Saxofonquartett Clair-Obscur : Sound der Städte

Von Moskau bis Paris: Das Saxofonquartett Clair-Obscur und das Brandenburgische Staatsorchester begeben sich am Gendarmenmarkt auf musikalische Reise.

Elias Pietsch
Das Saxofon ist „Instrument des Jahres“. Das Clair-Obscur-Quartett.
Das Saxofon ist „Instrument des Jahres“. Das Clair-Obscur-Quartett.Foto: Boris Streubel

Der Sound einer Stadt hat schon viele Komponisten inspiriert: Ob New York für Leonard Bernsteins „West Side Story“ oder Ralph Vaughn Williams „A London Symphony“ – es scheint etwas im Lärm der Metropolen zu sein, das Musik hervorbringt. Der Auftritt des Brandenburgischen Staatsorchesters aus Frankfurt (Oder) bietet am Sonntag im Konzerthaus am Gendarmenmarkt gleich einen mehrteiligen Städtetrip. Zweimal Moskau und jeweils einmal Paris und Berlin stehen auf dem Fahrplan der musikalischen Reise.

Den Anfang macht die französische Hauptstadt. Eine Nacht in der Stadt im späten 19. Jahrhundert macht in „Paris: The Song of a Great City“ der englische Komponist Frederick Delius hörbar. Die Klangflächen, die diese Nachtstimmung evozieren, geht das Orchester unter der Leitung von Marc Piollet in schwelgerischem Ton an. Vor allem der Schluss mit dem Gesang der allmählich erwachenden Vögel wird mit großem Gespür für Dynamik und Klangfarben umgesetzt.

Mit Spaß bei der Sache

Das Herzstück des Abends, der unter dem Motto „Saxophone in Concert“ steht und das aktuelle „Instrument des Jahres“ feiert, ist Enjott Schneiders „Berlin Punk“. Hierzu kommt das Berliner Saxofonquartett Clair-Obscur auf die Bühne. Für die vier Solisten hat Schneider das Konzert 2016 geschrieben. Sie spielen auswendig und im Stehen, die Chemie zwischen den Musikerinnen und Musikern ist großartig. Das Tenorsaxofon heult auf, die anderen knarzen, stöhnen und seufzen um die Wette. Der Bigband-Sound des Stücks hat letztlich aber mehr mit den Zwanzigerjahren gemein als mit den Achtzigern, auch schleichen sich im Orchester immer wieder leichte rhythmische Ungenauigkeiten ein.

Nach der Pause geht es dann weit gen Osten, in die russische Hauptstadt: Alexander Glasunows „Der Kreml“ aus dem Jahr 1890 und die Suite aus Dmitri Schostakowitschs 1959 uraufgeführter Oper „Moskau, Tscherjomuschki“ bieten musikalische Abbilder der Stadt vor und nach der Revolution. Hier ist das Orchester deutlich sicherer in seiner Interpretation, vor allem Dirigent Marc Piollet hat sichtlich Spaß an den Stücken. Zur Belustigung des Publikums glänzt er mit kleinen tänzerischen Einlagen, gibt Schostakowitschs parodistischer Musik die nötige Leichtigkeit.

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