zum Hauptinhalt
District Judge Alvin Hellerstein beim Prozess gegen Maduro.

© REUTERS/JANE ROSENBERG

Alvin Hellerstein urteilte schon gegen Trump: Dieser 92-Jährige entscheidet nun über Maduros Schicksal

Er ist der Richter im Prozess gegen den entmachteten Nicolás Maduro. Alvin Hellerstein kennt sich mit spektakulären Klagen aus – auch gegen Donald Trump.

Stand:

„Er ist einfach richtig Old-School, er macht alles auf seine eigene Art und schert sich keinen Deut darum, was andere über ihn denken.“ Wenn das über einen Richter gesagt wird, ist das eigentlich ein gutes Zeichen. Denn sie sollen Recht sprechen und dabei das Recht im Sinn haben, nichts anderes.

Das scheint auch das Selbstverständnis von Alvin Hellerstein zu sein, über den ein Bekannter den eingangs zitierten Satz sagte.

Der 92-jährige Richter hat am Montag den Prozess gegen den gefangen genommenen – oder entführten, je nachdem, wie man es sehen will – venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro eröffnet. Hellerstein sagte, es sei sein Job, dass es zu einem fairen Prozess komme.

Wer auf Hellersteins Werdegang schaut, sieht, dass er gut dafür geeignet sein könnte, denn als trumpnah kann man ihn nicht bezeichnen. Hellerstein wurde noch vom damaligen US-Präsidenten Bill Clinton 1998 als Bundesrichter in New York eingesetzt. Zuletzt hat er in mehreren Fällen gegen den US-Präsidenten Trump entschieden. So als er die Verhaftung und Abschiebung weitgehend ohne Prozess von Immigranten im südlichen New York als illegal erklärte.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Zudem weigerte er sich, zwei Klagen Trumps im Fall der Schweigegeldzahlungen an Pornodarstellerin Stormy Daniels an Bundesgerichte weiterzureichen. Trump wurde daraufhin in New York im Mai 2024 vor einem Bezirksgericht unter anderem wegen Fälschung von Geschäftsunterlagen schuldig gesprochen. Es war das erste Mal, dass ein ehemaliger US-Präsident wegen eines Verbrechens verurteilt wurde.

05.01.2026, USA, New York: Beamte stehen vor dem Bundesgericht in Manhattan, in das der venezolanische Präsident Nicolas Maduro gebracht wird. Nach seiner Gefangenennahme durch US-Spezialkräfte in Caracas soll Venezuelas autoritärem Präsidenten in den USA der Prozess wegen Drogendelikten gemacht werden. Foto: Zhang Fengguo/XinHua/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Beamte stehen vor dem Bezirksgericht in Manhattan, in das der venezolanische Präsident Nicolás Maduro gebracht wird. Wegen der zahlreichen dort verhandelten prominenten Fälle wird das Gericht häufig als das wichtigste Bezirksgericht der USA bezeichnet.

© dpa/Zhang Fengguo

Der 92-Jährige sitzt dem Bezirksgericht für den südlichen Teil von New York vor, was unter anderem Manhattan und die Bronx umfasst. Hellerstein war schon im Jahr 2011 in einen Prozess unter anderem gegen den ehemaligen Geheimdienstchef Venezuelas und das sogenannte „Kartell der Sonne“ involviert, dem Drogenschmuggel vorgeworfen wurde. Im Jahr 2020 wurde Maduro als Mitangeklagter zu dem Prozess hinzugefügt und war später Hauptbeschuldigter. Deshalb richtet nun Hellerstein über Maduro.

Maduro werden unter anderem Drogenterrorismus, Verschwörung zum Kokainimport und der Besitz von Maschinengewehren vorgeworfen. Zudem soll ‌er das „Kartell der Sonne“ geleitet haben, das mit gewalttätigen Gruppen wie den mexikanischen Kartellen Sinaloa und Zetas zusammengearbeitet habe.

Hellersteins größter Fall bisher war wohl der Streit zwischen der Stadt New York, der Hafenbehörde und Bauunternehmen und den Helfern beim Terroranschlag des 11. September 2001 in New York. Jahrelang wurden knapp 10.000 Klagen verhandelt, bis es eine erste Einigung zwischen Klägern und Beklagten gab. Aber Hellerstein lehnte die ausgehandelte Zahlung von knapp 600 Millionen Dollar ab, weil er sie als zu niedrig ansah. Am Ende zahlten die Beklagten mehr als 700 Millionen Schadenersatz an die Überlebenden und Angehörige von Verstorbenen. Sie hatten den Behörden unter anderem vorgeworfen, nicht für ausreichend Schutzkleidung gesorgt zu haben.

Auch für lockere Momente ist Hellerstein bekannt. In einem Prozess unterbrach er die Verhandlung, um zu erklären, dass er gerade Uropa geworden sei, woraufhin der Saal applaudierte.

Manchen Beobachter mag verwundern, dass Hellerstein in seinem Alter noch aktiv ist. Das liegt daran, dass Bundesrichter auf Lebenszeit ernannt werden. Hellerstein arbeitet mittlerweile im „Senior Status“, was bedeutet, dass er nur einzelne, ausgesuchte Fälle behandelt. Den nächsten Gerichtstermin für Maduro hat Hellerstein für den 17. März angesetzt.

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
false
isPaid:
console.debug({ userId: "", verifiedBot: "false", botCategory: "" })