Rowohlt bekommt neuen Verleger : Florian Illies wird Verlagsleiter

Von der Generation Golf über die Kunst in die Verlagsbranche: Florian Illies übernimmt die verlegerische Leitung von Rowohlt.

Buchkenner. Florian Illies, 47.
Buchkenner. Florian Illies, 47.

Die Verlags- und Buchbranche hat es gerade nicht leicht, von wegen Leserschwund, rückläufige Umsätze und digitaler Wandel, ihre Stimmungslage ist eine diffuse, und diese doch überraschende Personalie passt da ins Bild: Florian Illies wird kommendes Jahr Verleger des zur Holtzbrinck Gruppe gehörenden Rowohlt Verlags und löst damit Barbara Laugwitz ab, die erst 2014 Nachfolgerin von Alexander Fest geworden war.

Der 1971 im osthessischen Schlitz geborene Illies ist einem großen Publikum allerdings nicht als Verleger bekannt, sondern vor allem als Buchautor. Im Jahr 2000 inspizierte er die „Generation Golf“, drei Jahre später dann ein zweites Mal, eine Generation, „die das ironisch Gebrochene bei jeder Handlung mitdenkt“, so Illies damals. Und die dann zu ahnen begann, wie er es in seinem zweiten Golf-Buch orakelte, „dass wir das Beste vielleicht schon hinter uns haben“.

Ob Illies es selbst in der Folge immer noch besser getroffen hat, das kann vermutlich nur er allein beurteilen. Seine Karriere jedenfalls ist nicht nur wegen des Millionensellers eine imposante, abwechslungsreiche: Illies leitete die „Berliner Seiten“ der „FAZ“, gründete das Kunstmagazin „Monopol“, war Feuilletonchef der „Zeit“, schrieb weitere Bestseller wie 2012 den historischen Jahresreigen „1913“ und leitete zuletzt das Berliner Auktionshaus Villa Grisebach.

Dieses Jahr noch zieht Rowohlt von Reinbek in Hamburgs City

Seine Ernennung zum Rowohlt-Verleger erinnert an jene der „FAZ“-Kulturredakteurin Felicitas von Lovenberg, die 2016 zur Leiterin des Piper Verlags wurde. Der Geschäftsführer der Holtzbrinck Buchverlage Joerg Pfuel spricht von einem „seltenen Glücksfall für Rowohlt“, denn: „Er kennt die Buchbranche aus der Sicht des Autors ebenso wie als umfassend interessierter Journalist.“ Dazu kämen seine unternehmerischen Erfahrungen eben bei „Monopol“ und Grisebach, was Pfuel als „einzigartige Voraussetzungen“ bezeichnet.

Trotzdem stellt sich natürlich die Frage nach den Gründen dieser personelle Veränderung an der Rowohlt-Spitze. Ob es mit dem Umzug von Reinbek nach Hamburg noch in diesem Jahr zu tun hat, man gewissermaßen alles auf Neustart setzt? Oder mit Illies’ Vorgängerin Barbara Laugwitz, die von Pfuel zwar ein paar nette Worte zum Abschied bekommen hat, mit der es aber wohl Dissonanzen gab: „Unterschiedliche Vorstellungen über den weiteren Weg haben uns am Ende zu dem Schritt einer Veränderung in der verlegerischen Leitung bewogen.“ Oder ob es vor allem die schwieriger gewordenen Bedingungen auf dem Buchmarkt sind, die primär ausschlaggebend waren? Er wolle Bücher verlegen, die attraktiver seien, „als der Blick zum Handy, ein Gegengift quasi“, hat Illies gegenüber „Spiegel online“ gesagt, genau „die Bücher, von denen die Menschen träumen“.

Momentan hat Rowohlt nur zwei Bestseller

Das klingt natürlich großartig – nur sieht die schnöde Rowohlt-Bestseller-Gegenwart nicht so großartig aus. Da finden sich diese Woche in der Belletristik-Liste nur zwei Titel mit der ewigen Jojo Moyes und dem ewigen Daniel Kehlmann, in der Sachbuchliste gar keiner, und mit Inger-Maria Mahlkes Teneriffa-Roman „Archipel“ hat es auch nur ein Titel des Verlags auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft.

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Rowohlt ist auch der Verlag von Martin Walser, Wolfgang Herrndorf, Jonathan Franzen oder Paul Auster, ein klassisch literarischer Verlag, der trotzdem das große Publikum im Blick haben muss. Ein verlegerisches Profil zu entwickeln ist vor diesem Hintergrund gar nicht einfach. An der richtigen Mischung aus herausragenden literarischen Titeln und Büchern, mit denen sich viel Geld verdienen lässt, arbeiten im Moment alle einschlägigen Literaturverlage von Hanser über Suhrkamp bis zu S. Fischer und Piper, und dies dürfte auch der oberste Auftrag von Florian Illies beim Rowohlt Verlag sein.

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