50 Jahre Woodstock : Die fünf größten Woodstock-Songs

Die "3 Days of Peace & Music" produzierten legendäre Momente, in Woodstock begannen Weltkarrieren. Wir präsentieren die fünf besten Woodstock-Songs.

Christian Schröder
Jimi Hendrix
Jimi HendrixFoto: picture alliance/dpa


Jimi Hendrix: The Star Spangled Banner


Mit dem Auftritt von Jimi Hendrix endete am 17. August das Festival. „Ihr habt alle sagenhaft viel Ausdauer – drei Tage lange habt ihr’s ausgehalten! Ihr habt der Welt gezeigt, was ein bisschen Liebe, Verständnis und Musik ausrichten können“, sagte er. Dann ließ er seinen Hit „Voodoo Child“ in „The Star-Spangled Banner“ übergehen, die US-Nationalhymne, und schredderte sie im Feedbackgetöse seiner E-Gitarre. In den Rückkopplungen und Verzerreffekten schwang das Echo des Vietnamkriegs, der Bürgerrechtskämpfe und Studentenproteste mit. Ein Jahr später, am 18. September 1970, starb der drogenkranke Gitarrist an einem Cocktail aus Schlaftabletten und Alkohol.


Carlos Santana
Carlos SantanaFoto: picture-alliance / dpa



Santana: Evil Ways

Als er mit seiner Band nach Woodstock eingeladen wurde, kannte den in Mexiko geborenen und in Kalifornien lebenden Gitarristen Carlos Santana kaum jemand. Sein Debütalbum "Santana" war gerade erst herausgekommen. Der Status zeigte sich auch an der Gage: Santana bekam 2500 Dollar, The Who erhielten 11200 Dollar und Hendrix 18000 Dollar. Das Festival und der dort gedrehte Dokumentarfilm, der 1970 ins Kino kam, machten den Pionier des Latinrock zum Weltstar. Woodstock habe sein Leben verändert, es sei ein "wunderbares Chaos" gewesen, sagte er in einem Interview.

Joan Baez
Joan BaezFoto: picture alliance / dpa



Joan Baez: Drugstore Truck Driving Man (Ronald Reagan's Song)

Die Sängerin war 28 und hochschwanger, als sie bei den "3 Days of Peace & Music" auf der Bühne stand. Der Vater des Kindes, ihr damaliger Mann Dave Harris, saß im Gefängnis, weil er den Kriegsdienst in Vietnam verweigert hatte. Als Joan Baez darüber sprach, waren die halbe Million Menschen, die vor ihr standen, nur wenig erbaut. Sie wollten Songs hören und riefen: "Hör endlich auf zu reden und sing!" Die gemütlich schunkelnde Countryballade, die sie zusammen mit dem Gitarristen Jeffrey Shurtleff, vortrug war gallig und politisch. "Drugstore Truck Driving Man" ist Ronald Reagan gewidmet, damals Gouverneur von Kalifornien. Ein Mann, suggeriert das Lied, etwas gegen junge Menschen und Schwarze hat.


Joe Cocker
Joe CockerFoto: picture-alliance / dpa



Joe Cocker: With a Little Help From My Friends

Ähnlich wie Carlos Santana war auch der Bluessänger aus Sheffield 1969 noch kein Star. Woodstock wurde zur Startrampe seiner internationalen Karriere. Weil alle Straßen verstopft waren, wurden Joe Cocker und seine Band mit einem Militärhubschrauber eingeflogen, einem totalverglasten „Bubble“-Helikopter. "Sie können sich nicht vorstellen, wie dieser Anblick von oben war", erzählte er im Gespräch mit dem Tagesspiegel. "Zwei Jahre zuvor bestand die größte Menge, vor der ich gesungen hatte, aus 200 Menschen. Und jetzt, 1969 in Woodstock, waren es auf einmal 400 000. Das war für einen Jungen aus Sheffield umwerfend. Als ich aus dem Helikopter schaute, sah ich unter mir Köpfe, Köpfe, Köpfe. Ich hatte richtig Angst"


Richie Havens
Richie HavensFoto: picture alliance/dpa




Richie Havens: Freedom

Der bis dahin weitgehend unbekannte New Yorker Folksänger eröffnete das Festival, war aber bloß eine Notlösung. Die eigentlich vorgesehene Band Sweetwater steckte im Verkehrschaos fest. Havens spielte, bis ihm die Lieder ausgingen, mehr als zwei Stunden lang. Am Ende musste er improvisieren, stimmte „Sometimes I Feel Like a Motherless Child“ an, einen Gospelklassiker, den er mit einem heiseren, rhythmisch wiederholten Ausruf einleitete: „Freedom“. Freiheit, das war die Parole der Stunde. Havens sang mit geschlossenen Augen, den Körper kauernd um seine Akustikgitarre gebogen. Und als er forderte: „Clap your hands“, da sprangen die zu Zehntausenden auf den Kuhwiesen von Woodstock lagernden Blumenkinder tatsächlich auf und klatschten und jubelten. In dieser Sekunde war aus einem Kirchenlied, das von der ultimativen Verlassenheit handelt, eine Hymne der Bürgerrechtsbewegung geworden.



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