Helene Fischer gegen Rechts : Nazilos durch die Nacht

Beim ersten ihrer fünf Berliner Nachholkonzerte hat Schlagerpopsängerin Helene Fischer sich gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit ausgesprochen. Ein Kommentar.

Helene Fischer mag's bunt nicht braun.
Helene Fischer mag's bunt nicht braun.Foto: dpa

Es muss schon ganz schön dicke kommen, damit Helene Fischer sich zu etwas anderem äußert als der Liebe, der Freude oder der Freude an der Liebe. Dass dies im letzten halben Jahr nun schon zum zweiten Mal geschieht, zeigt, wie hart die Zeiten sind – sogar bis in die fröhliche Schlagerpopwelt der allzeit lächelnden Sängerin dringt nun vor, dass Deutschland ein massives Problem mit Rassismus, Antisemitismus und Homofeindlichkeit hat.

Zum ersten Mal wurde dies für Fischer bei der Echoverleihung an die Hassrapper Kollegah und Farid Bang unübersehbar. Auf ihrer Facebook-Seite bezeichnete sie den Auftritt der beiden als „unangemessen und beschämend“. Der Echo ist Geschichte, doch Pop und Politik bleiben weiter in einer ungewohnt engen Verbindung. So hat das Chemnitzer Konzert unter dem Motto „Wir sind mehr“ am Montag gezeigt, wie zahlreich die Menschen dem Ruf von Bands wie Den Toten Hosen, Kraftklub und Feine Sahne Fischfilet gefolgt sind, sich gegen Rechtsradikalismus zu positionieren.

Viele haben sich auch von Helene Fischer ein Statement gewünscht. Darunter die Netzaktivistin und Plakatkünstlerin Barbara, die die Sängerin in einem Offenen Brief aufforderte „ein Konzert gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Chemnitz zu geben“, wofür sie mehr als 25.000 Likes bekam.

Sie betont, dass sie sonst nie politische Statements abgibt

Ob Helene Fischer nun darauf reagiert hat, oder ob es ihr tatsächlich eine Herzensangelegenheit war, sei dahingestellt, jedenfalls schrieb sie einen Tag später auf ihrer Facebook-Seite: „Wir können und dürfen nicht ausblenden, was zur Zeit in unserem Land passiert, doch wir können zum Glück auch sehen wie groß der Zusammenhalt gleichzeitig ist“. Nicht in Chemnitz, sondern beim ersten ihrer fünf Nachhol-Konzerte in Berlin kam dann das ersehnte Statement als sie vor dem Song „Wir brechen das Schweigen“ sagte: „Ich gebe nie politische Statements ab, denn meine Sprache ist die Musik. Aber heute Abend setzen wir auch ein Zeichen. Erhebt gemeinsam mit mir die Stimmen – gegen Gewalt, gegen Fremdenfeindlichkeit.“

Es ist begrüßenswert, wenn die derzeit erfolgreichste deutsche Popkünstlerin sich so äußert – und vielleicht sogar Fans zum Umdenken anregt, die Sympathien für rechtspopulistische Positionen hegen. Schade allerdings, dass sie das Wort Fremdenfeindlichkeit benutzte, statt Rassismus zu sagen. Denn der Mob von Chemnitz machte Jagd auf nicht- weiße Menschen – auch solche mit deutscher Staatsangehörigkeit. Sie zu „Fremden“ zu erklären, spielt Neo-Nazis und Rechtsextremen in die Hände. Vielleicht klappt’s beim nächsten Konzert mit der Ansage. Fischer ist ja noch neu im Politik-Geschäft.

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