir eine Freude, wenn ich ab und zu mit ihm trainieren darf. Und dann schlage ich mir noch Zeit für meine Kinder frei, die ich jede zweite Woche bei mir habe. Ich habe extra einen Sozialpädagogen eingestellt, weil das sonst meine Kompetenz übersteigen würde. Der lebt in der einen Woche richtig mit mir – wie in einer Ehe.

Es heißt, Ihre Freundschaft mit dem Karstadt-Eigentümer René Benko sei der Grund, dass Tegel wieder ein Warenhaus bekommt. Sie haben in Tegel eine ganze Fußgängerzone gekauft, um sie zu sanieren.

Dass Karstadt in Tegel eine neue Filiale eröffnet, hat damit zu tun, dass dort früher ein besonders umsatzstarker Hertie stand; Hertie ist ja in Karstadt aufgegangen. Ich war wegen eines anderen Projekts in der Essener Zentrale, als der Vertriebschef Schwarz darauf zu sprechen kam. Der Hertie dort war ein super Ding, sagt er. Sag ich: Ja, super Straße. Ihr müsstet da wieder einen Laden aufmachen. Sagt er: Würde ich sofort. Würden Sie uns ein Karstadt vermieten? Genau dort, wie der Hertie vorher war. Sag ich: Nee, nee. Wenn, dann musst du nach hinten in die Straße gehen, vielleicht in die Mitte.

Welche Überraschungen haben Sie trotz aller Vorüberlegungen in Ihren Malls erlebt?

Da fällt mir gerade nichts ein. Aber, klar, Sie müssen immer auch ein bisschen demütig sein. Als ich das Schultheiss-Quartier eröffnete, dachte ich: Um Gottes willen, hoffentlich kommt irgendwer!

In Amerika stehen aufgrund des Onlinehandels mancherorts Shoppingzentren leer. Dafür gibt es sogar einen Begriff: Dead Mall. Auf Deutschland hat das Mallsterben noch nicht übergegriffen. Aber in Berlin mit seinen fast 70 Malls scheint die Obergrenze erreicht. Müssen Sie die Stadt wechseln?

Nein. Im Moment wächst Berlin um 40 000 Menschen pro Jahr. Die brauchen Einkaufsstätten. Des Europa-Centers könnte man sich annehmen und es besser machen. In Zehlendorf könnte man überlegen, ob da nicht noch was geht. Außerdem haben wir auf der Mall of Berlin ja bereits Wohnungen gebaut. Mir wird hier so schnell nicht langweilig.