„Khartoum Offside“ im Berlinale-Forum : Frauenfußballerinnen im Sudan

In ihrem Dokumentarfilm „Khartoum Offside“ porträtiert Marwa Zein eine Gruppe von Aktivistinnen, die in Sachen Frauenfußball Pionierarbeit leistet.

Szene aus "Khartoum Offside"
Szene aus "Khartoum Offside"Foto: Marwa Zein Arbab / Berlinale

Fußball ist auch im Sudan allgegenwärtig: die Champions League flimmert auf den Bildschirmen im Restaurant, die Simulation läuft auf der heimischen Konsole, und selbst gespielt wird auch, auf staubigen Brachen oder Trainingsplätzen mit Kunstrasen. Doch im Frauenbereich fehlt es an Strukturen, an einem anerkannten Vereinswesen oder staatlicher Unterstützung. In ihrem Dokumentarfilm „Khartoum Offside“ porträtiert die Filmemacherin Marwa Zein eine Gruppe von Aktivistinnen, die hier Pionierarbeit leistet.

Die Widerstände sind groß und Rückschläge die Regel. Da sind einmal die religiös geprägten Gesetze und das traditionelle Frauenbild, dann die Gängelung und die Bestechlichkeit der Behörden und schließlich, vielleicht am zermürbendsten, deren Desinteresse und Untätigkeit. Einmal sitzen die Frauen bis spät in die Nacht beisammen und warten auf die Ergebnisse einer Funktionärswahl. Doch der erhoffte Wechsel bleibt aus, die neue Vorsitzende für den Damensport ist die alte, mit Unterstützung von offizieller Seite ist weiterhin nicht zu rechnen.

Die Entschlossenheit der Frauen, ihre selbstbewusste Art und nicht zuletzt ihr freundschaftlicher Zusammenhalt stehen im Zentrum des Films. Diesem hat die 1985 in Saudi-Arabien geborene Regisseurin, die in Kairo Film studiert hat und inzwischen an der Kunsthochschule für Medien in Köln eingeschrieben ist, eine bewusst offene Struktur gegeben. Zein verzichtet auf einen größeren dramaturgischen Bogen oder darauf, ihre Figuren zu plastischen Protagonistinnen herauszuarbeiten. Stattdessen fügt sie unvermittelt eine Reihe von Detailaufnahmen nackter Körper oder eine Sequenz mit Klopfgeräuschen ein. Bisweilen wirkt „Khartoum Offside“ eher wie eine Materialsammlung als wie ein Dokumentarfilm. Diese Offenheit für immer neue Eindrücke passt zu der Offenheit, mit der die Aktivistinnen vor der Kamera agieren. David Assmann

15.2., 22 Uhr (Cinemaxx 4), 17.2., 20 Uhr (Silent green)

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