Bauhaus in den USA : Nasse Welt

Der Berliner Kunsthandel Irene Lehr zeigt Bilder des Bauhäuslers Lux Feininger, der zur NS-Zeit in die USA auswanderte.

Angelika Leitzke
Gegenwind. „Blowy Morning – Long Island Sound 1921“ malte Feininger 1939.
Gegenwind. „Blowy Morning – Long Island Sound 1921“ malte Feininger 1939.Foto: Lehr

Im Berliner Kunsthandel Dr. Irene Lehr spürt man mit Theodor Lux Feininger einem hierzulande wenig bekannten Bauhaus-Künstler nach. Der jüngste Sohn von Lyonel Feininger stand lange im Schatten seines prominenten Vaters. „T. Lux“, wie er ab 1930 seine Arbeiten signierte, studierte am Bauhaus in Dessau. Mit dem Vater teilte der 1910 in Berlin Geborene nicht nur die Liebe zur Kunst, sondern auch zum Segelsport und zur Musik. Am Bauhaus spielte er in der Jazzkapelle, künstlerisch widmete er sich der experimentellen Fotografie. Bereits 1931 wurden seine Abzüge vom MoMA in New York angekauft.

Ab 1929 entstanden, zunächst mit Aquarell, Farbkreiden und spitzer Tuschfeder, kleine Ansichten von Schiffen, Seeleuten und Passagieren. Keine drögen Marineansichten für den Tourismus, das „Neue Sehen“ hatte Spuren hinterlassen: Feininger konstruierte aus den Winkeln und Geraden der Schiffskörper, der Takelage und Segel ein solides Gerüst, in dem die Figuren allem Wind und Wetter zum Trotz spielerisch agieren und und kleine Geschichten erzählen. Auch der feine Humor des Vaters durchzieht manchmal die Bilderwelt des Sohnes. Als die Nationalsozialisten das Bauhaus schlossen, ging Feininger nach Paris, kehrte aber 1935 kurz nach Berlin zurück, wo die Galerie Nierendorf seine Gemälde in einer Soloschau präsentierte. Ein Jahr später schiffte er sich nach New York ein in düsterer Vorahnung des braunen Desasters, von dem der Vater, verheiratet mit einer jüdischen Künstlerin, gutgläubig annahm, dass der „Krach bald aufhören“ würde.

Die amerikanische Ostküste als melting pot

Das Bauhaus sollte in den USA neue Wurzeln schlagen. In New York hielt Lux Feininger die Piers und Straßen mit Kamera, Stift und Pinsel fest. Seine Bilder fanden den Weg in amerikanische Ausstellungen und Museen. 1953 zog er nach Cambridge/Massachusetts, lehrte dort an renommierten Kunstschulen. Die amerikanische Ostküste als melting pot von Einheimischen und Zuwanderern wurde nun Hauptkulisse des malerischen Werkes, das schließlich auch zeichenhafte Abstraktionen einschloss. Hochbetagt starb „T. Lux“ 2011 in Cambridge.

Ergänzt wird die exquisite Schau (Preise: Papierarbeiten um 3400 Euro, Gemälde bei 4500–20 000 Euro) um unverkäufliche Leihgaben, die das maritime Motiv in einem magischen Realismus inszenieren. Unter den kleinen Fotos aus Dessauer Tagen, Vintage-Prints der Galerie Berinson, entdeckt man ein Selbstporträt Feiningers, das ihn mit seinem Bauhaus-Kumpan Alexander „Xanti“ Schawinsky zeigt. Es müssen unbeschwerte Zeiten gewesen sein.

Kunsthandel Dr. Irene Lehr, Sybelstr. 68, bis 8. 3., Mo–Fr 11–18 Uhr

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