„Hellboy“ wieder im Kino : Schlagetot auf Höllentour

Große Knarre, noch größere Klappe: Regisseur Neil Marshall inszeniert "Hellboy" als zornigen Zyniker in einer spätpubertären Gewaltorgie.

Nur noch kurz die Welt retten. "Hellboy" muss im neuen Film die Apokalypse verhindern.
Nur noch kurz die Welt retten. "Hellboy" muss im neuen Film die Apokalypse verhindern.Foto: Universumfilm/dpa

So mächtig war einst die böse Hexe Nimue (Milla Jovovich), dass dem edlen König Artus keine andere Wahl blieb, als sie mit seinem Schwert Excalibur in Stücke zu hacken und diese an den entferntesten Ecken seines Reiches zu vergraben. Anderthalb Jahrtausende später sind sinistre Mächte am Werk, um die Überreste der Erzhalunkin wieder zusammenzusetzen, damit sie das Weltenende einläute. Das ist natürlich ein Fall für Hellboy, seines Zeichens Halbdämon und Geheimagent zur Bekämpfung paranormaler Bedrohungen. Mit Hammerfaust, großer Knarre und noch größerer Klappe wirft sich der rothäutige Schlagetot mit den abgeflexten Teufelshörnchen ins Schlachtengetümmel. Er ahnt dabei nicht, dass ihm als Abkömmling des Höllenfürsten bei der heraufzubeschwörenden Apokalypse eine zentrale Rolle zukommen soll.

Ursprünglich war „Call of Darkness“ als Sequel zu den beiden „Hellboy“-Filmen von Guillermo del Toro gedacht. Aber nachdem sich der höhere Ambitionen verfolgende Regisseur und Hauptdarsteller Ron Perlman zurückgezogen hatte, sattelte man auf einen Neustart um. Für den Titelpart wurde David Harbour gewonnen; die Hauptrolle in einem Blockbuster wirkt wie ein logischer Karriereschritt für den 44-Jährigen, der nach der Netflix-Serie „Stranger Things“ zu Größerem berufen schien. Da aber seine Interpretation maßgeblich zum Scheitern dieses Films beiträgt, könnte daraus ein Bumerang werden.

Im Gegensatz zu Perlmans reich schattierter Darstellung einer geplagten, noblen Seele ist Harbours Hellboy nur ein jähzorniger Zyniker, der von Selbstmitleid geschüttelt wird. Die emotionale Beziehung zu seinem Ziehvater (Ian McShane) bleibt bloße Behauptung, die bei del Toro für den Charakter grundlegende tragische Love Story fehlt völlig. Das Resultat ist die Hülse einer Titelfigur, die genauso gut computeranimiert sein könnte.

Spätpubertäre Gewaltfantasie

Schwerer wiegt, dass sich der auch im Timing und dramaturgisch misslungene Film einem Trend anschließt, der im Kino und in vielen TV-Serien von „Game of Thrones“ bis „The Walking Dead“ zu beobachten ist: dem zu immer expliziteren Gewaltdarstellungen. Klar, dass ein Actionfilm über einen die Ausgeburten der Hölle bekämpfenden Teufelssohn kein Kuschelkino wird. Regisseur Neil Marshall („The Descent“) und Drehbuchautor Andrew Cosby werden zudem auf jene Fans gehört haben, denen del Toros Hellboy im Vergleich zur Comicvorlage von Mike Mignola zu grüblerisch war.

Doch die voyeuristische Zurschaustellung von immer wieder auch sadistischen Gewaltexzessen ist fast nie aus dem Geschehen heraus entwickelt, anders als bei „Game of Thrones“ oder den ironisch angelegten „Deadpool“-Filmen. Ebenso wie die Szenen mit ausgestelltem Körperekel wirken sie eher wie der Versuch, eine wohl überwiegend männliche, spätpubertäre Zielgruppe zu beeindrucken. Durch die Altersfreigabe ab 16 ist sie wenigstens nach unten abgepuffert.

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