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Vizepräsident JD Vance drängt offenbar im Weißen Haus darauf, im Konflikt mit Teheran zunächst auf Diplomatie zu setzen.

© REUTERS/KEVIN LAMARQUE

„Das Klügste wäre, echte Verhandlungen zu führen“ : Vance bremst Trump offenbar bei Militärschlag gegen Iran

Einem Medienbericht zufolge wirbt Vizepräsident JD Vance im Weißen Haus in der Iran-Frage für Diplomatie. Trumps Berater erwägen vor möglichen Angriffen zunächst Gespräche mit dem Regime.

Stand:

Spitzenberater im Weißen Haus streiten derzeit offenbar darüber, ob die USA auf ein spätes iranisches Angebot für neue Gespräche über das Atomprogramm eingehen sollen. Das „Wall Street Journal“ berichtet zugleich, dass Präsident Donald Trump weiterhin ernsthaft über Militärschläge nachdenkt.

Doch einige ranghohe Berater, darunter Vizepräsident JD Vance, drängen demnach darauf, zunächst diplomatische Optionen auszuloten. Trump sagte Reportern an Bord der Air Force One, der Iran habe Bereitschaft zu Verhandlungen signalisiert. „Ein Treffen wird eingerichtet“, erklärte er, betonte jedoch, er prüfe parallel „sehr starke Optionen“ – darunter Luftschläge, Cyberoperationen oder zusätzliche Sanktionen. Eine Entscheidung wolle er am Dienstag im Kreis seiner engsten Berater treffen.

Auslöser der aktuellen Lage sind landesweite Proteste im Iran, die Ende Dezember begonnen und seit dem 8. Januar deutlich eskaliert sind. Menschenrechtsgruppen sprechen von Hunderten Toten infolge des brutalen Vorgehens der Sicherheitskräfte. Staatsmedien zeigten in den vergangenen Tagen Bilder von zahlreichen Opfern in einer Leichenhalle nahe Teheran.

This video grab taken on January 13, 2026 from UGC images posted on social media on January 10, 2026 shows clashes in Mashhad, in northeastern Iran. A violent crackdown on a wave of protests in Iran has killed at least 648 people, a rights group said on January 12, 2026, as Iranian authorities sought to regain control of the streets with mass nationwide rallies. (Photo by UGC / AFP) / Israel OUT / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT AFP -  SOURCE: ANONYMOUS - NO MARKETING - NO ADVERTISING CAMPAIGNS  - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS - NO RESALE - NO ARCHIVE - NO ACCESS ISRAEL MEDIA/PERSIAN LANGUAGE TV STATIONS OUTSIDE IRAN/ STRICTLY NO ACCESS BBC PERSIAN/ VOA PERSIAN/ MANOTO-1 TV/ IRAN INTERNATIONAL/RADIO FARDA - AFP IS NOT RESPONSIBLE FOR ANY DIGITAL ALTERATIONS TO THE PICTURE'S EDITORIAL CONTENT /
Dieses Videobild aus Sozialen Medien zeigt Proteste in Mashhad im Nordosten des Iran.

© AFP/-

Vance gilt dem „WSJ“-Bericht zufolge grundsätzlich als eher zurückhaltend bei militärischen Konflikten und wirbt in der aktuellen Situation dafür, Gesprächen eine Chance zu geben. Gleichzeitig schließe er einen Angriff nicht aus und sehe den Iran weiterhin als Bedrohung. Bereits im Juni äußerte er sich demnach zunächst skeptisch gegenüber Bombardierungen, bevor Trump schließlich mehrere Atomanlagen angreifen ließ.

Dass Vance bei diesem Thema so viel Einfluss nimmt, könnte auch mit seiner internen Rivalität mit Außenminister Marco Rubio zusammenhängen. In der Venezuela-Frage hatte Vance keine Rolle bei der Entscheidungsfindung der Regierung gespielt, während das Vorgehen gegen das Maduro-Regime entscheidend von Rubio vorangetrieben wurde.

„Niemand weiß, was Präsident Trump tun wird, außer Präsident Trump“

Irans Außenminister Abbas Araghchi erklärte, sein Land sei „bereit für faire Verhandlungen“, jedoch „vollständig auf Krieg vorbereitet“, falls Gespräche scheiterten. Er habe am Wochenende Kontakt mit US‑Sondergesandtem Steve Witkoff gesucht. Mehrere US‑Beamte zweifeln laut dem Bericht allerdings an Teherans Ernsthaftigkeit und warnen, die Führung wolle lediglich Zeit gewinnen.

Trumps Sprecherin Karoline Leavitt betonte, der Präsident ziehe grundsätzlich diplomatische Lösungen vor, halte sich aber militärische Möglichkeiten offen: „Niemand weiß, was Präsident Trump tun wird, außer Präsident Trump.“ Berater hätten ihn über Chancen und Risiken neuer Gespräche informiert. Frühere Verhandlungsrunden waren abgebrochen worden, nachdem die USA gemeinsam mit Israel mehrere Atomanlagen bombardiert hatten. Vance und Außenminister Marco Rubio legten am Freitag erneut Handlungsoptionen vor.

Laut „WSJ“ hat Trump derzeit erheblichen Druck auf das iranische Regime: eine der größten Protestbewegungen seit Jahren, geschwächte regionale Verbündete und schwere wirtschaftliche Verwerfungen. Ein neues Atomabkommen erscheine möglich – könnte jedoch zugleich ein repressives Regime in einer heiklen Phase aufwerten. Iran beharrt seit zwei Jahrzehnten auf seiner Urananreicherung, auch zuletzt.

JD Vance plädiert für „echte Verhandlungen“ mit dem Iran

Trump müsse seine Drohungen angesichts der Gewalt gegen Demonstrierende glaubwürdig untermauern, heißt es im Umfeld. Gleichzeitig zweifeln manche, ob Luftschläge das Vorgehen des Regimes tatsächlich stoppen würden. Als weniger riskante Option gilt dem Bericht zufolge, zunächst weder anzugreifen noch zu verhandeln, die Dynamik der Proteste abzuwarten und später mit stärkeren Hebeln in Gespräche zu gehen. Am Montag kündigte Trump an, alle Handelspartner des Iran mit Strafzöllen von 25 Prozent auf alle Waren im Handel mit den USA zu belegen.

Vance sagte jüngst: „Das iranische Regime hat viele Probleme. Das Klügste wäre, echte Verhandlungen mit den USA über das Atomprogramm zu führen.“ Trotz der Unruhen gebe es bislang keine Absetzbewegungen in Militär oder Regierung. Aktivisten berichten von Tausenden Verletzten, wobei verlässliche Informationen wegen eines landesweiten Internet‑Shutdowns schwer zu erhalten seien.

Die Iran‑Expertin Suzanne Maloney erwartet laut „WSJ“, dass das Regime sich „einigeln – geschwächt, isolierter, aber risikobereiter gegenüber den USA und repressiver im Inneren“. Selbst mögliche Risse nach der Niederschlagung würden den Kern der Führung eher zusammenschweißen. (bef)

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