Mark Knopfler wird 70 : Meister des Minimalismus

Als Gitarrist der Dire Straits erfand Mark Knopfler seinen ganz eigenen Sound. Jetzt wird er 70 Jahre alt. Eine Gratulation.

Mark Knopfler
Mark KnopflerFoto: picture alliance / dpa

Sultane des Swings, das klingt pompös. In Wirklichkeit sind es Amateure, Nebenberufsmusiker, die an einem verregneten Abend in einem Londoner Club Dixiejazz spielen. Nicht viel los, kaum Zuhörer. Guitar George hat alle Akkorde drauf, beschränkt sich aber auf den Rhythmus, hält sich zurück, weil er alles Melodramatische hasst. Seine Gitarre ist alt, mehr kann er sich nicht leisten.

„Sultans of Swing“, 1978 auf dem Debütalbum der Dire Straits erschienen, zählt zu den größten Hits der Band, er ist ihr Erkennungssong. Das Album erreichte in Deutschland, Frankreich und Australien den ersten Platz der Charts, in den USA den zweiten. Fulminanter kann eine Karriere nicht beginnen. In Guitar George steckt ein Selbstporträt des Sängers und Gitarristen Mark Knopfler. Sein Minimalismus ist legendär. Knopfler zupft mit zwei Fingern, am liebsten auf einer roten Stratocaster-Gitarre, spielt prägnante, aber kurze Soli. Trotzdem ist es ihm gelungen, einen Signature Sound zu erschaffen, einen eigenen Klang, der auf klaren, hellen Tönen beruht und etwa bei „Sultans of Swing“ so herrlich sirrt und swingt.

Anfänge im Journalismus

Knopfler, der 1949 im schottischen Glasgow geboren wurde und in der Nähe des englischen Newcastle aufwuchs, hatte als Journalist gearbeitet, bevor er sich für die Musik entschied. Der Reporter ist in seinen frühen Liedern noch zu spüren, etwa wenn er in „Wild West End“ durchs Londoner Zentrum streift, von Angellucci’s Kaffeehaus durch Chinatown bis in eine Go-Go-Bar. Dire Straits bedeutet so viel wie „blanke Not“ und fasst ganz gut die finanzielle Situation zu der Zeit in Worte, als Mark Knopfler die Band 1977 gründete. Sein drei Jahre jüngerer Bruder David stieg während der Aufnahmen zum dritten Album „Making Movies“ aus, weil er mit seinen Ideen nicht durchkam. Versöhnt haben sich die Brüder bis heute nicht.

Pioniere des Digitalen

Vom Punk-Zeitgeist des Jahres 1977 ist in der perfekten, später bei Titeln wie „Love over Gold“ gefällig-kunstgewerblich klingenden Musik der Band nichts zu spüren. Sie passte bestens in die beginnende Digital-Ära. Ihre Platte „Brothers in Arms“, 1985 eine digital produzierte Pioniertat, wurde ein CD-Bestseller. Zehn Jahre später löste Knopfler die Dire Straits auf, an einer Reunion ist er nicht interessiert. „Ich habe auf Bauernhöfen gearbeitet und Lastwagen beladen, aber ich habe nie Musik für Geld gemacht“, hat er in einem Interview gesagt. „Und ich fang sicher jetzt nicht damit an.“

Knopfler hat Soundtracks für Filme wie „Local Hero“ oder „Wag the Dog“ komponiert, er hat Platten von Tina Turner, Willy DeVille und Randy Newman produziert. Und auf Bob Dylans Alben „Slow Train Coming“ und „Infidels“ ist der tupfende Ton seiner Gitarre unüberhörbar. Doch als Musiker hält er sich für überschätzt. Sein Spiel habe unter dem Leben als Songwriter gelitten, er spiele „wie ein Klempner“.

Reisender Handwerker

Knopfler, ein reisender Handwerker, geht immer noch regelmäßig auf Tournee, zuletzt war er im Mai in Berlin. Seine Musik wird immer ruhiger, immer ländlicher. Vor einem Jahr kam „Down The Road Wherever“ heraus, eine Folk-, Jazz- und Countryplatte.

„Ich geh meinen Weg hier raus, ein Lied nach dem anderen“, singt er da. Er klingt zuversichtlich. Heute wird Mark Knopfler 70 Jahre alt, sein Weg ist noch nicht zu Ende.

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