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Albern, morbide und sexy: Ein Comic von „War And Peas” - für Komplettansicht auf Vergrößerungs-Symbol klicken.
© Panini

Liebe, Tod und Hexen: Dreckiger Humor für Nerds

Der schwarzhumorige Webcomic „War And Peas” feiert internationale Erfolge, nun erscheint er erstmals auf Deutsch – obwohl seine Schöpfer aus Saarbrücken kommen.

Von Erik Wenk

Roboter, die sich binäre Liebesgedichte schreiben, Hunde, die zu den „Anonymen Hinternschnüfflern“ gehen, und Hexen, die auf Vibrator-Besen reiten – auch wenn viele Figuren in „War and Peas“ Fabelwesen sind, verhalten sie sich doch überaus menschlich.

Der Webcomic des deutschen Zeichner-Teams Elizabeth Pich und Jonathan Kunz besitzt dank seines schwarzen Humors und seiner derben Pointen eine große Fangemeinde im Netz, fast 800.000 Menschen folgen ihnen alleine bei Instagram.

Roboter mit menschlichen Anwandlungen sind ein wiederkehrendes Thema bei „War And Peas”.
Roboter mit menschlichen Anwandlungen sind ein wiederkehrendes Thema bei „War And Peas”.
© Panini

Nun ist mit „War And Peas – Von Hexen und Menschen“ (Panini, 160 S., 19 €) erstmals eine deutsche Print-Ausgabe mit einigen der besten Strips erschienen.

Ein Novum in zweifacher Hinsicht, denn auf Deutsch ist der Webcomic noch nie erschienen, obwohl ihre Schöpfer in Saarbrücken leben. Pich ist in den USA aufgewachsen und teilt mit Kunz die Liebe zu angelsächsischem Humor à la Monty Python. Auch das Buch ist zuerst in den USA erschienen, mit dem wesentlich passenderen Titel „Funny Comics For Dirty Lovers”.

Spaß mit dem Tod

Seit 2011 veröffentlichen die beiden jeden Sonntag einen neuen Comic auf ihrer Webseite. Die wichtigsten Themen von „War And Peas“ sind schnell benannt: Tod und Sexualität.

Zwischen Leben und Tod: Ein weiterer Strip von „War And Peas”.
Zwischen Leben und Tod: Ein weiterer Strip von „War And Peas”.
© Panini

Eine der Hauptfiguren ist der Sensenmann höchstselbst, der sichtlich viel Spaß an seinem Job hat (außer, als ihm ein alter Mann erfreut die Tür öffnet und Geschlechtsverkehr mit ihm haben will). Unerfüllte Liebe und Sexualität zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch; fast alle Charaktere sind entweder fies, einsam oder notgeil: Menschen, Hunde, Roboter, Schlangen, ja sogar Bäume und Wassermelonen.

„War and Peas“ kommt aber nicht schlüpfrig oder zweideutig daher, sondern ebenso explizit wie nerdig: So etwa der Strip, in dem zwei Meeresbiologen Walgesänge belauschen und sich fragen, was sich das Walpärchen unter Wasser wohl zu sagen hat: „Bestimmt ist es etwas Romantisches!“ Ein Panel weiter sehen wir die Übersetzung dessen, was die Walkuh ihrem Partner mitteilt: „Ich sagte, steck ihn hinten rein, Nigel.“

Manchmal lieb, oft fies

Pich und Kunz spielen mit Geschlechterrollen und flechten immer wieder feministische und hintersinnige Kommentare in ihre Strips mit ein. So gibt es etwa das schwule Paar Bob und Bob, das sich fortwährend ätzende Sticheleien liefert, oder den Roboter, der unglücklich in seine Erfinderin verliebt ist. „War and Peas“ ist bevölkert von Unverstandenen, Außenseitern und deren Peinigern. Der Humor ist oft albern, manchmal lieb, oft morbide und böse.

Das Titelbild des besprochenen Sammelbandes.
Das Titelbild des besprochenen Sammelbandes.
© Panini

Alle Strips sind Webcomic-typische Onepager mit viel Panels. Die Buchfassung hat den Vorteil, dass manche Strips eine lose zusammenhängende Geschichte in den haarsträubenden Beziehungen einiger Figuren erzählen, die in dieser Form besser nachvollzogen werden kann, als im Internet. Der minimalistische Stil, der ein wenig an Tom Gauld erinnert, passt zur leichten Konsumierbarkeit des Comics, dessen bissige Pointen einem allerdings noch schwer im Magen liegen können.

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