Comicfestival Hamburg : Das krickelige Dutzend

Zum nunmehr zwölften Mal findet das Comicfestival in Hamburg statt, bei dem die Macher*innen einen vielfältigen und multimedialen Blick in die Zukunft wagen.

„The Blazing World“: Ein Detail der Arbeit von Larissa Hoff.
„The Blazing World“: Ein Detail der Arbeit von Larissa Hoff.Foto: Promo

Die Aufwärmphase des vom 4. bis 7. Oktober stattfindenden Hamburger Comicfestivals hat bereits Ende September begonnen, nämlich mit der Eröffnung der Satellitenausstellungen in diversen Lokalitäten der Hansestadt. Darunter finden sich Themen wie Geschlechtergerechtigkeit und Ausblicke auf zukünftige Formen gesellschaftlichen Zusammenlebens, die zugleich als roter Faden der zwölften Ausgabe des Festivals dienen.

So ist zum Beispiel neben „Comic*Gender“ mit Kurzcomics von passenderweise zwölf Künstler*innen über die Darstellung von Geschlechtern und ihren Verhältnissen untereinander eine Arbeit von Larissa Hoff aus Berlin zu sehen, die sich mit Margaret Cavendishs „The Blazing World“ (1668) befasst, dem ersten von einer Frau verfassten utopischen Werk, welches sich zudem dem Feminismus widmet.

Das Gesicht des Raumes: Eine Sequenz aus Jesse Jacobs' "Crawl Space".
Das Gesicht des Raumes: Eine Sequenz aus Jesse Jacobs' "Crawl Space".Foto: Promo

Eine dem zwischen Comic und Computerspiel tätigen Sebastian Stamm gewidmete Ausstellung, in der seine Zeichnungen zu dem Science-Fiction-Hörspiel „Ikaria 6“ zu sehen sind, weist auf einen weiteren Schwerpunkt des diesjährigen Festivals hin – nämlich die Interaktion von Comics mit anderen Medien. Dem Hörspiel können interessierte Besucher ebenfalls lauschen.

Auch der Kanadier Jesse Jacobs tummelt sich im Umfeld medialer Schnittstellen. Das von ihm grafisch gestaltete Videospiel „Spinch“ kann in der seinem Werk gewidmeten Schau „Astral Islands“ gespielt werden. Jacobs bewegt sich überwiegend im Genre der Phantastik und des Absurden. In seinem Comic „Safari Honeymoon“ ließ er auf faszinierende Weise das Ungleichgewicht der Geschlechter zu Gunsten der Frauen kippen, sein neuestes Werk „Crawl Space“ sollte auf dem Festival erhältlich sein.

 Sie und Er im Kreuzverhör

 Eigentlich von der Animation kommend und mit ihrem Strip „Woman World“ nach dessen Veröffentlichung auf Instagram nun bei einem Printverlag gelandet, beschreibt Aminder Dhaliwal eine Welt ganz ohne Männer. Deren Hintergründe sollen anhand einer am Samstagabend stattfindenden Lesung und Podiumsdiskussion mit der Künstlerin näher beleuchtet werden. Dhaliwal kommt wie Jacobs aus Kanada – der Gebrauch des Wortes Landsmännin erscheint hier unangebracht, der Verweis auf die auf Twitter losgetretene #MeToo-Debatte um Missbrauchserfahrungen allerdings nicht.

Utopie oder Dystopie: Das Cover von Aminder Dhaliwals "Woman World".
Utopie oder Dystopie: Das Cover von Aminder Dhaliwals "Woman World".Foto: Promo

Ob es trotzdem noch miteinander gehen könnte, versuchen Nadine Redlich und Nicolas Mahler, angekündigt übrigens als „das neue Tag-Team des deutschsprachigen Humorcomics“, in einer gemeinsamen Präsentation ihrer Arbeiten herauszufinden – wenngleich Redlich zumindest der Liebe in ihrem letztem Werk „I Hate You – You Just Don't Know It Yet“ gerade eine Absage erteilt hat. Mahler hingegen hatte es zuletzt nicht nur mit im künstlerischen Doppel gezeigten erotischen Aquarellen, sondern überdies mit „Den Unheimlichen“, einer Reihe, in der Werke der phantastischen Literatur adaptiert werden. Dazu wird es ebenso eine Präsentation sowie Lesungen mit daran beteiligten Künstler*innen wie Isabel Kreitz, Nicolas Mahler und Lukas Jüliger geben.

Bei der üblichen Festivalparty am Samstagabend im Hafenklang dürfte dann die eine oder andere Rotopolonäse Blankenese stattfinden; genügend vom Verlagshaus Rotopol vertretene Künstler sind ja vor Ort.

Das Fremde im eigenen Denken: Ein Panel aus dem Alphabet Des Ankommens.
Das Fremde im eigenen Denken: Ein Panel aus dem Alphabet Des Ankommens.Foto: Deutscher Comicverein

Darunter selbstverständlich der am Samstag um 10 Uhr einen Workshop veranstaltende Max Baitinger, bei dem sicherlich trotz der frühen Stunde mit dessen maximalem Einsatz zu rechnen ist. Und Workshops dienen durch ihre Wissensvermittlung stets der Gestaltung der Zukunft, womit Baitinger bewusst oder unbewusst eines der bestimmenden Hauptthemen des Festivals adaptiert.

Deswegen sei zuletzt noch auf eine weitere Satellitenausstellung hingewiesen: „Das Alphabet des Ankommens“ widmet sich den Erfahrungen von Aus- und Einwandernden und somit einem Thema, das die Zukunft ganz entscheidend prägen wird.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem diesjährigen Gesamtprogramm. Die jeweiligen Termine, Veranstaltungsorte und Uhrzeiten finden Sie – neben weiteren Angeboten des Comicfestivals, darunter Kindercomics, Vorträge, Führungen und Workshops – hier.

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