Antisemitismus-Debatte : Ruhrtriennale-Intendantin bedauert Absage von Laschet

Stefanie Carp nehme Armin Laschets Gründe für die Absage ernst. Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung bezeichnet das Krisenmanagement als "desaströs".

Die Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp
Die Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie CarpFoto: Marcel Kusch/dpa

In der Antisemitismus-Debatte hat die stark kritisierte Intendantin der Ruhrtriennale, Stefanie Carp, die Besuchsabsage von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) als „sehr bedauerlich“ bezeichnet. „Ich nehme seine Gründe ernst“, erklärte Carp am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Der Ministerpräsident hatte am Vortag seine Teilnahme an dem Kulturfest abgesagt. Grund ist die Haltung der neuen Intendantin Carp zu Israel

Entzündet hatte sich der Streit an der Teilnahme der schottischen Band „Young Fathers“. Sie steht der BDS-Bewegung nahe, die für einen Boykott Israels eintritt (auf Deutsch: Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen). Carp hatte die Band erst eingeladen, dann ausgeladen und schließlich wieder eingeladen. Am Ende sagten die Musiker ihren Auftritt selbst ab.

Dem BDS eine Plattform geboten

Die BDS-Bewegung sei in ihren Handlungen und Zielen antisemitisch, sagte Felix Klein, der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, der Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“. Die Aktivisten versuchten, Israel zu isolieren und als angeblichen Apartheidstaat zu diffamieren. Zum vielfach kritisierten Umgang der Ruhrtriennale mit BDS sagte Klein: „Das gesamte Krisenmanagement war desaströs.“

Auch im Kulturausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags waren die Abgeordneten höchst irritiert. Carp habe „im Grunde PR-technisch dem BDS eine Plattform geboten“, meinte der FDP-Abgeordnete Thomas Nückel. Hinterher erklärte sich Carp den Abgeordneten noch in einem Brief.

Diskussion am 18. August

Das Kulturfestival in den imposanten, alten Industrieanlagen des Ruhrgebiets beginnt am Donnerstag. Es dauert bis zum 23. September und zeigt 33 Produktionen in 17 Spielstätten, etwa früheren Zechen und Industrieanlagen.

Carp erklärte, sie werde sich am 18. August in Bochum einer Debatte stellen. An der Diskussion nehmen auch NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) und Künstler teil. Moderiert wird die Diskussion von Ex-Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). An dem Tag sollte ursprünglich das Konzert der „Young Fathers“ stattfinden. (Tsp/dpa)

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