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Charmanter Rebell: Hauptdarsteller Tomer Sisley.

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Comicverfilmung: Robin Hood trifft James Bond

Der frankobelgische Comic-Bestseller „Largo Winch“ ist erneut verfilmt worden. Top oder Flop? Zwei kontroverse Einschätzungen aus der Tagesspiegel-Redaktion.

Ein Mann ohne Feinde ist gar kein Mann, heißt es großspurig in „Largo Winch 2 – Die Burma Verschwörung“ (Sunfilm) von Jérôme Salle, einer aufwendigen, französischen Comicverfilmung. Im ersten Teil der Reihe erbte der junge Abenteurer Largo Winch (Tomer Sisley) das Firmenimperium seines Vaters, das Milliarden wert ist – nicht ohne zuvor Intrigen, Verschwörungen und Attentate überleben zu müssen. Im zweiten Teil nun kündigt der Bursche auch noch an, die Firma verkaufen zu wollen und das Geld an wohltätige Organisationen zu spenden. Mächtige Gegenspieler formieren sich, die Politik wird unruhig – und auf einmal steht Interpol vor der Tür, vertreten durch eine bissige Staatsanwältin (Sharon Stone) im sehr kurzem Rock, und erhebt schwere Vorwürfe gegen Largo und seinen mittlerweile verstorbenen Vater.

Sie seien verantwortlich für Massenvertreibungen in Burma. Dann wird eine Leiche gefunden, ausgerechnet auf Largos Yacht. Es gibt versteckte Konten und fiese Oligarchen, Intrigen, Gemeinheiten, Bestechungen. Largo Winch muss sich selbst darum kümmern und flieht aus dem Interpol-Gefängnis. Was folgt, ist flott inszenierte Action vor traumhaften Kulissen – schönste Städte, herrlichste Landschaften, und das immer bei bei bestem Wetter. Es gibt raffinierte Morde und wilde Verfolgungsjagden, Explosionen, Schlägereien, Abenteuer, alles ohne tieferen Hintergrund. Über mögliche politische Implikationen wird hinweggerast, gefetzt, gesprungen. Hier geht es nur um Zuschauerspaß; trotz aller Glattheit funktioniert der über weite Strecken wunderbar.

Karl Hafner

Was Tagesspiegel-Redakteur Lars von Törne an dem Film missfällt, lesen Sie auf der nächsten Seite

Bissig: Sharon Stone als Staatsanwältin.
Bissig: Sharon Stone als Staatsanwältin.

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Fortsetzung: Das Cover des aktuellen zweiten Teils.
Fortsetzung: Das Cover des aktuellen zweiten Teils.

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Von solchen Zahlen können deutsche Comicverleger nur träumen. 470.000 mal ist das 17. Album der Wirtschaftsthriller-Reihe „Largo Winch“ im vergangenen in Frankreich und Belgien verkauft worden – ebenso häufig wie das aktuelle „Lucky-Luke“-Album und fast doppelt so oft wie die bestverkauften Manga-Titel im frankobelgischen Raum. Kein Wunder, dass so ein Erfolg dazu verleitet, die von Jean van Hamme geschriebene und von Philippe Francq im hyperrealistischen Stil gezeichnete Reihe um den abenteuerlustigen Millardenerben Largo Winch in anderen Medien zu recyceln.

Kürzlich ist der zweite Teil vor zwei Jahren gestarteten Verfilmung erschien, „Largo Winch – Die Burma-Verschwörung“. Der erste Teil „Largo Winch – Tödliches Erbe“ war 2009 erschienen (mehr dazu hier). Der Vertrieb setzt hier direkt auf den DVD- und Blu-Ray-Markt, beide schafften es in Deutschland nicht ins Kino - im aktuellen Fall ganz zurecht.

Die Fortsetzung, bei der erneut Jérôme Salle Regier führte, enttäuscht auf ganzer Linie und hat gegenüber dem ersten Teil wenig Neues zu bieten. Es gibt ein weiteres Mal klassisches Action-Handwerk zu besichtigen, dazu einen Plot der dem französischen Comedy-Star Tomer Sisley erneut die Möglichkeit gibt, sich als charmanter Rebell irgendwo zwischen Robin Hood und James Bond in Szene zu setzen. Die Handlung ist jedoch mit langen Verfolgungsjagden, ermüdenden Explosionen und stereotypen Männer-Frauen-Rollenklischees wenig inspiriert in Filmbilder umgesetzt worden. Die mit Wiederholungen und Längen durchsetzte Geschichte lässt einen als Zuschauer kalt, da helfen auch die Ergänzung des Personals um Largo Winchs Dschungelfreund Simon sowie Sharon Stone als sexy UN-Chefanklägerin nicht viel.

Lars von Törne

„Largo Winch – die Burma-Verschwörung“ ist bei Sunfilm erschienen, hier geht es zur Website des Films. Die Comics erscheinen auf Deutsch bei Schreiber & Leser. Ein Tagesspiegel-Interview mit „Largo Winch“-Zeichner Philippe Francq finden Sie hier.

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