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Lucky Luke samt Gefährten, gezeichnet von Ralf König (rechts).
© Lucky Comics 2021, all Rights reserved by Ralf König, Imago/Future Image
Update

„Schon als Kind war ich schwer verknallt in ihn“: Ralf König zeichnet Lucky-Luke-Album

Lucky Luke wird 75 – und Ralf König zeichnet dem Comic-Westernhelden ein Album. Ein erster Einblick in die Jubiläumsveröffentlichungen.

Schon als Kind war Ralf König ein großer Fan von Lucky Luke, wie er mal in einem Interview erzählt hat. Jetzt wird der Kölner Zeichner selbst zum Schöpfer eines Albums mit den Abenteuern des bekannten Comic-Cowboys.

„Zarter Schmelz“ heißt das von König geschriebene und gezeichnete Album, das in einer Reihe von Lucky-Luke-Hommagen in diesem Sommer veröffentlicht werden soll. Das erfuhr der Tagesspiegel am Mittwoch.

Am Donnerstag gab die Egmont Ehapa Media GmbH, die die Comicreihe auf Deutsch veröffentlicht, das Jubiläumsprogramm offiziell bekannt.

Am 14. November ist es genau 75 Jahre her, dass Lucky Luke seinen ersten Auftritt hatte. Aus dem Anlass gibt es über das Jahr verteilt bei Egmont Ehapa mehrere besondere Veröffentlichungen.

Ralf König, der im vergangenen Jahr 60 wurde und seit 40 Jahren Comics zeichnet, zählt die von dem Belgier Maurice de Bevere (1923 – 2001) alias Morris geschaffene und später lange zusammen mit dem Szenaristen René Goscinny fortgesetzte Reihe zu den zeitlosen Vertretern der Kunstform, wie er in einem Interview gesagt hat: „Morris war ein großartiger Zeichner, das ist ein Klassiker.“

Western von gestern - und zwei neue Hommage-Bände

Den Anfang der Jubiläumsveröffentlichungen soll im März ein Album machen, das der offiziellen Zählung zufolge die Nummer 100 trägt. Unter dem Titel „Western von Gestern“ gibt es darin einen Blick zurück zu den Ursprüngen der humorvollen Reihe.

Der Band wird die beiden allerersten von Morris gezeichneten Lucky-Luke-Abenteuer enthalten, die bislang noch nicht in der Albenreihe erschienen sind. Das Cover dafür stammt von Achdé, dem aktuellen Zeichner der Hauptreihe, der in den vergangenen Jahren mit wechselnden Autoren zusammengearbeitet hat und sich stilistisch sehr eng an dem großen Vorbild Morris orientiert.

Das vorläufige Cover von Königs Lucky-Luke-Album.
Das vorläufige Cover von Königs Lucky-Luke-Album.
© Egmont Ehapa

Zuletzt hat Achdé im Herbst 2020 zusammen mit seinem langjährigen Autorenpartner Jul das Album „Fackeln im Baumwollfeld“ veröffentlicht, in dem erstmals eine afroamerikanische Figur eine tragende Rolle spielt. „Im Gewand eines typischen und treffsicher originellen Lucky-Luke-Abenteuers sorgen sie im Vorbeigehen für mehr Diversität in einer altehrwürdigen Comicreihe“, urteilte der Berliner Comiczeichner Bela Sobottke in seiner Besprechung des Albums im Tagesspiegel.

Zwei weitere Cover aus dem Lucky-Luke-Jubiläumsprogramm von Bonhomme (links) und Achdé.
Zwei weitere Cover aus dem Lucky-Luke-Jubiläumsprogramm von Bonhomme (links) und Achdé.
© Egmont Ehapa

Neben dieser Hauptreihe werden seit einigen Jahren mit dem Segen der Herausgeber zudem Hommage-Bände veröffentlicht, die zeichnerisch und von der Erzählweise her etwas freier mit dem klassischen Stoff umgehen. In dieser Reihe hat vor zwei Jahre mit dem Berliner Zeichner Mawil erstmals auch ein deutscher Zeichner ein offizielles Lucky-Luke-Album gezeichnet und geschrieben. In „Lucky Luke sattelt um“ schickte Mawil den Cowboy damals auf dem Fahrrad durch die Prärie.

Das anfangs nur auf Deutsch veröffentlichte Album wurde hierzulande zum Bestseller und liegt inzwischen in mehreren weiteren Sprachen vor. Insgesamt hat Egmont Ehapa im Laufe der Jahre mehr als 30 Millionen Lucky-Luke-Alben verkauft, wie Editorial Director Wolf Stegmaier sagt. Das mache die Reihe hierzulande zu einem der populärsten Comics überhaupt.

Im Mai soll dann mit „Wanted“ ein weiterer Hommage-Band erscheinen, geschrieben und gezeichnet von dem Franzosen Matthieu Bonhomme. Der hatte bereits im Jahr 2016 das Album „Der Mann, der Lucky Luke erschoss“ veröffentlicht, in dem der Cowboy ernster, dunkler und menschlicher als in der regulären Serie auftrat. „In diesem Abenteuer muss sich Lucky Luke den Avancen gleich dreier Schwestern erwehren und kämpft zudem damit, dass ein stattliches Kopfgeld auf ihn ausgesetzt ist“, heißt es in der Ankündigung.

Lila Kühe im Wilden Westen

Im Sommer soll dann Ralf Königs Lucky-Luke-Hommage „Zarter Schmelz“ erscheinen. Darin wird der Comic-Cowboy „mit Avancen ganz anderer Art konfrontiert“, heißt es in der Vorankündigung. Der in Köln lebende Zeichner lege mit dem Album „eine sehr persönliche Ehrung von Morris und dessen Helden vor“.

Lucky Luke, wie ihn Ralf König sieht - samt Pferdefreund Jolly Jumper und einer lila Kuh.
Lucky Luke, wie ihn Ralf König sieht - samt Pferdefreund Jolly Jumper und einer lila Kuh.
© Lucky Comics 2021, all Rights reserved by Ralf König

König hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in erster Linie als humorvoller Analytiker zwischenmenschlicher, vor allem zwischenmännlicher Beziehungen einen Namen gemacht, Bücher wie „Der bewegte Mann“ oder seine Reihe „Konrad und Paul“ sind weit über die Comicszene hinaus bekannt.

Zudem hat der zeichnende Pionier der homosexuellen Emanzipation sich immer wieder auch mit politisch-sozialen Themen, religiöser Bigotterie, der Beschränkung der Meinungsfreiheit durch Fundamentalisten oder den Herausforderungen des Multikulturalismus beschäftigt. Und 2019 hat er die Geschichte der Menschheit und ihrer Irrwege in einer groß angelegten Fabel verarbeitet, „Stehaufmännchen“.

Ralf König.
Ralf König.
© Imago/Future Image

Kommende Woche erscheint zudem Königs neues Buch „Vervirte Zeiten“, in dem er die Erfahrungen des Corona-Lockdown-Zeit verarbeitet. Das Buch basiert auf zuvor regelmäßig auf Facebook veröffentlichten Comicepisoden, mit denen König den Alltag in Pandemiezeiten kommentiert hat.

Für seine Lucky-Luke-Geschichte nimmt König dessen Berufsbezeichnung als Cowboy wörtlich – und schickt ihn auf ein Abenteuer, in dem Kühe eine zentrale Rolle spielen, wie aus dem Klappentext des Albums hervorgeht. „Auch ein Cowboy braucht mal Pause, aber wenn der Cowboy Lucky Luke heißt, bedeutet das Urlaub von den Daltons und anderen Ganoven“, heißt es da. „Ein paar Tage Kühe hüten im grünen Crowfoot Valley ist genau der entspannende Job für den berühmten Revolverhelden.“

Die Tiere, die Lucky Luke hier hüten sollen, sind frisch importierte Schweizer Kühe, „vollmilchig und lila, denn der Wilde Westen entdeckt die Kakaobohne“. Schokolade ist in dem Album „bald in aller Munde“, heißt es weiter. „Leider sind Autogrammjäger zuweilen ebenso lästig wie Kopfgeldjäger, und Sitting Butch vom Stamme der Chicorée hat auch schlechte Laune.“ Vor allem aber gebe es da die poor lonesome Cowboys Bud und Terence, „die sich vor lauter liebevoller Zuneigung am liebsten verprügeln“. Das führe im Laufe der Geschichte „zu zartbitteren Gerüchten in der rauen Westernstadt Straight Gulch“.

Außer diesen neuen Nebenfiguren haben auch ein paar alte Bekannte ihren Auftritt bei König: Das Lucky-Luke-Album „Calamity Jane“ war seinen Angaben zufolge einer der ersten Comics, die er begeistert studierte – und so hat als „Verbeugung vor dem Großmeister auch die fluchende, flintenschwingende Legende“ eine Rolle in „Zarter Schmelz“.

„Was für ein Mann!“

Auf seiner Facebook-Seite hat Ralf König jetzt erste Szenen aus dem Album online gezeigt: Eine gibt es hier zu sehen, eine weitere hier.

In der offiziellen Pressemappe zum Jubiläumsprogramm wird Ralf König mit folgenden Worten über Lucky Luke zitiert: „Was für ein Mann! Schon als Kind war ich schwer verknallt. Die engen Jeans, der coole Blick, die fein gekritzelten, schwarzen Nackenhaare! 75? Glaub ich nicht! Dieser geniale Strich altert nicht. Nur auf seinen Schatten sollte er langsam aufpassen. Da immer draufzuschießen klingt nicht gesund! Bleib im Sattel, Lucky Luke!“

Dazu kommen weitere Veröffentlichungen zum Jubiläum, darunter die ersten beiden Ausgaben der neuen „Lucky-Luke-Gesamtausgabe“, das Sekundärwerk „Lucky Luke - Die Eroberung des Westens“, das auch als limitierte Sonderausgabe im Schuber erhältlich sein wird, ein thematisch passendes Kochbuch sowie das „Lucky-Luke-Lexikon“, verfasst von den Comicexperten Horst Berner und Volker Hamann.

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