Komödie "Leberkäsjunkie" im Kino : Eberhofer wurschtelt sich durch

Franz Eberhofer, zum sechsten. Die rustikale Krimikomödie „Leberkäsjunkie“ nach Rita Falk kommt diesmal nicht nur in Bayern ins Kino, sondern auch in Berlin.

Obacht, Maulsperre. Eberhofer (Sebastian Bezzel) mag Semmeln.
Obacht, Maulsperre. Eberhofer (Sebastian Bezzel) mag Semmeln.Foto: Constantin Film

Glückliches Niederbayern, du hast es besser. Da gilt ein Provinzheld eben noch was. In Frontenhausen haben sie den Kreisverkehr nach dem Eberhofer benannt. Das monotone Rund, das in „Leberkäsjunkie“ vom depperten Sanitärmeister Flötzinger gar mit einer Toilettenpyramide geschmückt wird, heißt jetzt Franz-Eberhofer-Kreisel. In echt, nicht im Film. Da firmiert das Kaff als „Niederkaltenkirchen“. Zum sechsten Mal rollt der Komödienstadl um den schrägen Dorfpolizisten unter der skrupellos jeden Lacher ausbeutenden Regie von Ed Herzog hier durch. Klar, dass die Frontenhausener wissen, welchen Sympathiebotschafter sie im Eberhofer haben, der seit zehn Jahren in den Regionalkrimis von Rita Falk sein Unwesen treibt.

Nach 3,5 Millionen Kinobesuchern vornehmlich in Bayern ist dessen Ruhm inzwischen bis hoch ins Preußische gedrungen. Sogar in Berlin startet „Leberkäsjunkie“ regulär im Kino. Und weil das Fernsehen koproduziert und die lakonischen Vorgänger wie „Winterkartoffelknödel“ oder „Dampfnudelblues“ alle naselang wiederholt, ist der mentale Boden schon bestellt. Stoppelbärte, Saufgelage und Kriminalität sind schließlich auch im urbanen Milieu beliebt.

Schade nur, dass es nicht die stärkste Eberhofer-Posse ist, die auf den Leinwänden diesseits des Weißwurstäquators ankommt. Womit es der Gendarm, den Sebastian Bezzel mit verquollener Mimik und sparsamen Dialogen gibt, kriminalistisch zu tun bekommt, wird eh immer wurschter. Was Ed Herzog erzählerisch viel lieber betreibt, als eine Brandstiftung mit Todesfolge auf dem Hof des Urviechs Liesl Mooshammer (Eva Mattes) aufzuklären, ist das Ausmalen der Dorfgroteske. Nur dass er im pittoresken Überzeichnen eben nicht gerade ein Fellini ist.

Die schweinbratenschweren Mittagstische fallen diesmal maniriert aus

Im Fall von „Winterkartoffelknödel“, der bisher besten Verfilmung, lief die Schilderung des rustikalen Mikrokosmos trotzdem zu einer monty-python-haft spleenigen Kombi aus Überdrehtheit und staubtrockenem Humor auf. Diesmal jedoch werden Standards wie das verkrachte Verhältnis zu Freundin Susi (Lisa Maria Potthoff), die Wirtshaussessions mit Eberhofers Leberkäs’-Dealer Metzger Simmerl (Ferdinand Hofer) und Flötzinger (Daniel Christensen) samt dem Gezecke mit Privatermittler Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) so routiniert runtergerissen, dass sie zu leerlaufenden Manierismen verkommen.

Ein Schicksal, das auch die schweinsbratenschweren Mittagstische mit Papa, Oma und Bruder ereilt. Bloß gut, dass das Typecasting von Eisi Gulp als kiffendem Senior, Enzi Fuchs als resoluter Oma und Gerhard Wittmann als Biedermann, der plötzlich zum Wutbürger wird, so gelungen ist, dass man das Prototypen bayerischer Käuze bedienende Trio trotzdem gern sieht. Bis der Flötzinger mit einer Pralinenschachtel für die heimatlose Mooshammerin anrückt. Schwerer Fehler, das. Sofort wird die Nugatlieferung von den familiären Fressfeinden niedergemacht. Gierig grabschende Hände und mampfende Münder, in Großaufnahme in Szene gesetzt. Das hat so viel Witz wie ein Kreisverkehr. (In den Kinos Titania Palast und Kant)

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