Die Neunte Kunst auf der Buchmesse : Comics spielen in Frankfurt kaum noch eine Rolle

Mit Egmont, Reprodukt, avant und der Edition Moderne verlassen fast alle zuletzt noch verbliebenen Comic-Aussteller den Messestandort am Main.

Martin Jurgeit
Außen bunt, innen hohl. Der aufblasbare Asterix dürfte auch dieses Jahre wieder vor den Messehallen stehen.
Außen bunt, innen hohl. Der aufblasbare Asterix dürfte auch dieses Jahre wieder vor den Messehallen stehen.Foto: epd/Imago

Wenn an diesem Mittwoch, dem 16. Oktober, die Frankfurter Buchmesse für fünf Tage öffnet, scheint für die Besucher zunächst alles den gewohnten Gang zu gehen. Denn auf der großen Agora zwischen den Messehallen wird wieder ein riesiger aufblasbarer Asterix für den eine Woche später erscheinenden neuen Band werben.

Wenn sich die Leser dann aber auf die Suche nach dem Asterix-Verlag Ehapa bzw. Egmont machen, werden sie eine herbe Enttäuschung erleben: Erstmals seit Jahrzehnten ist dieser nämlich in Frankfurt nicht mehr mit einem Stand vertreten.

Und damit steht Egmont nicht alleine da, denn auch die Berliner Kollegen von avant und Reprodukt sowie die schweizerische Edition Moderne ziehen sich dieses Jahr aus Frankfurt zurück, wo damit von den bekannteren deutschsprachigen Comic-Verlagen nur noch Carlsen und Cross Cult vertreten sein werden.

Doch genau genommen verstehen sich die beiden zuletzt Genannten auch nur bedingt als Comic-Häuser – denn bei Carlsen steht auf der Buchmesse traditionell das Kinderbuch-Programm im Vordergrund und Cross Cult präsentiert dort zudem ein umfangreiches Roman-Segment.

Auch die Cosplayer ziehen um

Bleibt noch die Cosplay Area, in der sich am Wochenende zumindest noch die Manga-Szene auf der Buchmesse versammelt – auch sie muss sich neu positionieren. Da die zuletzt genutzte Halle 1 derzeit umgebaut wird, zieht man in die Halle 4.0 um und bespielt dort einen Bereich, der an den ersten drei Messetagen noch durch eine Wand vom übrigen Messegeschehen abgetrennt ist. Wie der neue Standort angenommen werden wird, muss sich erst noch erweisen.

Das alles hört sich wirklich nicht gut an, gerade wenn man noch vor Augen hat, mit wie viel Euphorie zur Jahrtausendwende die Faszination Comic einmal in der neuen Halle 3 startete. In einem Comic-Zentrum wurde hier den bisher verstreut platzierten Comic-Verlagen auf der Buchmesse ein zentraler Ort zu Präsentation eingeräumt, der zudem viele Neuaussteller aus der Branche anzog.

Fachbesucher im Fokus

Nach den ersten, sehr erfolgreichen Jahren trat aber schnell Ernüchterung ein, die zuvorderst mit den hohen Kosten verbunden war, die ein Messeauftritt in Frankfurt nach sich zog. Dies war zudem mit sehr eingeschränkten Verkaufsmöglichkeiten am Stand verbunden und dem Ausschluss des Publikums an den ersten drei Messetagen, weshalb eine Refinanzierung des Standes auf der Messe selbst praktisch unmöglich ist. Nachdem sich immer mehr Verlage über die Jahre zurückzogen, wurde das Comic-Zentrum deshalb 2014 offiziell aufgegeben.

Große Bühne: Das Comic-Zentrum lockte bis 2014 viele Besucher mit Veranstaltungen wie dieser mit den Asterix-Autoren.
Große Bühne: Das Comic-Zentrum lockte bis 2014 viele Besucher mit Veranstaltungen wie dieser mit den Asterix-Autoren.Foto: Lars von Törne

Zeitgleich kam es rund um den Comic auf der Leipziger Buchmesse zu einem bis heute anhaltenden Boom, insbesondere durch die Zuweisung einer eigenen Halle für Comic und Manga. Dass diese komplett mit Ausstellern aus dem Verlags- und Händlerbereich gefüllt werden konnte, hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass in Leipzig das Publikum an allen Messetagen Zutritt hat – ein entscheidender Vorteil der Sachsen gegenüber dem Messestandort am Main.

An dieser Grundkonstellation wird sich auch zukünftig nichts ändern können. Wie Peter Diemer vom Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, des Veranstalters der Buchmesse, im Gespräch mit dem Tagesspiegel betont, versteht sich die Frankfurter Buchmesse weiterhin in erster Linie als Fachmesse, die vor allem den Professionellen der Buchbranche als Treffpunkt dienen soll.

Ein besonderer Fokus läge zudem auf den internationalen Besuchern, die in Frankfurt etwa für Lizenzgeschäfte anreisten. Mehr Publikumstage, mehr Verkaufsmöglichkeiten oder sogar eine eigene Comic-Halle wie in Leipzig seien einfach nicht möglich, meint Diemer.

Eine Zukunft für den Comic in Frankfurt?

Das alles passiert zu einem Zeitpunkt, wo der Comic – inklusive der Subgattungen Manga und Graphic Novel – zu den wenigen Segmenten im Buchhandel zählt, die in den letzten Jahren kontinuierlich Umsatzzuwächse verzeichnen konnten. Und genau dieses florierende Segment einer sonst größtenteils darbenden Buchbranche ist jetzt auf der großen Frankfurter Buchmesse fast nicht mehr sichtbar.

Dass dies ein Problem ist, haben auch die Verantwortlichen der Buchmesse erkannt. Für den ersten Messetag laden sie deshalb Vertreter der Comic-Verlage zu einem Treffen ein, auf dem Perspektiven erörtert werden sollen, die dem Comic auf der Frankfurter Buchmesse wieder mehr Gewicht verschaffen könnten.

Inwieweit dieses Gespräch allerdings wirklich Fortschritte bringt, bleibt abzuwarten. Denn in der Vergangenheit gab es bereits vergleichbare Zusammenkünfte, etwa kurz vor dem Ende des Comic-Zentrums in Halle 3 – allerdings ohne jeden substanziellen Erfolg.

Comic-Programm außerhalb des Messegeländes

Dass es in Frankfurt in den kommenden Tagen trotzdem zahlreiche Comics zu entdecken und das Publikum Zeichner persönlich treffen kann, ist Open Books zu verdanken, dem Lesefest der Stadt Frankfurt parallel zur Buchmesse. Dort stehen unter anderem folgende Präsentationen auf dem Programm: Donnerstag, 17. Oktober, 18.30 Uhr: Dominik Wendland: „Egon“ / Sascha Hommer: „Spinnenwald“ (Fotografie Forum Frankfurt, Braubachstraße 30–32), 20 Uhr: Reinhard Kleist: „Knock out“ (Evangelische Akademie, Römer 9. Freitag, 18. Oktober, 17 Uhr: Franziska Ruflair: „Adventure Huhn“ / Julia Bernhard: „Wie gut, dass wir darüber geredet haben“. 18.30 Uhr: Nando von Arb: „3 Väter“ / Oyvind Torsetter: „Hans sticht in See“. 20 Uhr: Martin Ernstsen & Knut Hamsun: „Hunger“ / Steffen Kverneland: „Ein Freitod“ (alle im Fotografie Forum Frankfurt, Braubachstraße 30–32. Samstag, 19. Oktober, 17 Uhr: Marco Wiersch & Bernd Kissel: Freistaat Flaschenhals. 18.30 Uhr: Jan Bachmann: „Berg der Wahrheit“ / Bea Davies & Patrick Späth „Der König der Vagabunden“. 20 Uhr: Typex: „Rembrandt“.

Zudem präsentieren auf dem Comic- und Zinefest Cozi im Naxosatelier (Waldschmidtstraße 19) Künstler aus dem Independent- und Kunstcomic-Bereich sich und ihre Arbeiten, darunter Anna Haifisch, Elizabeth Pich und Lukas Weidinger.