Sequel zu "Zombieland" im Kino : Beziehungskrise und Stress mit Untoten

Mehr Seifenoper als Schocker: Das Sequel „Zombieland: Doppelt hält besser" setzt auf die bewährte Erfolgsformel des Originals.

Versteht keinen Spaß: Emma Stone als Zombiejägerin Wichita.
Versteht keinen Spaß: Emma Stone als Zombiejägerin Wichita.Foto: Sony

Auch nach der Zombie-Apokalypse geht die Evolution weiter. Zwar gibt es strunzdumme Zombies, Spitzname „Homer“, die verlässlich ohne Fremdeinwirkung die schlimmsten Tode sterben. Doch dazu gesellen sich „Hawkings“, nach dem berühmten Physiker. Sie sind smart und in der Lage, selbst Sicherheitssysteme mit Retina-Scanner zu überlisten.

Physisch bedrohlicher fallen die „Ninja-Zombies“ aus. Sie sind schnell, leise, tödlich, aber noch längst nicht die Krone der Schöpfung. Die hat nämlich auch die „T-800“ hervorgebracht, benannt nach dem Terminator. Die Augen vollkommen verdunkelt, die Haut bläschenbesetzt sind sie einfach nicht totzukriegen. Ein Schuss in den Kopf und aus die Maus? Der „T-800“ rennt, wankt, kriecht weiter auf sein Opfer zu.

Kein Wunder, dass es für die vier Protagonisten, die im ersten Teil von „Zombieland“ (auch schon wieder zehn Jahre her) mit ungeahnter Lässigkeit Horden von Untoten ins, nun ja, Jenseits befördert haben, noch mal brenzlig wird. Tallahassee, Little Rock, Wichita und Columbus haben sich mittlerweile im Weißen Haus eingerichtet. Schließlich lassen sich dort die Vorzüge einer rechtsfreien Welt, wie man nicht erst seit Trump weiß, genauso gut genießen.

Abe Lincoln guckt beim Sex zu

Zwischen Oval-Office und Lincoln-Bedroom leben sie als Ersatzfamilie zusammen. Waffen- und Elvis-Narr Tallahassee (Woody Harrelson) übernimmt die Vaterrolle für Little Rock (Abigail Breslin), die sich mit Anfang Zwanzig nach gleichaltriger Gesellschaft sehnt. Währenddessen lebt ihre ältere Schwester Wichita (Emma Stone) mit Columbus (Jesse Eisenberg) den ganz normalen Beziehungsalltag - alles unter den forschen Blicken des Lincoln-Porträts an der Schlafzimmerwand. Die Idylle platzt, als Columbus mit dem Hope-Diamanten um Wichitas Hand anhält, was Bindungsängste weckt. Eine Abschiedsnotiz später sind die Schwestern abgehauen, hinein in die zombieverseuchte Welt. Die Ersatzfamilie droht zu zerbröseln.

Das klingt eher nach Seifenoper als nach Zombie-Horror. Die Schocks sind in „Zombieland: Doppelt hält besser“ dann auch zweitrangig. Regisseur Ruben Fleischer mit seinem Autoren-Trio Rhett Reese Paul Wernick und David Callaham geht es wie schon im ersten Film vor allem um die Gruppendynamik, um selbstreferenzielle Gags, Pop-Zitate, versehen mit einem guten Schuss beiläufiger Gewalt.

Zombie-Bedrohung wird zur Alltagsroutine

Der Witz besteht darin, dass nach dem Ende der Menschheit irgendwann auch die Zombie-Bedrohung zur Alltagsroutine mutiert. Zwar werden die Untoten schon mal in Super-Zeitlupe zu Metallicas „Master of Puppets“ massakriert. Und den Roadtrip nach Graceland sowie einen Besuch in einer Hippiekommune (der im Ansturm einer T-800-Horde kulminiert) lässt sich Fleischer auch nicht entgehen. Doch dazwischen kommt die Handlung immer wieder zum Erliegen, wenn sich die Veteranen und ihre neuen Mitstreiter, darunter Rosario Dawson, Luke Wilson und Zoey Deutch, ausführlich beharken.

Langweilig wird das nicht, auch die Darsteller haben sichtlich Spaß bei den Wortgefechten. Gleichzeitig zeigt Regisseur Ruben Fleischer, der mit dem Überraschungserfolg von „Venom“ seine Visitenkarte für Hollywoods A-Liga vorlegte, so viel Einsicht in die überschaubare Substanz seines Plots, dass er es bei knapp 90 Minuten belässt. Doch wie es sich für eine Seifenoper gehört, wird wohl auch „Zombieland 2" eine Fortsetzung finden.
In 16 Berliner Kinos, auch OV

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