Pete Shelley ist tot : Liebe kann weh tun

Mit den Buzzcocks und "Ever fallen in love" in die Ruhmeshalle des Pop: Zum Tod des Punksängers Pete Shelley.

Für immer Punk. Pete Shelley 2010 bei einem Konzert in West Stussex, Großbritannien.
Für immer Punk. Pete Shelley 2010 bei einem Konzert in West Stussex, Großbritannien.Foto: Gareth Fuller/dpa

Fällt der Name Pete Shelley braucht der eine oder die andere erstmal eine Weile mit der Verortung. Erklärt man dann, dass Shelley der jetzt am Nikolaustag verstorbene ehemalige Sänger der Buzzcocks war, einer britische Punkband der allerersten Stunde, fangen alle sofort an zu summen: „Ever Fallen In Love“, vielleicht sogar noch den Nachsatz „in love with someone /You shouldn't have fallen in love with?“. Der Song über die Schwierigkeiten mit der Liebe und über ihre Irrwege ist einer der besten, berühmtesten, melodiösesten und auch ikonografischsten der Punk-Ära, selbst wenn die Buzzcocks nie die Größe, den Ruhm und den Legendenstatus der Sex Pistols oder von The Clash erlangten.

Die Buzzcocks kamen vor den Sex Pistols in Manchester

Dabei ist allein ihre Gründung in den Jahren 1975/ 1976 legendär. Pete Shelley, der 1955 in Leigh im Nordwesten Englands geboren wurde, und sein Kumpel Howard Devoto reisten im Februar 1976 mit einem ziemlich zerbeulten Mini-Cooper von Manchester nach London, um hier nicht nur zwei Gigs der Sex Pistols zu sehen und zu erleben, sondern diese auch zu einem dann von ihnen organisierten Konzert für den Sommer nach Manchester einzuladen – natürlich mit dem Hintergedanken, dort selbst als Vorband aufzutreten. Nur zerbrach das erste Line-Up der Buzzcocks, und erst ein paar Wochen später, als die Sex Pistols ein zweites Mal die nordenglische Stadt aufsuchten, klappte es mit dem Gig. (Ihrerseits boten die Buzzcocks übrigens zwei Jahre später Joy Divison erstmals als Vorband eine Bühne). Nach ersten in Eigenregie aufgenommen und produzierten Songs, für die selbst ein Label gründeten, erschienen auf einem Major die ersten offiziellen Buzzcocks-Singles „Orgasm Addict“ oder „What do I get“, (leider keine Liebe, überhaupt nichts!), und Ende der siebziger Jahre in schneller Folge mehrere Alben wie „Another Music in a Different Kitchen“, „Love Bites“, auf dem „Ever fallen in love“ drauf ist, und „A Different Kind of Tension“.

Mit "Homosapien" hatte Shelley auch ein gutes New-Wave-Album

Im Vergleich mit den oft räudig singenden Punkkollegen war Shelley mit seiner oft in höheren Tonlagen zu findenden Stimme ein Gesangstalent. Auch die Songs der Buzzcocks, wenn gleich punkmäßig schnell und nicht mehr als aus eins, zwei, maximal drei Akkorden bestehend, waren in der Regel eine Spur mehr dem Pop zugewandt, eine Spur melodiöser und elaborierter als die anderer Punkbands. Und auch inhaltlich waren sie weniger rebellisch und provokativ, ging es darin mehr ums Aufwachsen, Gefühle und Liebe.

Lebe schnell, rocke schnell, löse dich schnell auf: Ende 1980 war erstmal lange Schluss mit den Buzzcocks. Shelley wandte sich der elektronischen Musik, dem New Wave zu. 1981 veröffentlichte er sein erstes und bestes Soloalbum „Homosapien“, mit Songs, die eigentlich für ein Buzzcocks-Album geschrieben waren, dann jedoch ein elektronisches Gewand bekamen. Auf dem Cover sieht man ihn zeitgemäß in einem weißen Anzug vor einem Computer sitzen, in einem Raum, in dem alles schön kalt und geometrisch ist.

Auf „Homosapien“ blubbert der Drumcomputer vor sich hin, die Songs sind manchmal zwingend, manchmal auch etwas bedächtig und nur halb originell, und doch braucht das Album in seinen besten Momenten den Vergleich nicht zu scheuen zum Beispiel mit „Penthouse and Pavement“ von Heaven 17, das im selben Jahr erschien. Erfolg allerdings war Shelley nur noch mäßig beschieden, und im folgenden nahm seine Karriere den typisch mittelmäßigen Verlauf: hier ein weiteres Soloalbum und noch eins, dort eine Buzzcocks-Reunion und noch eine, mit immer mal anderen Musikern, auch neue Buzzcocks-Platten gab es. In der Ruhmeshalle des Pop ist Shelley mit seinem Frühwerk gelandet, gerade mit dem All-Time-Classic „Ever fallen in love“. Wie es sich für einen Punksong gehört, ist der natürlich kurz, aber eben auch: viel zu kurz. Muss man immer wieder hören.

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