"Islamfeindlich und rassistisch" : Debatte um bekannte "Emma"-Karikaturistin

"Emma"-Karikaturistin Franziska Becker erhält die Hedwig-Dohm-Urkunde. Feministinnen kritisieren die Entscheidung.

Karikaturistin Franziska Becker in ihrer Wohnung. Sie freut sich trotz der Kritik an ihrer Arbeit auf die Hedwig-Dohm-Urkunde.
Karikaturistin Franziska Becker in ihrer Wohnung. Sie freut sich trotz der Kritik an ihrer Arbeit auf die Hedwig-Dohm-Urkunde.Foto: Oliver Berg/dpa

Gegen die Verleihung der Hedwig-Dohm-Urkunde an die Karikaturistin Franziska Becker wird derzeit Kritik laut. Vor allem auf Twitter äußerten Nutzerinnen ihren Ärger über die Auszeichnung für die 1949 geborene Zeichnerin. Anlass der Empörung sind vor allem Karikaturen, in denen Becker kopftuchtragende Frauen darstellt. Sie zeichnet seit 1977 für die Frauenzeitschrift "Emma".

Auf Twitter nannte Sibel Schick, Autorin beim feministischen "Missy Magazin" und der "taz", die Cartoons am Montag "islamfeindlich und rassistisch". Sie fügte ihrem Tweet drei Beispiele an. In einem Cartoon verletzt eine muslimische Polizistin einen Ladendieb mit einer Axt, eine kopftuchtragende Frau erlaubt einer Bankkundin ihr Geld nur mit Erlaubnis eines männlichen Familienmitglieds. Und in einem Schaufenster werden verschiedene Verschleierungsmodelle von einer Passantin als Zeichen für Multikulturalität gewertet.

Franziska Becker stand bereits seit dem 4. Juni als Preisträgerin der Hedwig-Dohm-Urkunde fest. Mit der Auszeichnung ehrt der Journalistinnenbund Beckers Lebenswerk. "Die Karikaturistin ist eine der profiliertesten, journalistisch-feministisch engagierten und erfolgreichen Persönlichkeiten, die seit Jahrzehnten spitzfedrig und scharfzüngig das Mit-, Für- und Gegeneinander von Frauen und Männern genüsslich in Szene zu setzen weiß", heißt es in einer Mitteilung auf der Webseite des Journalistinnenbunds.

Becker äußerte sich am Mittwoch zu den Vorwürfen und bezeichnete sie als "absurd". Die Zeichnungen seien nicht islamkritisch, sondern Islamismus-kritisch gemeint. Sie fragten, wie es wäre, wenn in Deutschland tatsächlich die Scharia bestünde. "Es geht mir nicht um das Kopftuch selbst, sondern um das Kopftuch als Symbol der Unterdrückung, das Islamistinnen und Konvertitinnen tragen", so Becker. Sie kritisierte deutsche Frauen, die die Unterdrückung von Frauen "relativieren" würden.

Am Mittwoch äußerte sich auch Beckers Hauptarbeitgeberin, die "Emma"-Gründerin und Herausgeberin Alice Schwarzer. In einem Artikel auf der Webseite der "Emma" stellte Schwarzer die Kritik als "Diffamierungskampagne" dar. Sie argumentiert, dass Becker auch Teile der Frauenbewegung ironisch karikiert hätte. "Seit 1991 (!) nun karikiert Becker hellsichtig auch die Fanatiker im Islam, die Scharia-AnhängerInnen und Burka-PropagandistInnen", schreibt Schwarzer.

Schwarzer und die "Emma" hatten schon mehrfach wegen ihrer Kritik am Islam für Aufsehen gesorgt. Vor allem jüngere FeministInnen werfen Schwarzer vor, ihren Kampf auf dem Rücken von Minderheiten auszutragen und einen rassistischen Diskurs zu befeuern.

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