Frankfurter Buchmesse : Wie rechte Verlage sich zu Opfern stilisieren

Die Frankfurter Buchmesse verbannt rechte Verlage an den Rand, um ihnen Aufmerksamkeit zu entziehen. Das erweist sich als Eigentor. Ein Kommentar.

Die rechtskonservative "Junge Freiheit" bei der Leipziger Buchmesse 2016. Frankfurt hat ihren Stand dieses Jahr ins Abseits gestellt.
Die "Junge Freiheit" bei der Leipziger Buchmesse 2016. Frankfurt hat ihren Stand dieses Jahr ins Abseits gestellt.Foto: Jan Woitas/dpa

Es ist dann doch zum Verzweifeln: Die Frankfurter Buchmesse hat noch nicht einmal begonnen, und schon jetzt zeichnet sich ab, dass die rechten Verlage wie im vergangenen Jahr im Brennpunkt des Messegeschehens stehen werden. Wohlgemerkt: ganze vier Verlage, bei einer Ausstellerzahl von weit über 7000, darunter der der rechtskonservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und jener von Autoren wie Akif Pirinci und des AfD-Ganz-Rechtsaußen Björn Höcke, Manuscriptum. Der Grund dafür ist, dass die Leitung der Frankfurter Buchmesse die Stände dieser Verlage in eine Art Sackgasse am Rande der Halle 4.1. stecken will, primär um potentielle Tumulte und Handgreiflichkeiten verhindern oder wenigstens besser steuern zu können.

Das ist leider ein Eigentor geworden. Denn nun sieht man sich bei der Buchmesse dem Verdacht ausgesetzt, die Meinungsfreiheit zu unterdrücken und die rechten Verlage zu „ghettoisieren“, wie der Chefredakteur der „Jungen Freiheit“, Dieter Stein, gejammert hat. Nur: Was ist das Problem? Ist das wirklich diskriminierend? Die Stände sind keine großen; die ihnen nun doch wieder gewährte Aufmerksamkeit steht in keinem Verhältnis zur Bedeutung der Verlage. Es gibt in den Hallen der Buchmesse viele gewissermaßen tote, nicht besonders attraktive Ecken, da könnte auch so mancher andere kleine Verlag drüber klagen. Gerade der Stand der „Jungen Freiheit“ war schon oft nur im Wasteland zugiger Gänge zu finden, ohne dass es groß Diskussionen darüber gab oder von „Ausgrenzung“ die Rede war. Die Verlage werden im Messeverzeichnis aufgeführt, wer will, kann sie finden und besuchen, und es stand nie zur Diskussion – von wegen Diskriminierung und Meinungsfreiheitsunterdrückung! – die Verlage nicht zuzulassen.

Einmal mehr wird die Frankfurter Buchmesse nun durch ein nachvollziehbares, aber vielleicht etwas ungeschicktes Vorgehen durch die Rechten instrumentalisiert, und man braucht kein Prophet sein, um sehen zu können, dass der für den Buchmessenfreitag angekündigte Auftritt von eben jenem Björn Höcke am Stand seines Verlages für viel Aufsehen sorgen wird. Mitleid, dass Höcke nur in einer düsteren Ecke der Hallen sein Gedankengut ausbreiten kann, muss aber wirklich niemand haben.

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