Ausstellung in der Galerie Z22 : Künstlerische Heimatgefühle

Erinnerung, Klischee, Vertrautheit: In der Berliner Galerie Z22 beschäftigen sich 25 Künstlerinnen und Künstler mit dem Begriff der Heimat.

Qualm und Heim. Das Rheinland, Bild einer Serie von Dirk Krüll.
Qualm und Heim. Das Rheinland, Bild einer Serie von Dirk Krüll.Foto: Galerie Z22

Das Thema ist uferlos, die Räume der Galerie Z22 (Zähringer Straße 22, bis 21. Juli) sind es nicht. Ihre aktuelle Ausstellung kreist um den heiß umkämpften, volatilen Begriff der Heimat – um einen also, mit dem sich Schlösser füllen könnten. Bei Z22 reicht der Platz immerhin für 25 Künstlerinnen und Künstler. Sie gehen individuell, oft emotional und erstaunlicherweise fast alle mit Blick auf die eigene Vergangenheit an das Thema.

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Eine Ausnahme macht Marion Mandeng. Sie ist ans Mittelmeer gereist, hat dort zurückgelassene Rettungswesten zusammengeklaubt und einzeln – wie Porträts – fotografiert. Jede steht für einen Geflohenen, dessen Heimat bloß noch eine Erinnerung ist. Andere Künstler igeln sich ein wie Cora Fisch in die Pelzmäntel ihrer Tanten. Oder sie konstruieren digitale Prints: Eines aus der Serie „Revival“ zeigt Katerina Belkina mit ihrer Tochter auf einem Berliner Dach, hinter dem sich das Panorama einer ganz anderen Weltstadt erstreckt. Heimat, sie setzt sich aus vielen Stationen zusammen, die die russische Künstlerin durchlebt und -laufen hat. Der Düsseldorfer Fotograf Dirk Krüll sucht Orte auf, an denen das Heimatgefühl gepflegt wird. Vereine von Anglern oder Kaninchenzüchtern, in denen die gemeinsame Leidenschaft als Klebstoff fungiert. Aber er bietet auch Ansichten rauchender Schlote mit Monotongrün, das man nur deshalb lieben kann, weil sich beim Anblick dieses unsagbar vertraute Gefühl einstellt. Ellen von Unwerth nutzt das Klischee vom bayerischen sexy Dirndl, um ein ganzes Buch damit zu füllen – eine Idee, die schon nach fünfzig Seiten banal wird. Eine Entdeckung ist dagegen die junge Künstlerin Özlem Sariyildiz mit ihrem Video „Your body must be heard“ – eine so eindringliche wie artifizielle Reflektion über die Schichten von Wissen, Erinnerung, Erwartungen und Wünschen, die sich mit der Zeit über den eigenen Körper legen.

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