Comic-Ausstellung im Berliner Felleshus : Mit Zelda die Welt retten

Schwedens Comiclandschaft ist durch starke Frauen geprägt – bei den Figuren wie bei den Künstlerinnen. Das zeigt ab Freitag auch eine Ausstellung in Berlin.

Schwarzarbeit in der Gastronomie ist Bogdanskas Thema.
Schwarzarbeit in der Gastronomie ist Bogdanskas Thema.Illu: D. Bogdanska/Avant-Verlag

Von Feminismus bis zur Ausbeutung von Arbeitsmigranten – eine Ausstellung im Felleshus, dem gemeinsamen Kulturhaus der fünf Nordischen Botschaften in Berlin, zeigt vom 12. April bis 19. Juni „Neue Comic-Kunst aus Schweden“. Wie in Deutschland erlebt auch die schwedische Comicbranche derzeit einen Boom. Die Bandbreite reicht von humoristischen Alltagsgeschichten bis zu hochbrisanten politischen Themen.

Im Vergleich zu den Comiclandschaften anderer Länder ist in Schweden eines sofort augenscheinlich: Die starke weibliche Präsenz – bei den Figuren und bei den Künstlerinnen. „Schwedische Comicautorinnen und ihre Heldinnen sind momentan überaus erfolgreich“, sagt Hanna Robertz, Kulturreferentin der Schwedischen Botschaft in Berlin. Dabei zögen sie eine völlig neue Leserschaft im In- und Ausland an. Nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Männern stießen viele dieser neuen Graphic Novels auf breite Resonanz.

Auffallend sei vor allem die „Vielfalt innerhalb dieser kleinen Kunstnische“ im Hinblick auf Zeichenstile und Erzählformen, meint Hanna Robertz. Manche orientierten sich an japanischen Mangas, andere zeichneten eher traditionell oder hätten sich von US-amerikanischen Actioncomics inspirieren lassen, mal mit knalligen Farben, mal in Schwarz-Weiß. Inhaltlich jedoch werden von den meisten Künstlerinnen vor allem kritische Töne angeschlagen.

Politisch wie provozierend

Das Felleshus präsentiert eine Auswahl beliebter weiblicher Comicfiguren. Darunter die feministische Zelda von Lina Neidestam – wie ihre Erschafferin ein Kind der 80er Jahre. Sie träumt davon, die Welt zu retten und das Patriarchat zu stürzen. Oder Whitney Houston als Comicfigur in den Büchern von Liv Strömquist, die Regenbogenpresse, Psychologie und soziologische Theorie miteinander verbindet.

Strömquist, deren Bücher auch auf deutsch beim Avant-Verlag erscheinen, ist eine der bekanntesten Comickünstlerinnen und wichtigsten feministischen Stimmen Schwedens. In „Every Woman“ hinterfragt sie Beziehungsmuster und erzählt Lebensgeschichten bekannter Frauen, die wie Whitney Houston oder Priscilla Presley von Männern ausgenutzt oder misshandelt wurden.

Ebenso politisch wie provozierend tritt das Alter Ego der in Polen geborenen Zeichnerin Daria Bogdanska in Erscheinung. Autobiographisch berichtet sie mittels ihrer Comicfigur von der Welt der Schwarzarbeiter in Schweden. Wie die Künstlerin früher selbst, wird auch ihre Protagonistin in der Gastronomie von ihrem Chef ausgebeutet, weiß sich aber zur Wehr zu setzen.

Daria Bogdanska studierte an der Schule für Comic-Kunst in Malmö. Sie mag es krass – spielt in einer Punkband, zeichnet mit starken Schwarz-Weiß-Kontrasten. Ihre Charaktere strotzen vor Selbstbewusstsein. Und machen wie die Heldinnen der weiteren im Felleshus ausgestellten Graphic Novels den Leserinnen Mut, es ihnen gleichzutun.

Die Ausstellung läuft vom 12. April bis 19. Juni 2019. Buchvorstellung mit Daria Bogdanska am 12. April um 19 Uhr. Felleshus in den Nordischen Botschaften, Rauchstraße 1, Berlin-Tiergarten. Mehr im Internet: nordischebotschaften.org

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