Pénélope Bagieu : Das Vorbilderbuch

Eine Rebellin, eine Vulkanologin, eine Langstreckenläuferin: Pénélope Bagieu porträtiert im zweiten „Unerschrocken“-Band wieder außergewöhnliche Frauen.

Die erste Afroamerikanerin im All: Eine Seite aus der Passage über die Ärztin und Astronautin Mae Carol Jemison.
Die erste Afroamerikanerin im All: Eine Seite aus der Passage über die Ärztin und Astronautin Mae Carol Jemison.Foto: Reprodukt

Jules Verne hat für seine Reise um die Welt 80 Tage gebraucht – dabei ist der Schriftsteller nur in der Fantasie unterwegs gewesen. Die US-amerikanische Journalistin Nellie Bly machte sich im November 1889 wirklich auf den Weg – und brauchte nur 72 Tage für den Trip, der sie per Schiff, Zug und Heißluftballon über England, Ceylon und Japan zurück nach New York führte. Bly, die eigentlich Elizabeth Cochran hieß, war investigative Journalistin und die erste weibliche Kriegsberichterstatterin.

Ihre erstaunliche Biografie hat Pénélope Bagieu in ihrem zweiten „Unerschrocken“-Band nachgezeichnet. Darin porträtiert die 1982 geborene Französin wieder 15 außergewöhnliche, aber eher unbekannte Frauen – von einer indischen Rebellin über eine französische Vulkanologin bis hin zu einer amerikanischen Langstreckenläuferin. Diesmal geht sie historisch nicht ganz so weit zurück, viele der Porträtierten leben noch.

Ein Händchen für Musikerinnen

Allerdings sind wie im Vorgängerband auch einige bekanntere Frauen dabei: etwa die Kunstsammlerin Peggy Guggenheim, die Musikerin Betty Davis oder die Schauspielerin Hedi Lamarr, wobei Letztere auch Erfinderin war – eine meist übersehene Facette der 1914 in Wien geborenen Tochter einer Pianistin und eines Bankiers, die 1933 durch einen Nacktauftritt im Film „Ekstase“ berühmt wurde.

Auch im Falle der in den Sechzigern gegründeten Schwestern-Band The Shaggs schaut die Zeichnerin weniger auf den Kultstatus des Trios, sondern beschreibt vor allem den vom Vater ausgeübten Druck auf die jungen Frauen. Sie wollten nie Musik machen und waren eben keineswegs nur die unverdorbenen Dilettantinnen, als die sie von späteren Edelfans wie Frank Zappa und Kurt Cobain gefeiert wurden. Ihr einziges Album „Philosophy Of The World“ kann man nach der Lektüre jedenfalls nicht mehr unbeschwert hören.

Dass Bagieu ein Händchen für Musikerinnen hat, zeigte sie bereits mit der Graphic Novel „California Dreaming“, in der sie die Mamas-&-Papas-Sängerin Cass Elliot porträtierte. Genauso liegt ihr aber die prägnante Comic-Biografie. „Unerschrocken 2“ ist liebe- und schwungvoll gezeichnet – sicher finden sich weitere 15 Frauen für einen dritten Band.

Pénélope Bagieu: Unerschrocken 2, Reprodukt, 168 Seiten, aus dem Französischen von Heike Drescher u. Claudia Sandberg, Handlettering von Olav Korth, 24 €

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