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Nicolás Maduro nach seiner Festnahme.

© Reuters/@RapidResponse47

CIA observierte Maduro seit August: Wie Trump den US-Spezialeinsatz in Venezuela im Detail planen ließ

In Kentucky bauten die USA Maduros Villa nach, er selbst und seine Frau wurden monatelang observiert: US-Medien enthüllen neue Details zur Festnahme des venezolanischen Machthabers und seiner Frau.

Stand:

Um 22.46 Uhr am Freitagabend, Ortszeit Mar-a-Lago, gab US-Präsident Donald Trump den Befehl. „Viel Glück und viel Erfolg“, wünschte er seinen Sicherheitsberatern, die sich mit ihm im abgeschirmten Privatclub seines Luxusanwesens in Florida versammelt hatten.

Kurz darauf schwebten amerikanische Hubschrauber über das Meer, nur 30 Meter über dem dunklen Wasser. Ihr Ziel: Caracas – und dort die Festnahme von Präsident Nicolás Maduro.

Insgesamt 150 Hubschrauber, Kampfjets, Drohnen und andere Militärflugzeuge starteten von 20 US-Stützpunkten in der westlichen Hemisphäre. Monatelang war dieser Einsatz geplant worden, grünes Licht hatte das Weiße Haus dem Pentagon laut Medienberichten bereits am 25. Dezember gegeben.

Einen Militärschlag während der Feiertage hielten die US-Verantwortlichen für ideal, da viele Beamte in Washington, aber auch eine hohe Zahl venezolanischer Militärs im Urlaub wären, berichtet die „New York Times“ unter Berufung auf eine Regierungsquelle.

Nur: Das Wetter war zu schlecht, die Sicht nicht klar genug. Nun, am 3. Januar, waren die Bedingungen besser. Während Donald Trump in Florida bei einem Spezialisten für italienische Edelfliesen Marmor für seinen neuen Ballsaal im Weißen Haus auswählte, begann die US-Armee mit den letzten Vorbereitungen. Die Verantwortlichen beobachteten das Wetter und Maduro selbst. Alles schien ideal.

150
Kampfjets, Drohnen und andere Militärflugzeuge von 20 verschiedenen US-Basen und Marineschiffe kamen in Venezuela zum Einsatz.

Mittags aß Trump mit seinem Außenminister und Nationalen Sicherheitsberater Marco Rubio Lunch; den Abend verbrachte er auf der Terrasse seiner Residenz Mar-a-Lago mit Mitarbeitern und Ministern.

Parallel lief eine Cyberaktion in Caracas, die weite Teile der Stadt von der Stromversorgung abschnitt. Die Dunkelheit sollte die sich nähernden Flugzeuge, Helikopter und Drohnen schlucken. Dann: Donner, Explosionen, Feuer. Und die langsame Gewissheit, dass genau das bevorsteht, was viele in Venezuela, aber auch in der Welt für zu risikoreich gehalten hatten.

Zunächst wurde laut General Dan Caine, dem Vorsitzenden des Generalstabs der US-Streitkräfte, die Luftverteidigung des südamerikanischen Landes zerstört. Dann offenbar Funktürme und Radarstationen. Gut 2200 Kilometer entfernt saß Donald Trump, mittlerweile in einem mit Vorhängen abgedunkelten Raum. Umgeben von Bildschirmen verfolgte er live, wie sich amerikanische Spezialkräfte auf venezolanischem Boden bewegten.

Maduro und seine Frau Cilia Flores schliefen nebeneinander, als Soldaten der Delta Force gegen zwei Uhr nachts ihr Anwesen in Caracas stürmten. Venezolanische Sicherheitskräfte eröffneten das Feuer gegen die sich nähernden Hubschrauber – erfolglos. Ein Helikopter wurde zwar getroffen, blieb aber einsatzfähig. Die amerikanischen Spezialeinheiten schossen zurück, landeten und nahmen wenig später Maduro und dessen Ehefrau fest.

Von den USA zerstörte Militärgebäude in Caracas.

© AFP/Satellite Image/Vantor

Die Delta Force der US-Armee ist auf Terrorismusbekämpfung und Geiselbefreiung spezialisiert. Wochenlang hatte sie diesen Moment geplant und immer wieder trainiert. Ein Modell von Maduros Villa war hierfür im Bundesstaat Kentucky nachgebaut worden. Jeder Schritt konnte geübt, jede Möglichkeit kalkuliert werden. Immer schneller wurden sie darin, Stahltüren zu sprengen und sich auf dem unbekannten Gelände fortzubewegen.

Nur: Mit Beginn der Spannungen mit den USA und den Gerüchten, ihn stürzen zu wollen, hatte sich Maduro angewöhnt, zwischen sechs und acht Orten zu pendeln. Bis spät in die Abendstunden war nicht klar, wo er die Nacht verbringen würde. Dies sicher zu wissen, war Aufgabe der in Venezuela stationierten Einheiten.

CIA kannte auch Maduros Haustiere

Bereits im August hatte Trump ein Team der CIA nach Caracas entsandt, um relevante Informationen zu Maduros Aufenthaltsorten zu sammeln. Nicht ungefährlich war das, denn in Venezuela gibt es keine US-Botschaft mehr und Spione können nicht als Diplomaten eingeschleust werden. Es klappte trotzdem.

Wichtigste Priorität war, unentdeckt die Gewohnheiten und Bewegungsmuster des venezolanischen Diktators zu spionieren und für eine mögliche Operation zu dokumentieren. Minutiös soll das gelungen sein, auch mithilfe einer Person aus Maduros Umfeld und einer Flotte aus Tarnkappendrohnen.

Nach ihrer Festnahme wurden Venezuelas Präsident Niclas Maduro und seine Frau Cilia Flores auf die „USS Iwo Jima“ gebracht – und von dort auf den Stützpunkt in Guantánamo Bay (Archivbild).

© AFP/Jonathan Nackstrand

Nach Wochen der Observation wussten die USA, wie und wohin sich Maduro bewegte, welche Reisen er machte, was er aß und sogar, welche Haustiere er hatte, lobte General Caine in einer Pressekonferenz die Arbeit des CIA-Teams.

Auch andere, aus Sicherheitsgründen anonyme Quellen bestätigten der „New York Times“, dass der Einsatz am 3. Januar „glatt“ lief – im Vergleich zu anderen Interventionen der USA. Kein Amerikaner sei getötet worden, anders als etwa bei der Ermordung von Osama bin Laden 2011 in Pakistan. Damals hatten sechs Navy Seals ihr Leben verloren.

Im Hubschrauber erreichten die Festgenommenen den Westside Heliport in New York City – von dort ging es weiter in ein Bundesgefängnis nach Brooklyn.

© Reuters/Jeenah Moon

Das sollte dieses Mal anders sein – und so ließ die US-Regierung die „Operation Absolute Resolve“ planen. Fest entschlossen, wie der Name es nahelegt, Maduro festzunehmen, während sie öffentlich, aber auch dem Kongress gegenüber versicherte, in Venezuela gehe es nicht um einen Regimewechsel.

In den vergangenen Monaten hatten die Vereinigten Staaten zunehmend eskaliert: Boote angeblicher Drogenschmuggler aus Venezuela wurden bombardiert, Öltanker konfisziert und ein Hafen angegriffen. Im November hatte Trump Maduro in einem Telefonat nahegelegt, freiwillig zurückzutreten. Doch Venezuelas Machthaber lehnte das ab.

Mit dem Hubschrauber ins Gefängnis

In der Nacht zu Samstag hätten sich Maduro und Flores aber sofort ergeben, sagte Caine am Samstag. Beide wurden an Bord des Angriffsschiffs „USS Iwo Jima“ gebracht. Ziel war die US-Militärbasis in Guantánamo Bay, wie zwei Quellen CNN bestätigten.

Dieses Foto veröffentlichten die USA von Maduro nach der Festnahme.

© Imago/Zuma Press/CNP/Truth Social

Von dort ging es im Flugzeug in Richtung USA, das am Samstagabend auf der Stewart Air National Guard Base in New York landete. Bilder zeigen den 63-jährigen Maduro im grauen Jogginganzug, an den Händen gefesselt und mit einer Abdunklungsbrille über den Augen. Die 69-jährige Flores wurde Medienberichten zufolge nach der Festnahme medizinisch untersucht. Von beiden wurden Fingerabdrücke genommen. In einem Hubschrauber flogen die US‑Beamten sie in ein Bundesgefängnis in Brooklyn.

Am Montag soll Maduro einem Vertreter des Justizministeriums zufolge erstmals vor einem Bundesgericht in Manhattan erscheinen. Ihm und Flores werden „Verschwörung zu Drogenterrorismus“ und „Verschwörung zum Kokainimport“ vorgeworfen.

Bilder vom Samstagabend zeigen Maduro in Handschellen, wie er von Beamten der US-Drogenpolizei DEA in einem Gang des Metropolitan Detention Centers abgeführt wird. „Gute Nacht“, sagt er auf Englisch. Und: „Frohes neues Jahr.“

(Quellen: „New York Times“, CNN, „Washington Post“, dpa)

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