Alte Münze : Zentrum für Jazz und improvisierte Musik kommt

Der Berliner Senat will ein Jazzhaus schaffen. Till Brönner, die Jazzunion und die IG Jazz haben zu einem Konsens über die Ausrichtung der Institution gefunden.

Der deutsche Jazz-Trompeter Till Brönner.
Der deutsche Jazz-Trompeter Till Brönner.Foto: picture-alliance/ dpa

Noch steht nicht viel mehr als ein Nutzungskonzept. Doch nach drei Jahren mühsamer Gespräche hat die Berliner Jazzszene einen Sieg davongetragen, der ihrer ganzen stilistischen Breite gerecht zu werden verspricht. Die Ankündigung des Berliner Senats, in Haus 4 der Alten Münze ein Zentrum für Jazz und improvisierte Musik einzurichten, folgt einer Präsentation im Kulturausschuss, die schon im vergangenen Oktober Pläne für den gesamten Standort vorstellte. Die Ergebnisse lassen sich hier abrufen.

Die Idee eines House of Jazz geht zurück auf den Trompeter Till Brönner, der mit Geldern des BKM auch eine Machbarkeitsstudie erstellen ließ. Daraufhin regte sich in den Kreisen der IG Jazz Berlin und der Deutschen Jazzunion Widerstand, der auf die Befürchtung zurückging, Brönner verfolge eine allzu traditionalistische Ausrichtung. Im Februar 2017 veröffentlichte die IG Jazz unter dem Titel „Ein Haus für die Musik des 21. Jahrhunderts“ ein Gegenpapier.

Institution von internationaler Strahlkraft

Nun haben die IG Jazz, die Jazzunion und Till Brönner zu einem Konsens gefunden, der die Alte Münze als „Ankerinstitution“ des deutschen Jazz lebendig werden lassen will – unter anderem mit einem am französischen Orchestre National de Jazz orientierten Großensemble, das die klassischen Bigband-Formate hinter sich lässt. Brönner erklärte, er freue sich, dass der Kultursenat sein „Herzensprojekt“ unterstütze und der „Grundstein für eine Institution von internationaler Strahlkraft nun auch offiziell gelegt“ sei.

Die Harfenistin Katrin Pechlof, Geschäftsführerin der IG Jazz Berlin, begrüßte die Pläne als Anerkennung für eine zeitgenössische Kunstform, die in einem solchen Haus „auf die Potentiale der dezentralen Strukturen“ aufbauen könne.

Unmut äußerte nur die Initiative Neue Musik. In einer Pressemitteilung heißt es, der Senat habe „durch eine Vorfestlegung der Musiknutzung der Alten Münze die Chance“ vergeben, „die Alte Münze als Gesamtkomplex zu einem herausgehobenen Standort der Freien Kunst- und Kulturszene Berlins zu entwickeln“. So viele Überschneidungen es zwischen Neuer Musik und der freien Improvisationsszene gibt – die komponierte zeitgenössische Musik braucht wohl doch einen eigenen Ort.

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