• Bikini-Haus in Charlottenburg: Ausstellung von Exil-Künstlern über Flucht und Träume

Bikini-Haus in Charlottenburg : Ausstellung von Exil-Künstlern über Flucht und Träume

Bis 22. Dezember ist im Bikini-Haus die Ausstellung "A Journey of Belonging" zu sehen. 15 Künstler aus Krisenregionen haben dafür ein Atelier-Stipendium bekommen.

Ein syrisches Gewehr, geschnitzt aus Aleppo-Seife. Geschnitzt hat es der Künstler Amer Akel.
Ein syrisches Gewehr, geschnitzt aus Aleppo-Seife. Geschnitzt hat es der Künstler Amer Akel.Foto: Amer Akel

Die Weihnachtsbeleuchtung glitzert auf der Budapester Straße. Leute eilen mit Tüten über die Gehwege. Glühwein wird ausgeschenkt. Das alles sieht Amer Akel, wenn er aus dem Fenster schaut. Vor ihm auf dem Holztisch liegt ein Maschinengewehr.

Ein russisches, erzählt er, Gewehre wie dieses sind weitverbreitet im syrischen Bürgerkrieg. Akels Waffe ist allerdings nicht aus Metall, der Lauf kann keine Kugeln führen. Der syrische Künstler hat das Gewehr selbst geschnitzt, aus Aleppo-Seife. Das Seifensieden ist ein jahrhundertealtes Handwerk in der syrischen Stadt, die inzwischen in Trümmern liegt.

Akels Werk ist Teil der Ausstellung „A Journey of Belonging“ im Bikini-Haus. Im ersten Stock des Einkaufszentrums arbeiten 15 syrische, pakistanische, afghanische Künstler seit Anfang November an ihren Werken. Die Atelierfläche und Materialkosten bekommen sie von der Contemporary Arts Alliance Berlin (CAA) zur Verfügung gestellt, einer privaten Plattform zur Förderung zeitgenössischer Kunst.

Neben der Ausstellung gibt es in den Räumlichkeiten im Bikini-Haus auch einen Pop-up-Store mit handgefertigten Produkten aus Ländern wie Marokko, Kenia, Äthiopien, Indien oder der Türkei. Die Erlöse kommen sozialen Projekten dort zugute.

„A Journey of Belonging“ soll Exil-Künstlern die Möglichkeit geben, mit der deutschen Kunstszene in Kontakt zu treten, so ist der Plan. Die Werke der Teilnehmer handeln vornehmlich von Flucht, Gewalt, Krieg, aber auch von Träumen und dem Ankommen in Deutschland. Yaser Safi malt Straßenszenen aus Kreuzberg, wie er sie erlebt. Anahita Razmi hat pakistanische Frauen nach ihren Wünschen befragt und sie diese auf Skateboards malen lassen. „Dreams on Wheels“ lautet der Titel ihres Werks.

Eine Jury um Nobert Bisky vergibt jährlich ein Mentoren-Stipendium

Kuratiert hat die Ausstellung Ahmed Ramadan, der auch eigene Werke zeigt. Auf seinem Arbeitstisch liegen zerbrochene Pfandflaschen. Die Scherben ordnet er auf Leinwänden an, die Spitzen nach oben. Trotz der bunten Farben wirken die Bilder bedrohlich.

Man will ihnen nicht zu nahe kommen, sich nicht an ihnen schneiden. Zugleich wecken die Bilder beim Betrachter den kindlichen Impuls, das Glas mit den Fingern zu berühren. Ein Mix aus Abschreckung und Faszination. Ramadan ließ sich für diese Arbeiten von Scherben in seiner Heimat inspirieren, die auf Mauern eingelassen sind, um Eindringlinge fernzuhalten.

Reinkommen, ankommen, auch wenn es schwierig, vielleicht sogar schmerzhaft ist. Darum geht es in „A Journey of Belonging“, dem ersten Atelier-Stipendium von CAA. Im Rahmen der Ausstellungseröffnung wird auch ein Mentoren-Stipendium an einen der Künstler vergeben.

Es umfasst 900 Euro pro Monat für ein halbes Jahr und die Vermittlung von Ansprechpartnern für künstlerische Fragen und Aspekte des Vertriebs, wie etwa Kontakte zu Galeristen. Ausgewählt wird der Stipendiat von einer Jury, in der die beiden Berliner Künstler Norbert Bisky und Nasan Tur, CAA-Gründungsmitglied Alexandra von Stosch sowie die Kunsthistorikerin Beatrice von Bismarck sitzen.

Das Mentoren-Programm gibt es bereits seit 2009, zusätzlich bietet CAA Projektförderungen an, die ebenfalls über Mitgliedsbeiträge, Sponsoring der DKB-Bank und Auktionen finanziert werden. Wie es mit dem Atelier-Stipendium weitergeht, ob im Bikini-Haus oder woanders, ist noch unklar. „Wir würden es gerne in Richtung Sommerakademie fortsetzen“, so CAA-Sprecherin Betti Pabst.

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Bikini-Haus, Budapester Str. 38–50, Positions Art Gallery im 1. OG, Eröffnung am 14.12., 19 Uhr, bis 22. 12.; 12 –20 Uhr.

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