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Iraner versammeln sich während einer Protestaktion in Teheran, Iran, am 9. Januar 2026 und blockieren dabei eine Straße (Symbolbild).

© IMAGO/Middle East Images/Khoshiran

Einzige Möglichkeit, Bilder mit der Welt zu teilen: Iran macht offenbar Jagd auf Starlink-Nutzer 

Über 100 Stunden dauert die Internetsperre im Iran bereits an. Starlink bleibt eine der einzigen Verbindungen nach draußen – doch das Regime sucht nun offenbar gezielt nach Geräten und Nutzern.

Stand:

Die iranischen Behörden haben am Wochenende begonnen, Starlink-Antennen im Westen Teherans zu suchen und zu beschlagnahmen, wie das „Wall Street Journal“ berichtet. Gleichzeitig werden Nutzer des Satellitennetzwerks verfolgt.

Weil das Regime den Internetzugang blockiert und Telefonverbindungen stark eingeschränkt hat, nutzen viele Iraner das Satellitennetzwerk Starlink von Elon Musk. Über den Dienst versuchen sie, Aufnahmen der Demonstrationen und der staatlichen Repression mit Menschen weltweit zu teilen.

„Es ist die einzige Möglichkeit“, sagte Mahmood Amiry-Moghaddam, Mitbegründer von Iran Human Rights, dem „Wall Street Journal“. Er habe über den Dienst Bildmaterial von Protesten in Mashhad, der zweitgrößten Stadt des Iran, erhalten.

Ein Teheraner schilderte dem „Wall Street Journal“ am frühen Sonntag über Starlink, wie er Protestaufnahmen seiner Verwandten ins Netz stellte. Kontakte im Ausland hätten die Videos dann in sozialen Medien verbreitet. Wer Zugang zu dem Satellitendienst habe, halte das geheim und teile Material nur mit vertrauenswürdigen Personen, berichtete er. Die Verbindung war laut der Zeitung gestört, seine Stimme knisterte und war verzerrt.

Protests in Iran January 2026 Iranians gather while blocking a street during a protest in Tehran, Iran on January 9, 2026. The nationwide protests started in Tehran s Grand Bazaar against the failing economic policies in late December, which spread to universities and other cities, and included economic slogans, to political and anti-government ones. Tehran Tehran Iran Copyright: xKhoshiranx
Iraner versammeln sich während einer Protestaktion in Teheran, Iran, am 9. Januar 2026 und blockieren dabei eine Straße.

© IMAGO/Middle East Images/Khoshiran

Zwar versucht die Regierung, Starlink zu stören, doch ganz unterbinden lässt sich der Zugang nicht, sagte Mehdi Yahyanejad vom NetFreedom Pioneers dem „Wall Street Journal“. Nutzer im Iran verschickten Videos vor allem dann, wenn die Verbindung stabil sei – häufig vormittags oder mittags.

Tausende Terminals illegal eingeschmuggelt

Die Starlink-Terminals sind im Iran verboten. Sie gelangen über Schmuggelrouten ins Land – per Boot von Dubai aus oder über die Grenze zum irakischen Kurdistan, heißt es in dem Bericht. Sie tauchten demnach erstmals in großer Zahl am Ende der letzten großen Protestwelle im Jahr 2022 auf. Yahyanejad sagte dem „Wall Street Journal“, seine Organisation NetFreedom habe Tausende Starlink-Kits an gemeinnützige Organisationen im Land geschickt.

Der Iran habe die USA über die Internationale Fernmeldeunion, eine Organisation der Vereinten Nationen, dazu gedrängt, den Starlink-Dienst auf seinem Territorium zu verbieten, heißt es im Bericht weiter. Die USA und Starlink hätten sich jedoch geweigert, das Verbot über die Abschaltung der vom Iran identifizierten Terminals hinaus durchzusetzen.

Trump erwägt weitere Starlink-Terminals

US-Präsident Trump soll am Dienstag über seine Optionen im weiteren Vorgehen mit dem Iran informiert werden, schreibt das „Wall Street Journal“. Eine der diskutierten Möglichkeiten ist die Entsendung weiterer Starlink-Terminals. Trump sagte, er werde Musk nach der Möglichkeit fragen. „Wir könnten das Internet wieder in Gang bringen, wenn das möglich ist“, sagte Trump gegenüber Reportern. Als Reaktion auf das harte Vorgehen des Regimes hat er mit einer Intervention gedroht.

Bevölkerung von der Außenwelt abgeschnitten

Nach tagelanger Kommunikationsblockade können Iranerinnen und Iraner am Dienstag erstmals wieder ins Ausland telefonieren, wie die dpa berichtet. Das Internet bleibt jedoch weiter gesperrt. Die Organisation Netblocks teilte am Dienstag mit, dass die Internetsperre inzwischen seit über 100 Stunden andauert.

„Das ist elektronische Kriegsführung“, sagte Amir Rashidi, Direktor für digitale Rechte und Sicherheit bei der US-amerikanischen Non-Profit-Organisation Miaan Group, dem „Wall Street Journal“. Die Störungen seien in den Teilen Teherans, in denen Proteste stattfinden, und abends, wenn sich die Demonstranten versammeln, am schlimmsten.

Irans Außenminister Abbas Araghtschi begründete die Maßnahme mit angeblich „terroristischen Operationen“. „Das Internet wurde erst gesperrt, nachdem wir mit terroristischen Operationen konfrontiert waren und festgestellt hatten, dass die Befehle aus dem Ausland kamen“, behauptete er am Dienstag im Sender Al-Dschasira.

Die Proteste hatten sich Ende Dezember am Zorn über die schlechte Wirtschaftslage entzündet. Inzwischen weiteten sie sich zu Massendemonstrationen gegen die Führung in Teheran aus. Nach Angaben der Gruppe „Human Rights Activists in Iran“ wurden bei den Unruhen mehr als 500 Menschen getötet. Videoaufnahmen vom Wochenende zeigen eine große Anzahl von Leichen in einer Leichenhalle im Süden Teherans. (Tsp, mit Agenturen)

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