Kunstmesse Positions : Gelbes Wasser, kühler Zement

Die Positions im Hangar 4 bewährt sich als Messe für junge Kunst – und Älteres zum Wiederentdecken.

Der Stuttgarter Galerist Thomas Fuchs vor dem Bild „Desmond and Jeff“ von Rainer Fetting (2018)
Der Stuttgarter Galerist Thomas Fuchs vor dem Bild „Desmond and Jeff“ von Rainer Fetting (2018)Foto: Soeren Stache/dpa

Ein „Eimer Gelb“ kostet hier 1400 Euro, und wem das zu viel für ein paar Liter Farbe scheint, dem sei gesagt: Der Eimer ist sogar nur mit Wasser gefüllt – und außerdem flach wie ein Bild.

Eine Illusion, so täuschend echt allerdings, dass viele an der komplett aus Papier gemachten „Tankstelle“ von Marion Eichmann sofort nachfüllen lassen würden. Dabei steht die fragile Installation in der Koje des Galeristen Werner Tammen auf der Position Art Fair. 70 Galerien breiten im Hangar 4 des Tempelhofer Flughafens aus, was sie wichtig, spannend und passend für eine Messe finden, die ihre Käufer weniger durch die Anziehungskraft ganz großer Namen als vielmehr die Kunst selbst überzeugen will. Und über weite Strecken gelingt ihr das auch.

Pia Ferm ist solch eine Entdeckung. Die Bonner Galeristin Judith Andreae zeigt zwei abstrakte Tapisserien der jungen Schwedin, die noch am Frankfurter Städel bei Tobias Rehberger studiert. 9000 Euro soll der größere Wandteppich kosten. Dazu kombiniert Andreae gescannte Pusteblumen oder Holunder des Fotografen Achim Mohné, die vor dunklem Hintergrund wie historische Stillleben wirken (1196–9000 Euro). Wirklich alt sind die feinen Blätter beim Berliner Kunsthändler Ralph R. Haugwitz und bei Kunkel Fine Art aus München, an dessen Stand Arbeiten etwa von Lyonel Feininger, Otto Dix oder der Art-déco-Künstlerin Dodo hängen. Beide ergänzen das zeichnerische Angebot von Zeitgenossen wie Li Trieb, die sich am Stand der Galerie Commeter (Hamburg) für ihre Arbeitszeit mit dem Bleistift bezahlen lässt: 6137 Minuten steht unter einem großen Blatt, das Wasser in leiser Bewegung imaginiert (12 500 Euro).

Die Kunst macht vielstimmig auf sich aufmerksam

Am Stand der Galerie Szydlowski aus Warschau dann überall Glitzer von Maja Kitajewska. Die polnische Künstlerin beklebt ihre Stillleben mit Perlen und Pailletten (2700–7000 Euro). Erst auf den zweiten Blick wird klar, dass es sich um Ameisen, Würmer und Fliegen handeln soll, die die unwiderstehlichen Motive zu Memento mori machen. Eigentlich sind diese Sträuße schon tot.

Die Kunst macht hier vielstimmig auf sich aufmerksam. Modernistische Architektur am Stand von Martin Mertens, die fotografiert aussieht, tatsächlich aber von Jens Hausmann minutiös gemalt worden ist, konkurriert mit den implodierenden Motiven von Niq Nanu Daah (1800–18 000 Euro) bei Volker Westphal aus Berlin oder den abstrakten Leinwänden von Georg Stahl (Galerie Zellermayer). Nicht alles funktioniert, manches gleitet ab ins Dekor, wie eine Badenixe von Carole Feuerman, deren fröhliche Naivität kein bisschen gebrochen wird. Andere Galeristen rumpeln ihre Stände voll, weil auch eine junge Messe wie die Positions knapp 6000 Euro für einen Auftritt auf 20 Quadratmetern verlangt, um ihre Kosten zu decken.

Manche Galeristen rumpeln ihren Stand voll

Eine günstige Alternative sind die einfachen, vier Meter langen Wände für Solopräsentationen – und in diesem Segment lässt sich die Berliner Galerie Subjectobject entdecken. Sie zeigt „Traces of Civilisation“ (390–3900 Euro) des japanischen Künstlers Kazumi Yabuuchi: konstruktive Skulpturen aus Zement und elektronischen Elementen, die funktionslos in der grauen Masse stecken. Beides zusammen setzt assoziative Prozesse in Gang. Japans Katastrophen der jüngeren Vergangenheit kommen einem in den Sinn, und auf einmal wirken die geometrischen Objekte tatsächlich wie zersprengte Reste kaputter Reaktoren oder Brücken. Wenige Meter weiter baut Benjamin Vogel sein Land einfach um: Der Künstler, Jahrgang 1971, hat vor Längerem ein Gebirge nahe Dortmund erfunden, seitdem schafft er Karten, Panoramagemälde und Modelle zu jenem Massiv, das bei Wolfstaedter aus Frankfurt wie realistisch wirkt.

Auf 277 künstlerische Positionen bringen es die Galerien zusammen mit der Messe, die selbst den Part „academy Positions“ stemmt – mit 16 Absolventen deutscher und polnischer Kunstakademien, die sich teils zum ersten Mal offensiv vorstellen. Das Angebot ist also riesig und ein Preis wie 24 000 Euro für eine „Beethoven“-Kleinskulptur von Markus Lüpertz am Stand der Bermel von Luxburg Gallery schon im Spitzensegment der Positions angesiedelt, die sich so divers aufstellt, wie es die Berliner Kunstszene tatsächlich ist. Das passt.

Positions Berlin Art Fair, Flughafen Tempelhof, Hangar 4, Columbiadamm 10, bis 15. September, Sa 11–19, So 11–18 Uhr

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