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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der damalige Leiter des Sicherheitsdienstes der Ukraine, Wassyl Maljuk, bei einem Treffen in Kiew. Das Foto wurde am 1. Juni 2025 veröffentlicht.

© REUTERS/UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS SERVICE

Obwohl er ein „Albtraum“ für Russland war: Selenskyj lässt seinen erfolgreichen Geheimdienstchef fallen – und verärgert Kommandeure

Unter seiner Verantwortung gelang dem ukrainischen Geheimdienst die spektakuläre „Operation Spinnennetz“. Trotzdem muss Wassyl Maljuk gehen. Das sorgt im ukrainischen Militär für Unruhe.

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ordnet seinen Verteidigungs- und Sicherheitsapparat neu. Betroffen sind mehrere Posten, darunter die Chefposition des Präsidentenamtes, die nun vom bisherigen Militärgeheimdienstchef Kyrylo Budanow bekleidet wird.

Selenskyj verspricht sich von den Neubesetzungen eine „stabilere“ Ukraine. Doch ausgerechnet im Militär, das seit knapp vier Jahren gegen die russische Invasionsarmee kämpft, gibt es jetzt Unruhe.

Das hängt mit einer weiteren Personalie zusammen: Am Montag wurde der Rücktritt von Wassyl Maljuk bekannt gegeben, der seit 2023 den Geheimdienst der ukrainischen Regierung (SBU) leitete. Die Online-Zeitung „Ukrajinska Prawda“ berichtet, dass Selenskyj Druck ausgeübt habe. Diese Entscheidung überrascht.

Der Mann hinter „Operation Spinnennetz“

Unter Maljuks Führung gelangen dem ukrainischen Geheimdienst aufsehenerregende Einsätze, zum Beispiel gegen die Krim-Brücke. Der wichtigste war die „Operation Spinnennetz“, eine der spektakulärsten Aktionen der jüngeren Geheimdienstgeschichte. Nach anderthalbjähriger Vorbereitung zerstörten ukrainische Drohnen, in Holzkisten auf Lastwägen versteckt, Militärflugzeuge in Russland. Laut Selenskyjs damaligen Worten war es ein „brillanter Erfolg“.

Prominente Militärs melden sich zu Wort

Dass ausgerechnet Maljuk gehen muss, löste bereits vor der offiziellen Verkündung Unruhe im ukrainischen Militär aus. „Ich suche normalerweise nicht die Öffentlichkeit“, schrieb der beliebte Kommandeur Mychajlo Drapatyj in den sozialen Medien.

Dann drückte er Maljuk seine Unterstützung aus und lobte dessen Arbeit. Der Geheimdienst habe einen „spürbaren Einfluss auf die Stabilität unserer Verteidigung“. Drapatyj verdanke seine eigene Sicherheit auch Maljuk und dessen Team.

Ähnlich sieht es Robert Brovdi, Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte. Ebenfalls am Samstag lobte er die „vernichtenden Schläge“ gegen Russland unter Maljuks Leitung. Sie seien „beispiellos“ und „einzigartig“. Maljuk sei ein „Albtraum“ für den Gegner.

Was hinter Selenskyjs Entscheidung stecken könnte

Warum drängt Selenskyj einen Mann aus dem Amt, der erfolgreich war und im Militär beliebt ist? Die Entscheidung hat offenbar mit Selenskyjs anderem großen Problem neben dem Krieg zu tun: der Korruption im ukrainischen Staat, auf die er mit den personellen Wechseln reagieren will.

Unter Maljuks Führung ging der Geheimdienst laut „Kiev Independent“ gegen Mitglieder des Nationalen Antikorruptionsbüros vor – also jener 2014 gegründeten Behörde, die etwas gegen die weitverbreitete Korruption unternehmen soll. Zwischenzeitlich verhaftete der Geheimdienst demnach mehrere Beamte des Antikorruptionsbüros, denen Verbindungen nach Russland vorgeworfen wurden.

Nach dem jüngsten Korruptionsskandal im Energiesektor ist Selenskyjs Regierung bemüht, ein deutliches Zeichen gegen Korruption zu setzen. Maljuk soll jedoch weiterhin im Geheimdienst SBU arbeiten und sich dort auf Kampfeinsätze konzentrieren. (mit dpa)

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