• Architekturbüro Cobe in der Galerie Aedes zum Jubiläum: Bauen für eine glückliche Stadt

Architekturbüro Cobe in der Galerie Aedes zum Jubiläum : Bauen für eine glückliche Stadt

40 Jahre jung: Die Galerie Aedes eröffnet ihre Jubiläumssaison mit einer Präsentation des Kopenhagener Architekturbüros Cobe. Hygge muss sein.

Vertraut und doch neu. Nørreport Station mit Eingangsgebäude von Cobe.
Vertraut und doch neu. Nørreport Station mit Eingangsgebäude von Cobe.Foto: B. Schulz

Spätestens, als vor ein paar Jahren ein Buch mit dem Titel „Hygge“ erschien, wusste auch der letzte Zeitgeistmuffel im Lande, was es damit auf sich hat: „ein Lebensgefühl, das einfach glücklich macht“, wie der Untertitel lautete. Dan Stubbergaard scheut sich nicht, den Begriff „Hygge“ gleich einleitend für einen Kurzvortrag zur Arbeit des von ihm gegründeten Architekturbüros zu benutzen.

Das Büro Cobe, 2006 in Kopenhagen und zunächst mit einem Berliner Ableger entstanden – daher der aus den Anfangsbuchstaben beider Städte gebildete Name –, bekennt sich dazu, Entwürfe und Projekte für eine lebenswerte Stadt zu schaffen. Und die kann, ja muss in Dänemark eben auch „hyggelig“ sein.

Eine humane städtische Umwelt

Dem entspricht die Installation, die Cobe für seine Präsentation in der Berliner Architekturgalerie Aedes mitgebracht hat: ein Gerüst oder Gestell aus hölzernen Stäben, jeweils zu Kuben miteinander verbunden, so dass sich eine stabile und zugleich transparente Struktur ergibt. Sie dient zur Befestigung von Fotos wie zur Auslage des büroeigenen Buches „Our Urban Living Room“ und birgt im Inneren einen kleinen Raum, in dem sich der Besucher niederlassen und im kiloschweren Buch schmökern kann.

Die darin verzeichneten Projekte sind alles andere als niedlich-gemütlich, wiewohl sie das auch bieten. Sie zielen vor allem auf eine humane städtische Umwelt. So verfolgt das größte Vorhaben, die noch auf etliche Jahre hinaus im Gange befindliche Umwandlung des bisherigen Nordhafens in ein völlig neues Stadtquartier, gleichzeitig mehrere anspruchsvolle Ziele: neben der Schaffung von hochwertigem Wohnraum eine möglichst günstige Energiebilanz, ausreichend Grünflächen zur wohnungsnahen Erholung, Reduzierung von Individualverkehr bei gleichzeitig hervorragender Anbindung an die Innenstadt und dazu noch die Erhaltung von gewerblichen Bestandsbauten und deren behutsame Umwandlung zu neuen Nutzungen.

Uff! Im Nordhafen gelingt alles zugleich, wohl auch, weil das Büro Cobe mit seinen mittlerweile 150 Mitarbeitern ebendort in einer früheren Lagerhalle sein Lager aufgeschlagen und die Problemfelder unmittelbar vor Augen hat.

Fahrradverkehr unterstützen

Einer Form des Individualverkehrs gilt Cobes besondere Aufmerksamkeit: dem Fahrradverkehr. Er ist auch in Kopenhagen, allen Bekenntnissen zur klimaneutralen Metropole zum Trotz, nicht so umfassend, wie er dem Besucher der Stadt scheinen mag, angesichts der unablässigen Reihe von Velos auf allen Straßen und dem bisweilen beängstigenden Gewirr abgestellter Räder.

Genau solchem Gewirr rückt Cobe zuleibe: Auf dem neuen Universitätsgelände sind Fahrrad-Unterstände halb in den Boden eingegraben und mit Dachschalen überdeckt, so dass fast kein Quadratmeter begehbarer Fläche verloren geht und die Räder zugleich optisch versteckt sind.

Bei der Neugestaltung der oberirdischen Bauwerke der Umsteigestation Nørreport, der vom Aufkommen her bedeutendsten im Kopenhagener Nahverkehrsnetz, wurden mehrere Unterstände angelegt, unter deren ovalen Dächern Räder in Reih und Glied angeschlossen werden können, so dass die bis dahin umkämpften Fußgängerbereiche frei bleiben.

Die vertraute Leuchtschrift des Stationsnamens wurde auf das neue Empfangsgebäude gesetzt, des Wiedererkennungswertes wegen. Auch das eine Form von Hygge, wenn man so will: von Wohlbefinden in einer lebenswerten Stadt.

Das Erbe des Scandinavian Design

Cobe hat diverse Kindergärten gebaut, wie auch Stadtteilbibliotheken, alles öffentliche Bauten, die der Gesellschaft und dem sozialen Zusammenhalt dienen. Denn auch in Kopenhagen ist nicht alles eitel Sonnenschein, es gibt Problembezirke mit hohem Anteil sozial schwacher Familien. Die Bibliotheken fungieren da als eine Art Gemeindezentrum und bieten mit Lesekursen auch Nachhilfeunterricht in dänischer Sprache.

Wer will, kann in der stets zurückhaltenden, niemals auftrumpfenden Gestaltung der Gebäude und ihrer Einrichtung das Erbe des Scandinavian Design sehen, wiewohl sich Cobe nicht auf die vorrangige Verwendung von Holz und Backstein festlegen lässt, sondern auch mal eine Fassade aus Aluminium entwirft wie beim Wohnhochaus „Silo“, einem ehemaligen Getreidespeicher im Hafen.

Mit der Ausstellung des Büros Cobe – sowie einer weiteren von Studentenarbeiten zum Thema „Architektur für Schweine“, passend zur Grünen Woche! – beginnt Aedes sein Jubiläumsjahr. Vor 40 Jahren gründete Kristin Feireiss gemeinsam mit der früh verstorbenen Helga Retzer Aedes als „erste private Architekturgalerie der Welt“.

Mehr als 400 Ausstellungen sind seither an den nacheinander vier Standorten der Galerie zu sehen gewesen, meist begleitet von schmalen Katalogen in quadratischem Format. Von ihnen sind etliche zu gesuchten Sammlerstücken geworden – weil Aedes oftmals Architekten bereits dann vorstellte, als sie noch Geheimtipps waren. Oft, nicht immer: Cobe ist ein bereits etabliertes Büro und gerade dabei, am Deutzer Hafen in Köln die Erfahrungen mit dem heimischen Nordhavn ein zweites Mal zu nutzen.
[Aedes Architecture Forum, Christinenstr. 18-19 (am Pfefferberg), bis 29. April. Buch von und über Cobe, 502 S., 57,50 €.]

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