Neue Broschüre : Wie können Theater auf rechte Übergriffe reagieren?

Eine Broschüre informiert Kunst- und Kulturschaffende, wie sie einem „Missbrauch von Veranstaltungen“ durch Rechts in Zukunft begegnen können.

Ulrich Khuon, Präsident Deutscher Bühnenverein (l-r), Bianca Klose, Projektleiterin Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin und Kultursenator Klaus Lederer.
Ulrich Khuon, Präsident Deutscher Bühnenverein (l-r), Bianca Klose, Projektleiterin Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin...Foto: Paul Zinken/dpa

Zwischenrufe, Banner, die hochgehalten werden, Drohungen, aber auch parlamentarische Anfragen und Klagen gegen die Aufführung von Theaterstücken: Der Kulturkampf von rechts ist in vollem Gange. Darum hat das Projekt „Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin“ (MBR) jetzt eine Handreichung mit dem Titel „Alles nur Theater?“ herausgegeben.

Eine rhetorische Frage, die Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) bei der Präsentation der Broschüre am Donnerstag dennoch beantwortet: „Nein, es ist inzwischen deutlich mehr als Theater.“ Deswegen gibt die Broschüre den Kunst- und Kulturschaffenden Tipps an die Hand, wie sie einem „Missbrauch von Veranstaltungen“ in Zukunft begegnen können, wie MBR-Projektleiterin Bianca Klose es nennt. Ihr Rat: „Ruhig bleiben, ein eigenes Tempo bestimmen und den Ort der Auseinandersetzung selbst wählen.“

Außerdem legt sie betroffenen Einrichtungen nahe, sich juristisch beraten zu lassen. Als Negativbeispiel dient Klose die „vorauseilende Unterwerfung“ der Stiftung Bauhaus in Dessau, die im vergangenen Oktober aus Furcht vor angekündigten rechtsgerichteten Protesten ein Konzert der Punkrock-Band Feine Sahne Fischfilet abgesagt hatte. Die Stiftung habe sich ohne Not von Rechtsextremen hetzen lassen.

Rechte Argumentationsmuster entlarven

Auch das Deutsche Theater, das als Schauplatz der Broschüren-Präsentation dient, hat mit Übergriffen zu tun. Zum Beispiel im vergangenen Jahr, als die rechtsextreme „Identitäre Bewegung“ die Performance „Gala Global“ störte. DT-Intendant Ulrich Khoun erklärt, man müsse die Auseinandersetzung suchen und rechte Argumentationsmuster entlarven. „Wir dürfen aber auch kein Podium bieten“, ergänzt er.

Die MBR ist ein Projekt des Vereins für Demokratische Kultur in Berlin. Gefördert wird es sowohl vom Land als auch vom Bund. Leiterin Bianca Klose nutzt die Präsentation am Donnerstag, um eine weitere Veröffentlichung anzukündigen: In ein paar Monaten soll eine Broschüre folgen für Gedenkstätten und Museen zum Umgang mit Geschichts- und Gedenkpolitik von rechts. Alle Handreichungen des Projekts sind vollständig und kostenfrei im Internet abrufbar unter www.mbr-berlin.de.

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