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US-Hubschrauber im Anflug auf Caracas

© REUTERS/VIDEO OBTAINED BY REUTERS

In wenigen Stunden 400.000 Dollar verdient: Kurz vor Trumps Einsatzbefehl – die mysteriösen Wetten auf Maduros Sturz

Laut Donald Trump unterlag der Einsatz gegen Maduro der höchsten Geheimhaltungsstufe. Nun stellt sich heraus: Mehr Leute als gedacht wussten von der geplanten Operation. Schlugen sie daraus Profit?

Stand:

Am Samstag, nur Stunden nach der Gefangennahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro durch US-Spezialkräfte, lobte Donald Trump den Einsatz als „brillant“. So etwas habe es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben, schwärmte er. Anteil am Erfolg der Mission habe auch gehabt, dass sie streng geheim gehalten wurde, erklärte der US-Präsident. Nur ein enger Kreis in Regierung und Militär habe davon gewusst.

Geheimhaltung führte er auch als Grund an, warum er den Kongress vorab nicht über den Einsatz informiert hatte. „Dort gibt es zu viele Leaks“, erklärte Trump.

Tage nach dem Einsatz stellt sich aber heraus: Mehr Menschen wussten offenbar, dass Trump in Venezuela militärisch tätig werden würde, als der Präsident zugibt. Und mindestens eine Person schlug daraus stattlichen Profit.

Laut Medienberichten setzte jemand am Freitag, 2. Januar, auf der Plattform Polymarket einen großen Geldbetrag darauf, dass Maduro bis Ende Januar nicht mehr Präsident von Venezuela sein würde. Um 22:46 Uhr US-Ostküstenzeit gab Trump an diesem Tag den Einsatzbefehl. Maduro wurde nur rund zwei Stunden später, um kurz nach 1 Uhr Ostküstenzeit, in Caracas gefangen genommen.

Eine große Wette, knapp eine Stunde bevor der Einsatzbefehl kam

Der Einsatz lag laut der Nachrichtenagentur Reuters bei rund 34.000 Dollar. Der Wert der Wette stieg am Samstagfrüh auf 410.000 Dollar – das war der Zeitpunkt, zu dem die Person verkaufte.

Polymarket erlaubt Wetten auf Ereignisse in eigentlich allen Bereichen des Alltags. So kann man zum Beispiel auch auf ein Ende der Bundesregierung bis Ende des Jahres wetten – die aktuelle Chance der Buchmacher liegt bei 15 Prozent.

Das anonyme Konto wurde laut Reuters im Dezember erstellt. Die ersten Käufe von diesem Konto aus für Wetten, die sich um die politische Zukunft Venezuelas drehten, wurden am 27. Dezember getätigt. Über die folgenden Tage kaufte die Person für Tausende Dollar weitere Wettscheine.

Ursprünglich war der US-Einsatz gegen Maduro für den Weihnachtstag und dann für den Silvestertag vorgesehen, verschob sich dann aber mehrere Male wegen schlechten Wetters.

Quoten stiegen stark, noch bevor der Einsatz öffentlich wurde

Am 2. Januar zwischen 20:38 Uhr und 21:58 Uhr Ostküstenzeit – also knapp eine Stunde, bevor Trump den Einsatzbefehl gab – investierte die Person dann rund 20.000 Dollar auf einen Schlag. Offenbar war sie überzeugt, dass Maduro aus dem Amt entfernt werden würde.

Dass diese Person aber nicht die einzige war, die offenbar mehr wusste, zeigt die Entwicklung der Wettquoten am Samstagmorgen. Denn noch während die Operation lief und kaum etwas bekannt war, konnte noch gewinnbringend gewettet werden, wie der „Guardian“ rekonstruiert hat.

  • Demnach lag um 15 Uhr mitteleuropäischer Zeit am 2. Januar die Chance, dass Maduro Ende Januar nicht mehr Präsident ist, bei 5,5 Prozent.
  • Um 6 Uhr morgens am 3. Januar lag die Chance schon bei 11 Prozent. Da waren US-Einsatzkräfte schon im Anflug auf Caracas. Öffentlich war aber über den Einsatz noch nichts bekannt geworden.
  • Um 6:30 Uhr lagen die Chancen schon bei 28,5 Prozent. Die ersten Videos von Explosionen in den sozialen Netzwerken und Berichte lokaler Medien gab es aber erst gegen 6:50 Uhr, als der erste große Knall Caracas erschütterte.
  • Um 7:30 Uhr lagen die Chancen dann schon bei 56 Prozent. Zu diesem Zeitpunkt war noch vollkommen unklar, was die Explosionen ausgelöst hatte.
  • Um 9:30 Uhr waren die Chancen dann bei fast 100 Prozent. Erst um 10:21 Uhr verkündete Donald Trump offiziell die Gefangennahme von Maduro und den Einsatz von US-Spezialkräften.

Naheliegend ist, dass Personen aus dem Kreis der Regierung oder des Militärs die Wetten absetzten.

Allerdings stellte sich inzwischen auch heraus, dass Trump rund einen Monat vor dem Einsatz Managern von US-Ölkonzernen ankündigte, „sich bereit zu machen“. In Venezuela würde es bald große Veränderungen geben. Genaue Angaben über den Einsatz machte Trump dabei laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ aber nicht.

Auch Journalisten der „New York Times“ und der „Washington Post“ wussten von dem bevorstehenden Einsatz, veröffentlichten ihre Informationen aber nicht, um die US-Einsatzkräfte nicht zu gefährden.

Laut einem weiteren Bericht des „Wall Street Journal“ gehen Beobachter davon aus, dass die Wette auf den Sturz Maduros von einem Insider ausgeführt wurde. Seine Identität dürfte die Person geheim halten wollen: Insiderhandel steht in den USA unter Strafe.

Schon in der Vergangenheit gab es Kritik an der Plattform Polymarket, weil Leute mit Insiderinformationen große Gewinne machen können. So verdiente eine Person mit der richtigen Wette auf die meistgesuchten Google-Begriffe mehr als eine Million Dollar. In den USA ist der Zugang zu Polymarket gesperrt, wird aber via VPN häufig umgangen. Allgemeine Wettplattformen wie Polymarket setzten im Jahr 2024 13 Milliarden Dollar um.

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