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Pro‑Nicolás‑Maduro‑Kundgebung vor der US‑Botschaft in Madrid: Ein Demonstrant hält ein Banner mit einer Karikatur von Donald Trump, der venezolanisches Öl trinkt. 

© IMAGO/SOPA Images/IMAGO/David Canales / SOPA Images

Von wegen Milliardengeschäft: Trump könnte sich bei seinem Griff nach Venezuelas Öl verkalkuliert haben

Der US-Präsident will Venezuelas Ölindustrie durch große US-Konzerne beleben. Doch Missmanagement, Fachkräftemangel und hohe Investitionskosten erschweren das Vorhaben.

Stand:

Nur Stunden nach der Gefangennahme von Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro am Samstag machte US-Präsident Donald Trump seine Ziele deutlich: „Wir werden unsere sehr großen US-Ölkonzerne dorthin bringen – die größten weltweit.“ Er wolle die marode Ölindustrie Venezuelas wiederbeleben, sagte der US-Präsident, „und anfangen, Geld für das Land zu verdienen“.

Doch ganz so einfach dürfte es nicht werden. Venezuela verfügt zwar über die größten Ölreserven der Welt, aber die Ölförderung liegt nur bei einem Bruchteil der Kapazität. Die Gründe: Missmanagement, mangelnde Investitionen und US-Sanktionen.

Nach einem Höchststand von mehr als drei Millionen Barrel pro Tag Anfang der 2000er Jahre produzierte Venezuela zuletzt nur rund eine Million Barrel pro Tag – rund zwei Prozent der weltweiten Gesamtmenge.

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2019 untersagte die US‑Regierung die Einfuhr venezolanischen Rohöls, was dazu führte, dass die Produktion 2020 auf ein Rekordtief von 350.000 Barrel pro Tag sank. „The Economist“ schreibt, Sanktionen, fehlende Tanker und ausbleibende Verdünnungsmittel bremsten die Ölförderung weiterhin dramatisch.

Wie die „Zeit“ berichtet, gibt selbst der Staatskonzern „Petróleos de Venezuela“ (PdVSA) zu, seine Pipelines seit 50 Jahren nicht modernisiert zu haben. Für eine grundlegende Sanierung bräuchte man mindestens 60 Milliarden US-Dollar, heißt es. 

Fachkräfte haben das Land verlassen

Gleichzeitig leide die Branche unter Fachkräftemangel, berichtet die „Zeit“: Viele gut ausgebildete Beschäftigte hätten das Land während der aktuellen Krise verlassen. Der Exodus habe aber schon lange zuvor begonnen – nach der Wahl von Hugo Chávez 1999. Der Maduro-Vorgänger nutzte die Öleinnahmen vorwiegend für Sozialprogramme und vernachlässigte die Branche. Zudem habe er erfahrenes Personal entlassen und durch politisch loyale, aber wenig qualifizierte Kräfte ersetzt.

Selbst unter günstigen Bedingungen könnten technische Reparaturen die Förderung laut „The Economist“ nur moderat steigern. Massive Investitionen wären nötig, doch viele Unternehmen schrecken wegen früherer Enteignungen zurück.

Chávez schrieb in Venezuela eine Mehrheitsbeteiligung von PdVSA an ‌allen Ölprojekten vor. Um die Produktion zu steigern, gründete PdVSA Gemeinschaftsunternehmen unter anderem mit der China National Petroleum Corporation, Eni, Total, der russischen Rosneft und dem US-Konzern Chevron.

Letzterer blieb trotz Enteignungen und Milliardenverlusten anderer Firmen im Land. Mit einer Sonderlizenz fördert Chevron rund zehn Prozent der venezolanischen Gesamtmenge und darf als einziges Unternehmen venezolanisches Öl direkt in die USA liefern.

Ein von Chevron gecharterter Öltanker ist nahe dem Hafen Bajo Grande im Maracaibo-See in Venezuela zu sehen.

© REUTERS/Isaac Urrutia

Ob sich die Beharrlichkeit nun lohnt und der Konzern einen strategischen Vorsprung hat, wird sich zeigen. Chevron-Chef Mike Wirth hat sich bisher nicht zum Umsturz in Venezuela geäußert.

Voraussetzung für jegliche Verbesserung bei der Ölförderung sind politische Stabilität und eine Lockerung der US-Sanktionen. Geschieht dies nicht, könnte die Produktion sogar noch auf weniger als 700.000 Barrel täglich sinken, schreibt „The Economist“. Selbst im bestmöglichen Szenario rechnen Experten nur mit einer moderaten Erholung. Neue Großinvestitionen wären extrem teuer, riskant und wegen der instabilen Lage unattraktiv.

Auch bringt der aktuelle Preis von rund 60 Dollar pro Barrel vielen Produzenten kaum Gewinne – und wenig Anreiz für neue Großprojekte. Zudem ist das weltweite Angebot hoch, die Märkte sind versorgt. Trumps spektakuläre Aktion werde deshalb, so „The Economist“, keine schnelle wirtschaftliche Dividende bringen.

Warum die USA das Öl wollen

Warum die USA überhaupt an venezolanischem Öl interessiert sind, erklärt die „Zeit“ damit, dass amerikanische Raffinerien besonders schweres, schwefelreiches Rohöl benötigen, das sie mit leichtem Fracking‑Öl mischen. Das amerikanische Schieferöl ist leicht und „süß“ und eignet sich gut für Benzin, aber nicht für Produkte wie Diesel oder Asphalt, heißt es.

An Diesel herrscht weltweit Knappheit, verschärft durch lange US‑Sanktionen gegen Venezuela. Deshalb importieren die USA täglich 2,5 bis 3 Millionen Barrel Schweröl, schreibt die „Zeit“. 2024 kamen demnach rund 220.000 Barrel davon aus Venezuela, größtenteils über Chevrons Joint Ventures.

US-Außenminister Marco Rubio ließ in einem Interview mit NBC News durchblicken, worum es den USA ebenfalls gehen könnte. Auf die Frage, warum die USA venezolanisches Öl benötigen, antwortete Rubio zunächst mit einer Gegenfrage: „Warum braucht China deren Öl? Russland? Iran? Das hier ist der Westen. Hier leben wir.“

Dann führte er seinen Gedanken weiter aus und erklärte, dass Russland, China und der Iran „verschwinden“ müssen – denn die westliche Hemisphäre gehöre den USA, und niemand von „außerhalb unserer Hemisphäre“ habe in Amerikas Hinterhof Zutritt. (Mit Agenturen)

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