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Nach Drohungen aus Washington: Frankreich, Polen und Deutschland starten Planungen für den Fall einer US-Übernahme von Grönland
Nach den jüngsten Drohungen aus Washington, Grönland unter US-Kontrolle zu bringen, bereitet sich Europa nun auf den Ernstfall vor. Losgehen soll es schon am Mittwochnachmittag.
Stand:
Europa bereitet sich auf den Ernstfall in Grönland vor. Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot hat am Mittwochmorgen erklärt, dass Frankreich gemeinsam mit seinen Partnern einen Plan ausarbeite, wie man reagieren wolle, falls die USA ihre Drohung, Grönland zu übernehmen, doch in die Tat umsetzen sollten.
Dieses Thema werde voraussichtlich bei dem heutigen Ministertreffen mit seinen Amtskollegen aus Deutschland und Polen in Paris zur Sprache kommen. „Wir wollen Maßnahmen ergreifen, aber wir wollen dies gemeinsam mit unseren europäischen Partnern tun“, sagte Barrot im Radiosender France Inter. Außerdem wolle man eine Antwort formulieren auf die Einreiseverbote für mehrere Europäer, die die USA Ende Dezember verhängt hatten. Betroffen war auch die Leitung der deutschen NGO Hateaid. Barrot sprach von „Einschüchterungsversuchen“ der USA.
Barrot betonte in dem Radiointerview aber auch, dass er eine Übernahme von Grönland durch die USA für eine „Fiktion“ halte. Ein Nato-Mitglied werde nicht militärisch gegen ein anderes Nato-Mitglied vorgehen. Er sei nach einem Gespräch mit US-Außenminister Marco Rubio überzeugt, dass es in Grönland nicht zu einer US-Militäroperation kommen werde. Rubio habe „ausgeschlossen, dass sich in Grönland das wiederholen könnte, was gerade in Venezuela passiert ist“, sagte Barrot.
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Trump will Grönland angeblich kaufen – Militäroperation nicht bevorzugtes Mittel
Andere Arten der Übernahme scheinen aus europäischer Sicht wohl aber nicht so ausgeschlossen. Barrot betonte erneut, was Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei einem Besuch der Arktisinsel im Juni erklärt hatte: „Grönland steht nicht zum Verkauf.“ Weiter sagte er: „Grönland ist europäisches Territorium und das bleibt es auch.“
Außenminister Rubio, der aktuell auch Trumps Nationaler Sicherheitsberater ist, hatte Medienberichten zufolge in einer vertraulichen Sitzung mit US-Abgeordneten gesagt, dass die jüngsten Drohungen keine militärische Invasion signalisieren sollten. Das Ziel sei ein Kauf Grönlands, berichteten das „Wall Street Journal“ und die „New York Times“ unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Unter Berufung auf Beamte berichtete die „New York Times“ weiter, dass Präsident Donald Trump seine Mitarbeiter um die Vorlage eines aktualisierten Plans für einen Erwerb der Insel gebeten habe. Trump hatte einen solchen Plan bereits während seiner ersten Amtszeit ins Spiel gebracht. Die Sitzung soll am Montag stattgefunden haben. Eine Militärintervention sei nicht Trumps bevorzugtes Mittel, um die Kontrolle über Grönland zu bekommen.
Trumps Sprecherin Karoline Leavitt hatte am Dienstagabend (Ortszeit) zum amerikanischen Anspruch auf Grönland erklärt: „Der Präsident und sein Team erörtern eine Reihe von Optionen, um dieses wichtige außenpolitische Ziel zu erreichen, und selbstverständlich steht dem Oberbefehlshaber der Einsatz des US-Militärs jederzeit als Option zur Verfügung.“
Barrot wollte sich zu diesen Aussagen nicht äußern, weil er über sie noch nicht informiert sei. Er verwies auf die Ukraine-Verhandlungen in Paris am Vortag, die sich lange gezogen hätten.
Führende Politiker der großen europäischen Mächte und Kanadas haben sich diese Woche hinter Grönland gestellt und erklärt, dass die Grönländer und Dänen über die Zukunft der Arktisinsel entscheiden müssten, nachdem Trump erneut gedroht hatte, das Gebiet zu übernehmen. (ben)
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