Der Startenor und #MeToo : Madrid wirft Placido Domingo raus

Ist Placido Domingos Entschuldigung ein Schuldeingeständnis? In Spanien sieht man es so, in Hamburg und Salzburg wird die neue Faktenlage geprüft.

Placido Domingo im November 2019 bei einem Konzert in der Elbphilharmonie.
Placido Domingo im November 2019 bei einem Konzert in der Elbphilharmonie.Foto: dpa

Bislang galt – zumindest in den europäischen Kulturinstitutionen – für Placido Domingo die Unschuldsvermutung. Darum konnte der Sänger jüngst noch in Berlin auftreten. Der 79-Jährige hat bislang alle Vorwürfe wegen sexuell unangemessenen Verhaltens, die von 27 Frauen gegen ihn erhoben werden, zurückgewiesen.

Nachdem nun aber eine Untersuchung des US-Verbands der Musikkünstler die Vorwürfe gegen den Sänger als gerechtfertigt eingestuft hat, sah sich Placido Domingo am Dienstag zu einer Stellungnahme gezwungen. Er entschuldigte sich bei allen Betroffenen, unter anderem mit den Worten: „Ich übernehme die volle Verantwortung für mein Handeln.“

Dies kann man als Schuldeingeständnis werten. Sowohl die Hamburger Oper wie auch die Salzburger Festspiele wollen nun vor den dort geplanten Auftritten Domingos sehr genau die Ergebnisse der Untersuchung prüfen. Zwar bestünden gültige Verträge mit dem Sänger, hieß es in beiden Institutionen, doch die Faktenlage habe sich jetzt geändert.

In Madrid wird Domingo durch einen anderen Bariton ersetzt

Die spanische Regierung hat mittlerweile zwei Auftritte des Sängers am Teatro de la Zarzuela in Madrid abgesagt. Diese Entscheidung treffe man „aufgrund der Schwere“ der Vorwürfe und „aus Solidarität mit den betroffenen Frauen“, teilte das Nationale Institut für Darstellende Künste und Musik (INAEM) mit, das dem Kulturministerium untersteht.

„Das INAEM und das Ministerium für Kultur und Sport drücken ihre feste Unterstützung für die Frauen sowie ihre Ablehnung jeder Art von Belästigung, von missbräuchlichem Verhalten oder von Unterdrückung aus“, heißt es in einem Kommuniqué weiter. Domingo sollte am 14. und 15. Mai an der Oper „Luisa Fernanda“ im Teatro de la Zarzuela mitwirken. Er wird nun durch einen anderen Bariton ersetzt. (F.H., dpa)

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