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Mitglieder der dänischen Streitkräfte nehmen an einer Übung mit Hunderten Soldaten aus mehreren europäischen NATO-Mitgliedsstaaten auf Grönland teil (Symbolbild).

© dpa/AP/Ebrahim Noroozi

„Um bei der Verteidigung Grönlands zu helfen“: Dänischer Politiker fordert Soldaten aus Deutschland und Frankreich

Nach den jüngsten Drohungen von US-Präsident Donald Trump fordern mehrere dänische Oppositionsparteien internationale Truppen auf Grönland. Die Regierungskoalition reagiert zurückhaltender.

Stand:

Nach den erneuten Besitzansprüchen von US-Präsident Donald Trump auf Grönland fordern mehrere dänische Oppositionspolitiker, internationale Soldaten auf der Insel zu stationieren.

„Es wäre klug, Verbündete aus Frankreich und Deutschland aufzunehmen, um so schnell wie möglich bei der Verteidigung Grönlands zu helfen, damit die Kosten einer militärischen Invasion für die Amerikaner extrem hoch werden“, sagte Rasmus Jarlov von der Konservativen Volkspartei dem dänischen öffentlich-rechtlichen Sender TV2. Jarlov ist Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im dänischen Parlament.

Jarlov äußerte den Vorschlag, nachdem das Weiße Haus am Dienstag nicht ausschließen wollte, dass die USA auch militärische Mittel einsetzen würden, um Grönland zu übernehmen. Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller hatte den US-Anspruch auf die Kontrolle über das zu Dänemark gehörende Grönland bei CNN als „offizielle Position der US-Regierung“ beschrieben.

Frankreich hatte bereits im vergangenen Jahr angeboten, Truppen in den Norden zu entsenden. „Wenn Dänemark um Hilfe bittet, wird Frankreich da sein“, hatte der französische Außenminister Jean-Noël Barrot damals erklärt. Kopenhagen lehnte das Angebot damals ab.

Linke Parteien fordern klares Signal

Auch andere Oppositionsparteien unterstützen den Vorstoß des konservativen Politikers Rasmus Jarlov. „Es darf nicht so sein, dass man einfach mit einem Hubschrauber in Nuuk landen und die amerikanische Flagge hissen kann“, sagte Pelle Dragsted, Vorsitzender der sozialistischen Einheitsliste, dem Bericht von TV2 zufolge.

Dänemark müsse klarstellen, dass es zu einem bewaffneten Konflikt kommen werde, wenn die USA diesen Weg einschlügen. Eine Stationierung ausländischer Soldaten dürfe allerdings nur auf Wunsch der Grönländer selbst geschehen.

Auch der Verteidigungssprecher der sozialliberalen Radikalen, Stinus Lindgreen, befürwortet internationale Truppen – allerdings nicht zur Vorbereitung eines Kampfes, sondern als Signal. Die Präsenz europäischer Verbündeter solle zeigen, dass Europa geeint sei und seine Verantwortung in der Arktis ernst nehme. Einen bewaffneten Konflikt mit den USA hält er für unrealistisch und beschreibt ein solches Szenario als reinen „Selbstmord“ für Dänemark.

Die Verteidigungssprecherin der grünen Partei „Alternativet“, Sascha Faxe, warnte: „Das ist keine Symbolpolitik mehr. Wir werden tatsächlich angegriffen.“ Wenn Dänemark internationale Truppen einlade, müsse es bereit sein, den ganzen Weg zu gehen. Eine militärische Präsenz in Grönland sei in diesem Fall als echte Abschreckung zu verstehen.

Sozialdemokraten zurückhaltender

Die Sozialdemokraten von Ministerpräsidentin Mette Frederiksen äußern sich deutlich zurückhaltender. Simon Kollerup betonte gegenüber TV2 zwar, dass Angebote europäischer Partner willkommen seien und von einem starken Zusammenhalt in Europa zeugen würden. Ob Dänemark die konkreten Angebote zur Unterstützung in der Arktis annehmen solle, müsse jedoch von einer „militärfachlichen Bewertung“ abhängen.

Dänemark führe bereits Übungen mit anderen Verbündeten in der Arktis durch, sagte Kollerup. Wie die ebenfalls regierenden Moderaten und die Liberale Partei Dänemarks zu der Stationierung europäischer Truppen auf Grönland stehen, konnte TV2 nicht in Erfahrung bringen.

Die rechten Dänemarkdemokraten wiederum lehnen den Vorschlag ab. Eine Einladung europäischer Soldaten wäre eine unnötige Eskalation in einer Zeit, in der das Gegenteil erforderlich sei, sagte der Verteidigungsbeauftragte der Partei, Dennis Flydtkjær, TV2.

Die USA hätten kein Interesse daran, Grönland „in die Luft zu jagen“. Er plädierte stattdessen für einen Dialog mit den Amerikanern über eine gemeinsame Verteidigung der Arktis.

Treffen zwischen USA und Dänemark geplant

Für kommende Woche ist ein Treffen zwischen Vertretern der USA und Dänemarks geplant. Die Regierung Grönlands wird nach eigenen Angaben auch daran teilnehmen. „Natürlich werden wir daran teilnehmen. Wir sind diejenigen, die um ein Treffen gebeten haben“, sagte Vivian Motzfeldt, Außenministerin des dänischen Autonomiegebiets, der dänischen Rundfunkanstalt DR. Sie hoffe, dass das Treffen zu einer „Normalisierung“ der Beziehungen mit den USA führen werde.

Aerial of Nuuk, capital of Greenland, Denmark, Polar Regions Copyright: MichaelxRunkel 1184-13164
Luftaufnahme von Nuuk, Hauptstadt von Grönland (Symbolbild)

© imago/robertharding/Michael Runkel

US-Außenminister Marco Rubio hatte das Treffen mit dänischen Regierungsvertretern angekündigt. Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen hatte am Dienstag erklärt, er habe angesichts des wiederholt von Trump geäußerten Willens zur Übernahme Grönlands durch die USA um ein Treffen mit Rubio gebeten.

Trump hatte am Sonntag nach dem US-Angriff auf Venezuela seinen Anspruch auf Grönland bekräftigt: „Wir brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit, und Dänemark wird nicht dazu in der Lage sein“, sagte er an Bord der Air Force One. Er fügte hinzu: „Lassen Sie uns in 20 Tagen über Grönland sprechen.“

Europäische Regierungen in schwieriger Lage

Die deutsche Regierung und ihre europäischen Verbündeten befinden sich in einer schwierigen Position. Auf keinen Fall soll die Zusammenarbeit mit den USA in der Ukraine-Politik gefährdet werden, analysiert die Nachrichtenagentur Reuters.

Großbritanniens Premierminister Keir Starmer sprach am Mittwochabend mit Trump über dessen Besitzansprüche auf Grönland. Starmer habe dabei seine Position zum Thema der US-Ansprüche auf Grönland deutlich gemacht, hieß es in einer Mitteilung.

London vertritt wie Deutschland und andere europäische Verbündete den Standpunkt, dass nur die Grönländer selbst und Dänemark über die Zukunft des autonom verwalteten Territoriums entscheiden sollen.

Die großen europäischen Länder erklärten Grönland am Dienstag ihre Solidarität. Intern wird jedoch eingeräumt, dass sowohl die EU-Staaten als auch Großbritannien gar nicht die militärischen Mittel hätten, um eine Annexion durch die USA zu verhindern, schreibt Reuters. Es gibt bereits US-Militärbasen auf Grönland. Die Europäer, vor allem Deutschland, hätten Probleme, das Land und Dänemark militärisch effektiv gegen die USA zu unterstützen, heißt es weiter. (Tsp, mit Agenturen)

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