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Lange wurde diskutiert, lange gestritten. Nun ist das BMW Guggenheim Lab für die Berliner eröffnet worden.

© dpa

Prenzlauer Berg: Guggenheim Lab offiziell eröffnet

Monatelang wurde gestritten und diskutiert - nun ist das Guggenhei Lab offiell eröffnet worden. Klaus Wowereit verteidigte das Projekte. Das Lab und die Diskussion darum würden zu Berlin passen.

Wind bewegt sacht die Gardinen, ein laues Lüftchen weht durchs Haus. Wie viel Ärger, wie viel Zorn hat es um diesen Bau gegeben, der nicht einmal Wände besitzt, sondern eigentlich nur aus einer aufgeständerten Dachkonstruktion besteht, an deren Seiten helle, sommerliche Vorhänge befestigt sind. Der vom Tokioter Architekturbüro Bow-Wow entworfene, graumetallene Pavillon erscheint hier im Pfefferberg zwischen den alten Gemäuern wie ein Ufo, der heruntergekommene Hinterhof bildet den größtmöglichen Kontrast zum Hightech-Geschoss. Das BMW Guggenheim Lab lebt von diesen Widersprüchen. Es ist zugleich Statement und Angebot.

Bei der Eröffnung am Freitag gab es sich demonstrativ offen, zugänglich für alle, arglos, spielerisch mit einem „Marathon of Making“. Tische sind aufgestellt mit Nummern darauf, zwischen denen die Besucher hin- und herspazieren können. Auf dem einen liegen Stoffe und Reißverschlüsse ausgebreitet, daneben sind Nähmaschinen aufgebaut, zur freien Bedienung. Fahrradtaschen und Sattelschoner aus reflektierenden Textilien stehen auf dem Programm der Open-Air-Schneiderei. Daneben haben Studenten vom Massachusetts Institute of Technology ihre metallenen Köfferchen ausgepackt. Mit Papier und Kupferband wird simpel vorgemacht, wie Elektronik funktioniert, wie Solarzellen sonst noch zu nutzen sind. Technologie für jedermann, um die Angst vor der unbekannten Größe abzubauen.

Die Eröffnung des Lab in Bildern

Ähnlich soll auch das Lab-Programm funktionieren, low key und down to earth. Hier kommt kein big spender angereist und will die kleinen Leute von nebenan beglücken. Hier sollen alle voneinander lernen. Junge Menschen weisen ein in das „Action Weavening“ mit einem einfachen Webstuhl vor dem Bauch für den selbstgemachten Bettvorleger oder zeigen die Grundlagen des „Guerilla Gardening“ mit Hilfe sogenannter „Seat Bombs“, die aus den Samen der Lupinie, diverser Wildblumen und Wiesenkräuter in kleinen Tüten verpackt werden. Neben dem Lab ist ein ehemaliger Feuerwehrwagen geparkt, der statt Schläuchen Bastelzeug geladen hat. Mit ihm werden die beiden Künstler Felix Zaiß und Johannes Dumpe in den nächsten Wochen dorthin fahren, wo das Berliner Liegenschaftsamt Immobilien und Baugrund meistbietend verhökert, ohne dass die Nachbarn gefragt werden. Das Lab-Mobil liefert das Werkmaterial für alternative Architekturmodelle oder zur Möblierung einer Brache.

Sehen Sie hier das Video das Guggenheim Lab in Aktion:

Berlin will wie die Stadt New York die Gegner des Lab mit einbeziehen

Stadt als Werkstatt. Der Zugang zum Lab ist in der Christinenstraße.

© AFP

Gleichzeitig will sich das New Yorker Guggenheim Museum neue Wege der Kommunikation aneignen. Die Kunst ist nicht länger ein statisches Element, abgeschirmt von der Welt in einem gesicherten Gehäuse, lautet die Idee, sondern ein Mittel der Interaktion im freien Raum, zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung vor Ort. Eigens zur Eröffnung ist Richard Armstrong, seit drei Jahren Direktor des Museums, aus New York angereist, um seine neue Philosophie zu erklären. Es geht nicht mehr um den Export künstlerischer Produkte, ein Modell, für das die Außenstelle des Guggenheim in Bilbao steht, sondern um den Austausch. Dass dem Projekt als vermeintlichem Vorboten einer Gentrifizierung in Kreuzberg heftiger Widerstand entgegenschlug und das Unternehmen daraufhin in den friedfertigeren Prenzlauer Berg ausweichen musste, hat die Amerikaner am meisten verblüfft. In den USA gebe es eine so starke Identifizierung mit der eigenen Nachbarschaft nicht, die Protestkultur sei weniger ausgeprägt, so Lab-Kuratorin Maria Nicanor. In Berlin dagegen habe das Lab geradezu psychotherapeutisch gewirkt: Die Probleme des Kiezes seien offen zutage getreten, noch bevor das Projekt begonnen habe.

In New York, der ersten Station der Plattform, wurden die Kritiker einfach ins Programm eingebaut und waren befriedet. Auch in Berlin hofft man, die einstigen Gegner, die vor allem dem Sponsor BMW kritisch gegenüberstehen, unter nun freundlicheren Bedingungen am neuen Standort wiederzusehen. Der Name des Fahrzeugherstellers ist allerdings unverändert das Präfix des Lab geblieben. Daran wollte man nichts ändern. So standen Polizei-Fahrzeuge im Falle etwaiger Farbbeutel-Attacken bereit. Bis Freitagnachmittag war ihr Einsatz allerdings nicht erforderlich.

Das Guggenheim-Lab in Prenzlauer Berg:

So konnte Richard Armstrong der Stadt unbeschwert seine Komplimente machen: „eine der kulturell interessantesten Metropolen der Welt, wenn nicht sogar die interessanteste“. Klaus Wowereit, der zur Eröffnung von rund einem Dutzend Demonstranten mit Buh-Rufen empfangen wurde, verteidigte erneut das Projekt. Es passe einschließlich der damit verbundenen Diskussion über die Zukunft der Städte gut zu Berlin. Zunächst hatte die deutsche Kapitale gar nicht auf der Liste möglicher Lab-Zwischenstopps gestanden, denn bei der sechs Jahre dauernden Welttournee sollten nur die Megacities der Zukunft angesteuert werden, die sich durch Wachstum, hohe Bevölkerungsdichte und Größe auszeichnen. Nichts davon trifft auf Berlin zu, doch besitzt die Stadt eine solche Anziehungskraft für kreative Köpfe, dass ein Denklabor, wie es das Guggenheim auf die Reise schickt, diese Station kaum auslassen kann. Nun muss sich erweisen, was die Workshops vom Freiluft-Fitness über Quartierbegehungen bis zum Bau eines Fenstergartens bringen. Ob nur Blumen für Berlin oder neue Ideen für die Metropolen der Welt.

Das BMW Guggenheim LAB ist ab sofort bis zum 29. Juli geöffnet. Mittwochs bis freitags von 14 bis 22 Uhr, samstags und sonntags von 12 bis 22 Uhr. Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite des Guggenheim-Lab.

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