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Russland ist am LNG-Komplex auf der Halbinsel Jamal auf die Europäer angewiesen.

© REUTERS/REUTERS STAFF

Ukraine-Invasion, Tag 1414: Die EU unterstützt Russlands Kriegswirtschaft weiterhin durch LNG-Kauf

Ex-General warnt vor russischen Attacken auf europäische Schutztruppen, Fortschritte beim US-ukrainischen Sicherheitsabkommen, massive Stromausfälle im Süden der Ukraine. Der Überblick.

Stand:

Neue Daten zeigen, dass europäische Regierungen die russische Kriegswirtschaft im vergangenen Jahr mit rund 7,2 Milliarden Euro unterstützt haben – durch den Kauf von russischem Flüssiggas (LNG).

Die EU hat sich zwar verpflichtet, die Einfuhr von russischem LNG bis 2027 zu verbieten. Doch eine Analyse der deutschen NGO Urgewald deutet darauf hin, dass die riesigen Mengen, die aus dem russischen LNG-Komplex auf der Halbinsel Jamal in Sibirien in europäischen Häfen ankommen, bislang nicht zurückgehen. Darüber berichtet unter anderem der britische „Guardian“.

Demnach wurden im Jahr 2025 mehr als 15 Millionen Tonnen Flüssiggas durch das arktische Eis zu EU-Terminals transportiert. Damit kompensiert die EU offenbar die Kürzungen der Lieferungen von Pipelinegas aus Russland. Die LNG-Importe sind weiterhin legal und insbesondere die Länder in Mittel- und Osteuropa von dieser Energiequelle abhängig.

Russlands Jamal-Anlage wiederum ist auf den Zugang zu EU-Häfen angewiesen. Ohne die Möglichkeiten zum Entladen und Umladen in EU-Häfen müssten die Schiffe deutlich längere Transportwege in Kauf nehmen. Laut Urgewald erreichten im vergangenen Jahr 58 Schiffe das belgische Terminal Zeebrugge und lieferten 4,2 Millionen Tonnen LNG. Im gleichen Zeitraum erreichten nur 51 Schiffe chinesische Häfen und lieferten 3,6 Millionen Tonnen.

Aus Sicht von Sebastian Rötters, Energie- und Sanktionsaktivist bei Urgewald, sind die Europäer „nicht nur Kunden, sondern auch die unverzichtbare Infrastruktur, die dieses Vorzeigeprojekt am Leben erhält“. Jede LNG-Ladung, die an einem EU-Terminal entladen werde, sei eine direkte Einzahlung in die russische Kriegskasse. Deshalb fordert er: „Wir müssen aufhören, Russlands Energiegewinne mit Sauerstoff zu versorgen – und die Jamal-Lücke jetzt schließen.“

Die wichtigsten Nachrichten des Tages

  • Der frühere US-Europakommandeur Ben Hodges hat erklärt, dass eine mögliche Stabilisierungstruppe für die Ukraine nur glaubwürdig wäre, wenn sie groß und handlungsfähig genug sei, um auf russische Provokationen sofort zu reagieren. Das sagte er im Gespräch mit dem britischen „Guardian“. Mehr dazu hier.
  • Russland betrachtet alle Truppen, die von westlichen Regierungen in die Ukraine entsendet würden, als „legitime Kampfziele“. Die Warnung folgt auf Pläne Großbritanniens und Frankreichs, im Falle eines Waffenstillstands eine multinationale Truppe dort zu stationieren.
  • Das bilaterale Sicherheitsabkommen zwischen der Ukraine und den USA steht laut Präsident Wolodymyr Selenskyj kurz vor dem Abschluss mit US-Präsident Donald Trump. Die Vereinbarung sei „praktisch fertig“ für eine Absegnung durch Trump, erklärte Selenskyj am Donnerstag im Onlinedienst X. Mehr dazu im Newsblog.
  • Russische Angriffe haben in der Nacht auf Donnerstag zu massiven Stromausfällen im Süden der Ukraine geführt. Die Regionen Dnipropetrowsk und Saporischschja waren nach Angaben des ukrainischen Energieministeriums fast vollständig von der Stromversorgung getrennt. Der Gouverneur von Saporischschja, Iwan Fedorow, sprach vom ersten totalen Blackout in der gesamten Region seit Jahren.
  • Im Süden der Ukraine sind vier Zivilisten nach Behördenangaben durch russische Angriffe getötet worden. Bei einem Drohnenangriff bei der Gemeinde Beryslaw im Gebiet Cherson kam demnach ein Mann ums Leben, schrieb Gebietsgouverneur Olexander Prokudin bei Telegram. Ein weiterer sei verletzt worden.
  • Laut den Analysten des Projekts „DeepState“ haben russische Truppen die Orte Andrijiwka in der Region Sumy sowie Nowomarkowe in der Region Donezk eingenommen und sind zudem nahe Majske in Donezk weiter vorgerückt. Andrijiwka liegt nahe der russischen Grenze und gilt laut „DeepState“ als strategisch wichtig für die Kontrolle des nordöstlichen Frontabschnitts.
  • Nach Angaben des ukrainischen Abgeordneten Serhij Mahera lässt die russische Besatzungsverwaltung in Mariupol zerstörte Wohngebiete räumen, um neue Häuser zu bauen. Dabei würden auch die provisorischen Gräber geöffnet, in denen 2022 während der Belagerung Zivilisten hastig beerdigt wurden, schreibt der Politiker auf Facebook. 
  • Die ukrainische Rüstungsindustrie hat ihre Produktion 2025 deutlich gesteigert. Laut ukrainischem Verteidigungsminister Denys Schmyhal nahm die Herstellung im staatlichen Konzern um etwa 50 Prozent zu. Der Wert der produzierten Waffen und Militärtechnik stieg damit von rund drei Milliarden Euro im Jahr 2024 auf etwa 4,5 Milliarden Euro 2025.
  • Bundeskanzler Friedrich Merz fordert, den Druck auf Russland zu erhöhen, um zu einem Kriegsende in der Ukraine zu kommen. Ein Waffenstillstand stehe nach wie vor nicht auf der Tagesordnung, sagte Merz auf der Klausurtagung der CSU-Landesgruppe im Bundestag. „Russland muss erkennen, dass es keinen Sinn hat, den Krieg fortzusetzen“, sagte Merz.
  • Ein Öltanker auf dem Weg nach Russland ist im Schwarzen Meer von einer Drohne angegriffen worden. Das unter der Flagge von Palau fahrende Schiff „Elbus“ bat daraufhin die türkische Küstenwache um Hilfe und änderte seinen Kurs, wie der Branchendienst Lloyd’s List Intelligence und ein maritimer Sicherheitsdienst meldeten. Demnach zielte der Angriff auf den Maschinenraum.
  • Der krimtatarische Telegram-Kanal „Krimskyj Witer“ hat in der Nacht auf Donnerstag zahlreiche Explosionen und Drohnenüberflüge auf der besetzten Krim gemeldet. Betroffen waren demnach mehrere Regionen, darunter Feodosija, Kertsch sowie die Gebiete um Saky und Jewpatorija.
  • Russland rekrutiert offenbar gezielt junge Gamer aus Südafrika für den Krieg in der Ukraine. Internen Dokumenten zufolge schlossen sich 2024 zwei etwa 20‑jährige Spieler den russischen Streitkräften an, berichtet „Bloomberg“. Sie reisten demnach über die Vereinigten Arabischen Emirate nach Russland, wo sie einen einjährigen Militärvertrag unterschrieben.
  • Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat vor einer verdeckten Rüstungsbeschaffung Russlands in Deutschland gewarnt. In einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse schlägt der Verfassungsschutz Alarm wegen verstärkter russischer Aktivitäten zum Erwerb militärisch nutzbarer Technik in Deutschland.

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